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Ernst Kluge rettete den Branitzer Park

Jagdgruppe in Groß Döbbern 1928 mit Förster Johns, Ernst Kluge, Unbekannt, Von Zabeltitz junior, Graf Pückler, Graf Pückler junior und Förster Diedler (v.l.).
Jagdgruppe in Groß Döbbern 1928 mit Förster Johns, Ernst Kluge, Unbekannt, Von Zabeltitz junior, Graf Pückler, Graf Pückler junior und Förster Diedler (v.l.). FOTO: Familienbesitz
Cottbus. Als Helga Leber Fritz Zahns Buch "Fürst Pückler-Muskau als Gartenkünstler und Mensch", erschienen 1929 im Albert-Heine-Verlag Cottbus, aus der Bibliothek ihres Vaters Ernst Kluge durchblätterte, stieß sie auf ein Dokument zur Cottbuser Geschichte von großem Wert. Ulrike Elsner

Der Oberforstmeister hatte auf dem Rückdeckel unter dem Stichwort "Bemerkung" seine Erfahrungen mit dem Branitzer Park, der fürstlichen Familie und der russischen Besatzungsmacht vermerkt.

Heute wäre Ernst Kluge (1887 - 1961) 130 Jahre alt geworden. Ein würdiger Anlass, um an die Leistungen des Mannes zu erinnern, dessen Verdienste um die Stadt Cottbus und das Pücklererbe nicht hoch genug zu schätzen sind. Der Forstmann berichtet von der Mühe, derer es bedurfte, den eigenwilligen Reichsgrafen von Pückler in den 20er- und 30er-Jahren zu den "notwendigsten Plenter- und Lichtungshiebe(n) im Park" zu bewegen.

Doch die größte Herausforderung sollte ihm noch bevorstehen. Kluge schreibt: "Im Herbst 1945 forderte der russische Kommandant des Kr. Cottbus vom Landrat die Freigabe des Parkes zur Anlage von Siedlungen. Das hätte das Ende des Parkes Branitz bedeutet. Als Forstreferent beim Landratsamt verhandelte ich mit dem Kommandanten, um dies zu verhindern. Nach langen intensiven Vorstellungen, unter Hinweis auf die Bedeutung des Parkes sowohl international wie für die Werktätigen, zog der Kommandant . . . seine Forderung zurück mit den Worten: Wir sind keine Barbaren! So blieb der Park als solcher erhalten!"

Tochter Helga Leber, die zu Kriegsende zwölf Jahre alt war, kann sich noch gut an diese Zeit erinnern: "Wenn Vater zur Kommandantur ging, musste er immer wieder Sto Gramm (russisches Wodkamaß - d. Red.) trinken. Ihm fehlte aber die Grundlage, denn wir hatten nur Wassersuppe zu essen. Wenn er dann nach Hause kam, war er ganz krank. Irgendwann sagte Mutter: Ich mach das nicht mehr mit. Du gehst mir vor die Hunde. Er aber antwortete: Nein, nein. Die kostbaren Bäume müssen erhalten werden, ich mache weiter bis zum Ende."

Dass Ernst Kluge das Landschaftsdenkmal schließlich doch retten konnte, führt seine Tochter heute auf seine Argumentation zurück, dass der Park stets für das Volk von Bedeutung war. Wäre ihm das nicht gelungen, so Helga Leber, "gäbe es heute keinen Park mehr und niemand in Cottbus hätte Grund, einen Antrag auf Aufnahme in die Liste des Unesco-Welterbes zu stellen."

Auch Bernhard Neisener, Vorsitzender des Fördervereins "Fürst Pückler in Branitz", ist sich sicher, dass der Park nach dem Zweiten Weltkrieg extrem gefährdet war: "Es ging erst einmal darum, die Versorgung zu sichern. Wohnraum war knapp. Und im kalten Winter 1946/47 fehlte Brennholz." Umso höher sei zu schätzen, was Ernst Kluge für Branitz und die Forstwirtschaft geleistet hat: vor dem Krieg vor allem als Forstmeister und nach dem Krieg als Forstreferent.

Kluges Verdienste um Branitz und um die Forstwirtschaft auf den kargen Lausitzer Böden sei nicht gänzlich unbekannt, sagt Bernhard Neisener. So ist im Cottbuser Heimatkalender für das Jahr 2012 ein Beitrag von Helga Leber über den Forstmann, der den Branitzer Park rettete, erschienen. "Aber", so der Vereinsvorsitzende, "dann ist er wieder in Vergessenheit geraten." Es gehöre aber zum Selbstverständnis des Fördervereins "Fürst Pückler in Branitz", eine Persönlichkeit mit solchen Verdiensten in den Blickpunkt zu rücken. Sein Nachlass sei "ein enormes Kulturgut und ein Zeitzeugnis von großem Wert". Tochter Helga Leber hat einen ganz bescheidenen Wunsch: "einen kleinen runden Stein im Branitzer Park, der an meinen Vater erinnert".