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| 01:36 Uhr

Ernst Buchrucker

Der Sohn eines Oberlehrers aus Sobernheim bei Kreuznach, geboren am 5. Januar 1878, war im 1. Weltkrieg Kompaniechef des Infanterieregiments Nr. 99 und wurde „nach rigoroser Kampfesführung“ bald zum Major im Generalstab befördert.

Bei dem Versuch von Kapp und Lüttwitz, im März 1920 die Weimarer Regierung zu stürzen, war Buchrucker sofort auf Seiten der Putschisten. Als Garnisonältester des Reichswehrstandortes Cottbus übernahm der Major die "vollziehende Gewalt" und verbot alle Kundgebungen und Demonstrationen.
Als es beim Ankleben seiner Befehle in der Spremberger Straße zu Unruhen kam (seine Streifen wurden verprügelt, Plakate abgerissen), sandte Buchrucker zwei Halbzüge schwerer Maschinengewehre zum Spremberger Turm. Nach Aufforderung, die Straße zu räumen, ließ ein Offizier schießen: vier Tote und fünf Verletzte waren das Ergebnis des Überfalls. Eine Gruppe der Putschisten zerstörte anschließend in der Mühlenstraße durch Handgranaten die Druckerei der USPD-Zeitung "Freier Volkswille". Trotz der Niederlage des Kapp-Putsches unter anderem auch durch den mutigen Einsatz bewaffneter Arbeitergarden in Cottbus, Drebkau und Senftenberg, blieb Buchrucker Garnisonältester in Cottbus, wurde erst am 30. September 1920 als Major aus der Reichswehr entlassen und zog sich auf sein Landgut in Vetschau zurück.
In den Jahren 1922/23 war Buchrucker als Zivilangestellter der Reichswehr in Ostelbien unter Umgehung des Versailler Vertrags Organisator der "Schwarzen Reichswehr", die im Jahr 1923 eine Stärke von 20 000 Mann erreichte. Sein Putschversuch am 1.Oktober 1923 in der Garnisonstadt Küstrin ("Buchruckerputsch") brach schnell zusammen. Wegen Hochverrats wurde er am 27. Oktober 1923 zu zehn Jahren Festungshaft im Pommerschen Zentralgefängnis in Gollnow bei Stettin verurteilt, aber bereits 1927 amnestiert. Mit Beginn des 2. Weltkrieges trat der 61-Jährige der Wehrmacht bei und wurde bald darauf als Oberstleutnant verabschiedet. In den 50er-Jahren war er Mitgründer des Preußenbundes. Der putschende Offizier starb am 19. Februar 1966 in Bad Godesberg. (hhk)