Steenbeck-Schulleiter Andreas Käßner hat sich den Beschluss der Stadtverordneten vom 30. November vorigen Jahres gut aufgehoben. Er zitiert die drei Einzelbeschlüsse: Leichhardt wird aufgelöst; Steenbeck bleibt als Spezialschule erhalten und nimmt die verbleibenden Leichhardt-Gymnasiasten auf; Steenbeck darf 2006/07 auf vier Züge erweitern. Nur in der angehängten Begründung zum Beschluss heißt es vorsichtig: „Jeweils ein bis maximal zwei Züge dienen einer dem Bedarf angepassten Integration körperbehinderter Schülerinnen und Schüler.“
Vergeblich, sagt der stellvertretende Schulleiter Frank Ristau, habe man gegenüber Stadtverordneten und -verwaltung Monate lang gegen eine Konstruktion argumentiert, die gar nicht tragfähig war: „Integration und Eliteförderung passt nicht zusammen. Das haben wir immer gesagt.“ Irgendwie, ergänzt Andreas Käßner, habe Steenbeck sich dann aber doch auf den verwaschenen Kompromiss eingelassen - und das Glück gehabt, im Schuljahr 2006/07 keinen körperbehinderten Schüler aufnehmen zu müssen. Erst mit Verspätung und auf Nachfrage des Staatlichen Schulamtes würden jetzt Beschlüsse rückgängig gemacht, die gar nicht hätten gefasst werden dürfen.

„Nachkarten ist müßig“
Der Bildungsausschuss-Chef Wolfgang Neubert (SPD) will nicht weiter auf dem verkorksten Beschluss vom November 2005 herumreiten, der nun wieder revidiert wird: „Nachkarten ist müßig. Das war kein Beinbruch.“ Viel lieber erklärt Neubert, wie gut die jetzt gefundene Lösung ist - finanziell und stadtplanerisch auf die Situation der Stadt abgestimmt.
Das Humboldt soll nun also mit dem Leichhardt in dessen behindertengerecht ausgebautem Gebäude fusionieren. Schließlich stünde das Humboldt-Gebäude ab 2013 im Abbruchgebiet, so Neubert. Im Leichhardt-Gebäude käme es darauf an, die Profile beider Schulen zu vereinen. Das Humboldt-Gymnasium und seine Partnerschule in Polen haben eine Millionen Euro EU-Mittel bekommen. Wird die Kooperation fortgesetzt - künftig eben nur von einem anderen Gebäude aus - dürften keine Rückforderungsansprüche anfallen, ist sich Neubert sicher. Klar sei, dass dem Steenbeck nur wieder drei siebte Klassen zugestanden werden.
Käßner und Ristau haben dagegen gar nichts einzuwenden. Sie sind froh, dass sich ihre Schule weiter ungestört auf ihr Kerngeschäft konzentrieren darf - die mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Zusatzausbildung. Die Freude steigert noch der Auftrag, den der Bildungsausschuss der Verwaltung gegeben hat: Sie soll prüfen, ob das Steenbeck-Gebäude sanierungsbedürftig ist.