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Erinnerungen an ermordete Cottbuser

Diese Steine erinnern in der Sprem an drei Cottbuserinnen.
Diese Steine erinnern in der Sprem an drei Cottbuserinnen. FOTO: mih1
Cottbus. Nach langer Pause werden am Sonnabend, 18. März um 16 Uhr, in Cottbus sechs neue Stolpersteine verlegt. Daniel Steiger

Das berichtet Gudrun Breitschuh-Wiehe vom Heimatverein Cottbus. Damit erinnern dann insgesamt 83 Messingtafeln im Asphalt an Cottbuser, die während der Nazizeit verhaftet, deportiert und ermordet wurden. Die 10 mal 10 Zentimeter großen Steine kommen immer vor dem letzten freiwilligen Wohnort in Cottbus in den Fußweg.

Die sechs neuen Steine werden vom Kölner Künstler Gunter Demnig am Sonnabend um 16 Uhr vor dem Haus in der Neustädter Straße 2 verlegt. Hier sollen sie an das Schicksal der Familie Fuks erinnern. Die Eltern Rywka und Chune Fuks wurden am 28. Oktober 1938 mit 30 Cottbusern polnischer Herkunft an die Grenze nach Bentschen/Zbaszyn abgeschoben. Einen Tag später ereilte die beiden Söhne Chaim Jossek und Max das gleiche Schicksal. Da die Mutter Rywka Fuks aus Lodz stammte, versuchte die Familie, dort wieder Fuß zu fassen und wurde am 1. September 1939 vom Einmarsch der Deutschen in Polen überrascht. Im Lodzer Ghetto endete das Leben dieser vier Familienmitglieder.

Die Fuks-Tochter Thekla hatte Cottbus schon 1938 in Richtung Berlin verlassen. Aber auch dort wurde sie 1942 gefasst und in das Ghetto von Warschau gebracht. Ihre zehnmonatige Tochter Zilla kam allein nach Auschwitz und wurde dort umgebracht.

Wieviele Juden insgesamt vor der Machtergreifung der Nazis in Cottbus wohnten, weiß auch Steffen Krestin, Chef des Cottbuser Stadtmuseums, nicht genau: "Die Quellenlage ist für eine gesicherte Zahl zu lückenhaft." Er geht aber davon aus, dass die jüdische Gemeinde damals etwa 200 bis 300 Familien umfasste. Bis zu 500 Cottbuser starben in Konzentrationslagern.

Ermöglicht wird die Verlegung der 120 Euro teuren Stolpersteine durch Spenden. Es werden Paten für weitere Steine gesucht.

Mehr Infos zu den Cottbuser Stolpersteinen gibt es hier www.lr-online.de/stolpersteine