Im kommenden Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. An vielen Orten wird der Millionen Toten gedacht, die dieser Krieg gefordert hat. Im kleinen Peitz allerdings wird sich ein Misston in das Gedenken mischen. Ein schwarzer Obelisk, der auf dem Peitzer Friedhof an sieben getötete Soldaten erinnert, wurde vor Jahren vom Peitzer Bauamt unrechtmäßig verändert. Der Plan, diese Veränderungen wieder rückgängig zu machen, wurde inzwischen aufgegeben.

Vom faschistischen Terror ermordet?

Bereits vor drei Jahren hatte die RUNDSCHAU über den Fall berichtet. Mitglieder der Hamburger Bredel-Gesellschaft hatten damals Brandenburg besucht und versucht, verschiedene historisch bedeutsame Erinnerungsorte zu dokumentieren. Dabei hatten sie festgestellt, dass ein registriertes Baudenkmal im Landkreis Spree-Neiße drastisch verändert worden ist. Der schwarze Obelisk auf dem Peitzer Friedhof trug ursprünglich die Inschrift „Hier ruhen vom faschistischen Terror gemordet 7 aufrechte unbekannte deutsche Soldaten“.

Die Hobby-Historiker fanden einen ganz anderen Stein vor: Seine Inschrift lautet nun: „Hier ruhen sieben deutsche Soldaten“, danach folgen Lebensdaten von fünf Gefallenen. Zwei der Toten sind unbekannt.

Verfälschtes Zeitzeugnis

René Senenko vom Hamburger Geschichtsverein: „Der Gedenkort auf dem Peitzer Friedhof gehörte zu den ganz wenigen erhalten gebliebenen Sachzeugen für Opfer der NS-Militärjustiz, die unmittelbar aus der Nachkriegszeit stammen und unverändert die DDR-Zeit überstanden haben.“ Es sei schade, dass dieses Zeitzeugnis in Peitz so verfälscht wurde.

Frank Leopold von der Unteren Denkmalschutzbehörde sagte damals auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Das hätte nicht passieren dürfen. Diese Umwidmung des Denkmals wäre so nicht genehmigungsfähig gewesen.“ Der Obelisk wurde aus der Liste der Baudenkmäler gestrichen.

Was war passiert?

Der Obelisk war in einem schlechten Zustand. Um eine Instandsetzung finanziell zu fördern, müssen Grabanlage und Denkmal identisch sein. Ein Peitzer Zeitzeuge aber hatte berichtet, dass das Denkmal zu Beginn der 1990-er Jahre versetzt worden war. Um die Instandsetzung des Steins förderfähig zu machen, musste er also an seinen ursprünglichen Ort versetzt werden.

Namen von Getöteten ermittelt

Außerdem hatte Christoph Malcherowitz vom Historischen Verein Peitz die Namen von einigen der sieben Getöteten ermittelt, sie wurden 2015 auf dem Stein dokumentiert. „Allerdings wusste ich nicht, dass dabei gleich die ganze Inschrift verändert wird“, sagt er heute. Er habe vielmehr an eine Erläuterung neben dem Obelisken gedacht.

Der Landkreis zahlte damals 11 000 Euro für das Projekt – ohne zu wissen, dass er gerade ein Denkmal zerstörte. Jörg Exler, Bauamtsleiter in Peitz, wollte das Versäumnis eigentlich ausbügeln und den Satz „vom faschistischen Terror ermordet“ nachträglich in den Stein meißeln lassen. Passiert ist das bis heute nicht.

An welche Hinrichtung erinnert der Stein

„Weil es inzwischen Bedenken gegen diese alte Inschrift gibt“, sagt Exler. Den niemand wisse, ob die Soldaten getötet wurden, weil sie Deserteure waren oder ob sie vielleicht wegen Plündereien oder anderer Delikte hingerichtet wurden. „Wir haben den Historischen Verein in Peitz gebeten, nach den Urteilen zu suchen, die zu den Hinrichtungen geführt haben“, sagt Exler.

Doch da macht ihm der Vereinsvorsitzende Christoph Malcherowitz wenig Hoffnungen. „Ich habe damals beim Militärarchiv in Freiberg das Schicksal der Soldaten erforscht und bin auf diese Urteile nicht gestoßen. Ich bin mir hundert Prozent sicher, dass sie nicht auffindbar sind.“

Eine Lösung im Streit um den Peitzer Obelisken ist alss noch immer nicht in Sicht.