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Erfolge im Kampf gegen Cottbuser Feinstaub

Im Rahmen der 27. Cottbuser Umweltwoche ging es gestern bei Exkursionen zum Heizkraftwerk (Foto), zur Wetterwarte oder in den Tierpark.
Im Rahmen der 27. Cottbuser Umweltwoche ging es gestern bei Exkursionen zum Heizkraftwerk (Foto), zur Wetterwarte oder in den Tierpark. FOTO: Böttcher
Cottbus. Im Landesamt für Bergbau trafen sich am Freitag Experten und interessierte Cottbuser, um über den Klimawandel, Luftreinhaltepläne und die Nutzung fossiler wie regenerativer Energien zu debattieren. Andrea Hilscher /

Ein Schwerpunktthema: der Umbau der Bahnhofstraße und seine Auswirkungen auf die Luftqualität in Cottbus. Martin Kühne, früher hauptberuflich im Landesumweltamt tätig, meldete sich dazu mit aktuellen Daten aus dem Ruhestand.

Zunächst aber: Warum ist dieser unsichtbare, geruchslose Staub so gefährlich? Der Pneumologe Dr. Michael Prediger, Chefarzt am Thiem-Klinikum: "Die Feinstaubpartikel sind derart klein, dass sie vom menschlichen Körper nicht aus der Atemluft gefiltert werden." Sie dringen in die Gefäße der Lunge und von da aus in die Blutbahn.

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gilt daher europaweit der Tagesgrenzwert für Feinstaub (PM10). Dieser Wert darf nicht öfter als 35-mal im Jahr überschritten werden. Für die Bahnhofstraße vor dem Umbau 2013 ein unerreichbares Ziel. 2006 etwa verzeichnete die Messstation in der Bahnhofstraße 96 Überschreitungen. Im Jahr 2015 wurde der Grenzwert Bahnhofstraße nur noch an 17 Tagen überschritten. In der Wilhelm-Külz-Straße waren es 20 Tage, in der Gartenstraße gab es an zwölf Tagen zu hohe Konzentrationen.

Martin Kühne: "Es war eine Herausforderung, die Belastungen durch lokale Maßnahmen effektiv zu senken." Schließlich wird ein Großteil der Feinstäube aus den osteuropäischen Nachbarländern bis in die Lausitz transportiert."

Die Reduzierung des Verkehrs von 25 000 auf 14 000 Fahrzeuge täglich habe neben weiteren Maßnahmen für eine deutliche Luftverbesserung gesorgt. "Die 8,7 Millionen für den Umbau waren also hervorragend investiertes Geld", so der Umweltexperte. Allerdings musste er seinem positiven Fazit ein großes "Aber" hinterherschicken: Gemessen an den Grenzwerten, die die Weltgesundheitsorganisation WHO ausgegeben hat, gehört die Bahnhofstraße immer noch zu den Schmuddelkindern. Die WHO setzt 20 Mikrogramm pro Kubikmeter an, sagt dazu: Es gibt keine Feinstaubkonzentration, unterhalb derer es keine schädigende Wirkung gibt. Messwert an der Bahnhofstraße gestern, 12 Uhr: 22 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter (mehr waren es nur am Flughafen Schönefeld).