„Wir sind uns mit der GWC vollständig einig, dass das Erdgeschoss der Wohnscheibe mit einbezogen wird“ , sagte Becker der RUNDSCHAU. Die CBC-Projekt GmbH habe sich während des gesamten Planungsprozesses mit der GWC und der Stadt abgestimmt und werde es auch weiterhin tun. Die Entscheidung, das Berliner Architekturbüro Kahl Ernst Consultings mit der weiteren Planung zu beauftragen, sei keine Entscheidung für einen bestimmten Entwurf, sondern lediglich für ein Büro gewesen, erläuterte Becker.
Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) hat gestern angekündigt, dass er sich heute detailliert zu den Entwicklungen rund um die weitere Bebauung der Stadtpromenade äußern wird.
Unterdessen machen Bürger in Leserbriefen ihrem Unmut Luft. In einer nicht repräsentativen RUNDSCHAU-Umfrage mit 2352 Stimmabgaben war klar der Entwurf der Architekten Hampel, Kotzur & Kollegen favorisiert worden.
Die Cottbuser Bürger seien doch im Vorfeld aufgerufen gewesen, sich einzubringen, moniert Ingolf Hanke. „Viele haben dazu die Plattform der RUNDSCHAU genutzt. Viele hoffen jetzt, dass unser Oberbürgermeister seinen Einfluss geltend macht und mit dem Bauherrn spricht.“
Die Cottbuser Horst und Sven Ring geißeln in ihrem Leserbrief den KEC-Erstentwurf, der „so wohl nicht verwirklicht werde“ , als „brutalen, dabei aber banalen und langweiligen“ Klotz. „Der Bau nimmt in keiner Weise Bezug auf seine Umgebung: den Park an der Stadtmauer und die Wohnscheibe dahinter“ , kritisieren die beiden. Er habe vor einigen Monaten selbst an der ersten Versammlung im Bürgerhaus teilgenommen, schreibt Sven Ring. Er erinnere sich sowohl an die großzügige Einladung zur Mitwirkung vom Oberbürgermeister als auch an die engagierte Auseinandersetzung in der Bevölkerung. „Wir Bürger haben uns für unser Stadtzentrum eingesetzt, doch nun schafft ein Investor Fakten, die unserem Engagement entgegenstehen. Es ist jetzt Aufgabe der Stadtpolitik, auf die Bürger zu hören, um diesem Drama ein Ende zu machen, sonst ginge das letzte Stück Vertrauen und Glaubwürdigkeit endgültig verloren.“
Unterdessen hat der Cottbuser Unternehmer Carsten Hajek Vorschläge unterbreitet, um eine drohende Krise der Fußgängerzone Sprem durch das neue Einkaufszentrum abzuwenden. Für mehr Bäume, komfortable Sitzmöbel und einheitliche Öffnungszeiten plädiert der Lauterbach-Chef. Mehrere Immobilienfachleute aus der Stadt hatten vor einem Abstieg der Sprem gewarnt, wenn sie es nicht schafft, sich für die künftige Konkurrenz durch das Carl-Blechen-Carré zu rüsten (die RUNDSCHAU berichtete). Nach Informationen dieser Zeitung haben sich bereits die Filialen von McPaper und Deichmann für einen Umzug aus der Sprem in das Blechen-Carré entschieden.
„Im Frühjahr 2008 muss sich die Sprem in einer Form präsentieren, die Cottbus erstaunen lässt - anders haben wir keine Chance, wenn das neue Einkaufszentrum öffnet“ , sagt Hajek. Dazu seien bessere Absprachen nötig. „Falls das Blechen-Carré um 20 Uhr schließt, können die Sprem-Geschäfte nicht um 18 Uhr mit dem Verkauf aufhören.“
Allerdings sei auch die Cottbuser Stadtverwaltung gefragt, sagt Hajek. So könne sie beim Verkauf des Gebäudes, in dem die Brandenburgischen Kunstsammlungen untergebracht waren, zeigen, dass sie an der Zukunft der Sprem interessiert ist. „Sie muss dringend einen vernünftigen Anbieter in diese Räume holen, wenn nötig, auch zu einem niedrigeren Kaufpreis.“
Derzeit lässt die Einkaufszone in der Sprem nach den Worten des Lauterbach-Chefs deutlich zu wünschen übrig. „Interessante Händler brauchen Frequenz, aber wer soll hier bummeln gehen?“ Die Sprem sei eine Augenweide für Architekten, jedoch nicht für potenzielle Konsumenten.