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Er singt und streitet für die in der DDR politisch Verfolgten

Karl-Heinz Bomberg singt die Geschichten seiner Patienten.
Karl-Heinz Bomberg singt die Geschichten seiner Patienten. FOTO: pr
Mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall müssen Menschen, die in der DDR politisch verfolgt wurden, noch für einen angemessenen Umgang mit den Folgeschäden der SED-Diktatur streiten. Karl-Heinz Bomberg, Zeitzeuge, Liedermacher, Autor und Arzt, diskutiert darüber am morgigen Donnerstag, 28. Mai, mit dem Ex-Häftling Burkhardt Aulich und Martin Neumann von der Karl-Hamann-Stiftung für liberale Politik im Menschenrechtszentrum.

Karl-Heinz Bomberg, Sie saßen selbst drei Monate in der DDR in Haft, wie haben Sie das erlebt?
Drei Monate klingen wenig, aber eingesperrt wurde ich wegen staatsfeindlicher Hetze. Das konnte zwei bis zehn Jahre bedeuten. Diese Ungewissheit quälte mich während der Untersuchungshaft. Dass es am Ende nur drei Monate wurden, war am Anfang völlig unklar.

Es gibt viele Ärzte, die die Musik als Ausgleich betreiben. Bei Ihnen scheint das mehr zu sein, oder?
Ich war schon Liedermacher, bevor ich Arzt wurde.

Sie haben mit Traumatisierten aus der DDR gesprochen? Hilft es, ein Lied darauf zu machen?
Natürlich, ich lerne von meinen Patienten. Meine Lieder "Was Menschen Menschen antun" und "Menschen sind, wie Menschen sind" stehen als Beispiele dafür.

Wo sollte in den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen unbedingt nachgebessert werden? Geld allein ist es ja nicht, was den Opfern fehlt …
Es geht um gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung für alle, die für ihre persönliche Meinung Nachteile in Kauf genommen haben. Insofern sind eine Gedächtnisstätte und eine öffentliche Atmosphäre für die Würdigung derer, die sich für eine Überwindung der Diktatur eingesetzt haben, wichtig.

Gemeinsam mit dem Psychoanalytiker Stefan Trobisch-Lütge haben Sie das Buch "Verborgene Wunden" herausgebracht. Wie fiel die Entscheidung dazu?
Gedanklich mit der Arbeit begonnen habe ich Anfang der 90er-Jahre, als mich der Schriftsteller, DDR-Oppositionelle und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs, der 1999 verstarb, ermunterte, mich offensiver für die Problematik der Betroffenen einzusetzen. Weitere Kollegen inspirierten mich. So begann ich vor über zehn Jahren, intensiv daran zu arbeiten. Und unser Buch ist wirklich ohne psychiatrisches Wissen lesbar und zu verstehen.

Mit Karl-Heinz Bomberg

sprach Annett Igel

Die Veranstaltung "Verborgene Wunden" am 28. Mai im Menschenrechtszentrum, Bautzener Straße 140, beginnt um 18.30 Uhr. Lesung und Gespräch begleiten Karl-Heinz Bomberg und Erika Kunz am Keyboard auch musikalisch.