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| 02:33 Uhr

Entsorgt?

In der zurückliegenden Woche konnte man sie sehen: Christbäume, die ausgedient hatten und am Straßenrand zum Abholen bereitgelegt waren. Wir sind mitten im Januar, da wird es ja auch langsam Zeit, dass die Weihnachtssachen weggeräumt werden.

Der vor uns liegende Sonntag ist der letzte, den man noch zum Weihnachtskreis rechnen kann.

Kürzlich ist mir eine kleine Karikatur in die Hände gefallen. Sie zeigte jemanden, der einen entsorgten Christbaum in ein Müllauto stopfte. Und das Besondere war: An diesem Christbaum hing noch die Krippe dran. Eine bissige Aussage! Die Krippe wird mit entsorgt! Das ist jammerschade! Denn dann ist Weihnachten wirklich zu Ende - ohne Nachwirkungen beendet. Die Krippe ist ja nicht Beiwerk oder Deko, sondern steht für das Zentrum von Weihnachten. Sie steht dafür, dass Gott den Weg betreten hat, auf dem alle Menschen Mensch werden - er wird geboren - weil er Mensch sein wollte. Das harte Holz der Krippe steht dafür, dass er sich dem Leben in seiner ganzen Härte gestellt hat. Die Krippe ist das Symbol für den Kern von Weihnachten. Und sie mit zu entsorgen bedeutet dann, dass der aus dem Leben verbannt wird, der uns seine Nähe zugesagt hat. Gott, der sagt - und diese Zusage wurde Weihnachten wieder erneuert - "Ich trage dich, ich stehe hinter dir, deshalb wurde ich Mensch. Wenn du dich fürchtest, vor dem, was alles auf dich zukommt im neuen Jahr, wenn andere dich im Stich lassen - ich stehe hinter dir. Darauf kannst du dich verlassen."

Und diese Botschaft wird nicht hinfällig, wenn der Weihnachtsbaum auch weggeräumt wird. Sie geht natürlich mit - durch das ganze Jahr 2016. Es lohnt sich schon, den Kern von Weihnachten nicht mit zu entsorgen, sondern Weihnachten noch lange nachwirken zu lassen - am besten bis zum Dezember 2016.

Hinrich Müller, Pfarrer der Kreuzkirchengemeinde Cottbus