Von Andrea Hilscher

Rainer Tosch ist noch immer verstört: Seit er Mittwochmorgen entdecken musste, dass zwei Hunde in die Gänsegehege auf dem Biohof Auguste bei Cottbus eingedrungen sind, ist der Hofleiter um Schadensbegrenzung bemüht.

„Der Mittwoch war schlimm“, erzählt Tosch. „Als wir morgens die Gänse auf die Weiden lassen wollten, haben wir die zwei Hunde entdeckt. Um sie herum ein Meer aus Federn und Dutzende tote Gänse.“ Die Hunde knurrten, sobald sich ihnen ein Mitarbeiter des Hofes nähern wollte. Tierarzt und Polizei wurden zur Hilfe gerufen, die Besitzer der Berner Sennenhunde ausfindig gemacht. „Sie wohnen in Kolkwitz, haben die Tiere sofort abgeholt“, sagt Tosch.

Hunde im Blutrausch: Totgebissen und erdrückt

Danach musste er den Schaden begutachten: In den Stallungen und auf der Nachtweide lagen 140 tote Tiere. Einige totgebissen, andere hatten sich in ihrer Panik gegenseitig erdrückt oder in den Elektrozaun gepresst. Ein Bild des Schreckens. „Besonders schwer ist das für unsere Mitarbeiter auszuhalten“, sagt der Hofleiter.

Auf dem Biohof beschäftigt die Lebenshilfe rund 60 Menschen mit psychischen Behinderungen. „Für sie sind solche Ereignisse enorm schwer zu verkraften, unsere Mitarbeiter sind auf eine ruhige Umgebung und sehr klar strukturierte vorhersehbare Abläufe angewiesen“, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Tamara Svensson. „Viele der Mitarbeiter werden bis an ihre Lebensende von diesen Tagen erzählen.“

Hunde im Blutrausch: Es gibt immer neue Opfer

Auch Rainer Tosch ist die Belastung anzusehen. „Nachdem wir am Mittwoch 140 tote Tiere in die Tierkörperbeseitigung gegeben hatten, dachten wir ja, das Schlimmste sei überstanden.“ Doch als der Tierarzt am Donnerstag nach den überlebenden Gänsen geschaut hat, mussten 20 weitere Tiere eingeschläfert werden.

Knapp 60 Gänse leiden noch immer unter den Folgen der Attacke. Sie sind zu schwach, um auf die Weide zu gehen. In einer Krankenstation sollen sie ihre Beschwerden auskurieren. „Aber bei der Weihnachtsschlachtung wird sich zeigen, ob wir sie nicht auch aussortieren müssen“, sagt Werkstattleiter Tino Hoblisch. Finden die Tierärzte bei der Fleischbeschau Spuren früherer Verletzungen, dürfen die Gänse nicht in den Verkauf gelangen.

Hunde im Blutrausch: Hoher finanzieller Schaden

„Der wirtschaftliche Schaden liegt schon jetzt bei 15 000 bis 20 000 Euro“, sagt Hoblisch. Kosten für die Tierbeseitigung und den Tierarzt kommen hinzu. „Das ganze Ausmaß des Schadens können wir erst Weihnachten abschätzen“, so Hoblisch. Seine Befürchtung: Die überlebenden Gänse werden wegen des Stresses weniger an Gewicht zulegen als üblich.

Ebenfalls völlig offen ist, was mit den Kolkwitzer Hunden passiert. Das dortige Ordnungsamt teilt mit, dass die Tiere bisher nicht auffällig gewesen sind. Gemeindesprecher Matthias Klinkmüller: „Es liegen keine Anzeigen vor. Wie weiter mit den Hunden verfahren wird, ist noch offen.“

Biohof Auguste: Polizei ermittelt nach Hundeattacke

Die Polizei war am Mittwoch gemeinsam mit der Kolkwitzer Ordnungsverwaltung beim Halter vor Ort. Klinkmüller: „Es handelt sich hier noch um ein laufendes Verfahren, sodass zum derzeitigen Stand der Prüfung noch keine Aussage getroffen werden kann.“ Die Hunde befinden sich derzeit beim Besitzer, die Haltungsbedingungen scheinen nicht zu beanstanden zu sein.

Die Polizei ist nicht in den weiteren Verfahrensgang involviert. Polizeisprecher Torsten Wendt: „Eine Straftat liegt nicht vor, es handelt sich um ein rein zivilrechtliches Verfahren.“

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Bildergalerie Tote Gänse auf Kolkwitzer Biohof