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| 02:33 Uhr

Eng verzahnt – Notaufnahme und Bereitschaftspraxis

Claudia Rosenberger (l.) und Kerstin Fellenberg waren gestern die ersten beiden Ärztinnen, die in den neuen Räumen der Bereitschaftspraxis Tür an Tür mit der Notaufnahme praktizierten. Dafür gab es Blumen von Christian Wehry von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.
Claudia Rosenberger (l.) und Kerstin Fellenberg waren gestern die ersten beiden Ärztinnen, die in den neuen Räumen der Bereitschaftspraxis Tür an Tür mit der Notaufnahme praktizierten. Dafür gab es Blumen von Christian Wehry von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Seit knapp vier Jahren entlastet die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung die Cottbuser Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums. Mehr als 200 Patienten suchen sie innerhalb einer Woche auf. Jetzt ist die Praxis umgezogen und in vier neuen Räumen Tür an der Tür mit der Notaufnahme zu finden. Annett Igel-Allzeit

Wen am Wochenende ein Hexenschuss in die Knie zwingt, ist in keiner lebensbedrohlichen Situation. Aber Hilfe, eine erste Abklärung zur Krankheit tuen trotzdem gut. Sie kommen mit Rückenbeschwerden, Magen-Darm-Problemen, grippalen Infekten. Auch bei einem Migräneanfall und sonstigen Kopfschmerzen können die Ärzte in der Bereitschaftspraxis helfen, sagt Christian Wehry, der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. "Die Zahl von 200 bis 250 Patienten pro Woche zeigt, dass es einen echten Bedarf in Cottbus für unsere KV Regio Med Bereitschaftspraxis gibt. Vor allem an Freitagen und Samstagen wird die Praxis stark frequentiert", bilanziert Christian Wehry. Geöffnet hat sie nicht die Nacht durch wie die Notaufnahme, aber wenn viele niedergelassene Ärzte ihre Praxen schließen: an Wochenenden und an Feiertagen von 8 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr.

Bereits seit Ende 2012 ist der allgemeinärztliche Bereitschaftsdienst am Carl-Thiem-Klinikum zu finden. 2013 kam der kinderärztliche Bereitschaftsdienst dazu. Doch nun ist diese Praxis vom Haus 7 im Klinikum in Haus 3 in die Notaufnahme umgezogen. "Von 200 Metern, die uns vorher trennten, sind jetzt sozusagen nur zwei Meter übrig geblieben", so Dr. Olaf Konopke, Chefarzt der Cottbuser Notaufnahme, schmunzelnd. Das erleichtert den Hilfesuchenden, die Praxis zu finden, fördert aber auch die Zusammenarbeit. "Entpuppt sich in der Bereitschaftspraxis der Zustand eines Patienten doch als Notfall, können wir schnell ins Zimmer geholt und der Patient im Klinikum weiterbehandelt werden, ohne dass er den Wechsel merkt", erläutert Konopke. Und im Gegenzug, so Dr. Götz Brodermann, Geschäftsführer des CTK und Ärztlicher Direktor, werde die Zentrale Notaufnahme durch die Bereitschaftspraxis von Fällen, die ambulant versorgt werden können, entlastet. "Durch die direkte räumliche Nachbarschaft verzahnen wir die Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Sektor im Bereitschaftsdienst zum Wohle unserer Patienten noch enger, sagt Brodermann.

Peter Noack, der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, ist froh, dass die Zusammenarbeit mit dem Klinikum in Cottbus so gut funktioniert. Den neuen gesetzlichen Vorgaben im Krankenhausstrukturgesetz, wonach die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Akut- und Notfallversorgung mit den Krankenhäusern zusammenarbeiten sollen, sei man hier eine Nasenlänge voraus. "In Cottbus ist die Kooperation zwischen ambulant und stationär gelebte Realität", so Noack.

16 Kinderärzte und 31 Ärzte, meist Allgemeinmediziner und Internisten, wechseln sich mit den Diensten in der Praxis ab. Die Ärzte kommen nicht nur aus Cottbus, sondern aus Burg, Berlin, Bautzen, Königs Wusterhausen, Lieberose und Lübben.

Aktuell gibt es solche Bereitschaftspraxen auch in Potsdam, Brandenburg/Havel, Eberswalde und Rüdersdorf. "Das Konzept dazu", so Christian Wehry, "war im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg - kurz IgiB - entstanden. In dieser Ideenwerkstatt arbeiten die AOK Nordost, die Barmer GEK und wir als Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg zusammen." Doch zwei Dinge machen die Cottbuser Bereitschaftspraxis einzigartig im Land Brandenburg, bestätigt Manja Wolf von der KV: Sie bietet zusätzlich den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst an und sie teilt sich einen Anmeldebereich mit der Notaufnahme. Eine der guten Seele in der Anmeldung ist Marianne Bibeler, die die Bereitschaftsdienste der Praxis koordiniert. Die Ärztinnen, die den ersten Dienst in den neuen Räumen am Donnerstag antraten, waren die Kinderärztin Claudia Rosenberger und Kerstin Fellenberg, Fachärztin für Allgemeinmedizin.