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| 02:32 Uhr

Energiesparen und Kühlen

Prof. Günter Mügge in einem der BTU-Labore. Hier wird klimagerechtes Bauen erprobt.
Prof. Günter Mügge in einem der BTU-Labore. Hier wird klimagerechtes Bauen erprobt. FOTO: hil
Cottbus. Dass der Klimawandel längst auch in der Lausitz seine Auswirkungen zeigt, ist nicht neu. Wie diesem Trend aber durch energieeffiziente Gebäude begegnet werden kann, ist Thema des BTU-Masterstudiengangs "Klimagerechtes Bauen und Betreiben". Andrea Hilscher

Das Büro von Prof. Günter Mügge ist ein Paradebeispiel für ein Bauen, das nicht optimal auf die klimatischen Bedingungen Rücksicht nimmt: Die großflächige Fensterfront weist nach Süden. "Das macht den Raum zwar sehr hell, heizt ihn im Sommer aber sehr stark auf", sagt Günter Mügge. Das Problem findet man heute weltweit bei den beliebten "Glaspalästen", die dann mit großem Energieaufwand gekühlt werden müssen. "Beim Thema Energieeffizienz sind wir sehr weit. Durch immer bessere Wärmedämmung können wir Neubauten heute sehr sparsam heizen", so Mügge. "Doch beim Kühlen von Räumen gibt es noch viel zu tun." Wie bedeutsam das Thema ist, zeigte sich kürzlich bei einer Diskussion im Cottbuser Obenkino, bei der der Film "Cooler Kollaps. Deutschland kühlt sich krank" gezeigt wurde. Mügge war als Gesprächspartner eingeladen, konnte über die aktuelle Arbeit seines Fachgebiets berichten. So gibt es interessante Lösungen im Bereich der Wärmepumpenheizungen. "Ein sehr effizientes Heizsystem", sagt der Wissenschaftler. "Es lässt sich aber ebenso gut im Sommer zur Kühlung nutzen."

Dabei wird das Kühlwasser, das nur geringfügig kühler als die gewünschte Raumtemperatur sein muss, zur Flächenkühlung in den Wänden eines Gebäudes genutzt. Das erwärmete Wasser wird in Erdsonden wieder abgekühlt und erwärmt im Gegenzug das Erdreich unter dem Gebäude. Die Kühlenergie wird dann im Winter für die Beheizung zurückgewonnen. "Davon profitiert das ganze System. Eisblöcke, wie sie sich im Extremfall bei falscher Planung früher unter den mit Wärmepumpen beheizten Häusern gebildet haben, gibt es dadurch nicht mehr." Systeme zur Luftentfeuchtung und Verschattung der Fenster ergänzen die effizienten Anlagen. "Unseren Studierenden zeigen wir gern an praktischen Beispielen, wie energieeffizient gebaut wird", sagt Günter Mügge. Ein Passivhaus der EG Wohnen in der Räschener Straße war mehrfach Ziel für Fachbesichtigungen. "Passivhäuser haben sehr viel niedrigere Energieverbräuche als Bestandsgebäude. Sie reagieren aber auch sehr empfindlich auf das Nutzerverhalten, sodass nicht immer die theoretisch mögliche Energieersparnis erreicht wird." Die EG Wohnen arbeitet momentan an neuen Lösungen für energieeffizientes Wohnen, lässt sich immer wieder auch von Mügges Lehrstuhl beraten. Eine aktuelle Frage für die Energieversorgung: Wie lassen sich Fernwärmesysteme und Solarenergie kombinieren, besonders bei den Problemen schrumpfender Städte.

"Für uns ist sehr interessant, wie sich in Bestandsgebäude klimagerechte Systeme integrieren lassen", erzählt der Wissenschaftler, der selbst 14 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet hat. Spannende Lösungsansätze dazu werden in studentischen Projekten erarbeitet, so zum Beispiel in einem denkmalgeschützten Hortgebäude in Drebkau oder einer Kita in Lübbenau.

Eine wirklich zukunftsweisende Herausforderung liegt in dem Verbundprojekt "Autartec", das derzeit im Rahmen des Förderprogramms "Innovativer Regionaler Wachstumskern" bearbeit wird: Gemeinsam mit einem Fraunhofer Institut, zwei weiteren BTU-Fachgebieten und mehreren industriellen Partnern arbeitet Mügge an Technologien, die Gebäuden größtmögliche Autarkie bescheren.

"Eine Variante wäre es, überschüssige Sonnenenergie, die im Sommer nicht benötigt wird, so zu speichern, dass man sie im Winter als Heizenergie nutzen kann." Kniffelige Aufgabe. Ein Speicher aus Zeolith, einem stark hygroskopischen Stoff, soll im Sommer durch Solarenergie unter hohen Temperaturen extrem "ausgetrocknet" werden, im Winter dann kann der stark thermochemische Speicher schrittweise wieder befeuchtet werden. Die freiwerdende Sorptionswärme kann dann als Heizenergie genutzt werden. 2017 soll ein "Schwimmendes Haus" für den Greifenhainer See mit einem solchen Zeolith-Speicher ausgestattet werden. "Für so ein Haus ist Autarkie natürlich besonders wichtig - aber Zeolith-Speicher wären auch für andere Gebäude denkbar." Günter Mügge ist gespannt auf die Ergebnisse.