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| 01:32 Uhr

Energieregion plant Institutsgründung in neuem Cottbuser Innovationszentrum

Cottbus. Die Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH (ELS) nimmt Fahrt auf. Die Fachleute in den fünf Foren des Zusammenschlusses aus den Landkreisen Elbe-Elster, Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz sowie der Stadt Cottbus haben sich auf insgesamt 19 Projekte verständigt, die sie gemeinsam vorantreiben und für die sie Fördertöpfe anzapfen wollen. Von Jürgen Becker

In Cottbus steht ganz oben auf der Prioritätenliste der Aufbau eines national bedeutsamen Instituts für Geoenergie und CO2-Technologien, das in einem neuen Gründer- und Innovationszentrum unterkommen soll. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) hat dieses Gründerzentrum mitsamt Forschungsinstitut bereits fest vor Augen. Auf einem 20 Hektar großen Streifen am Kreisel Burger Chaussee schwebt ihm im künftigen Technologie- und Industriepark (TIP) ein Containerbau vor – drinnen mit verschiebbaren Wänden für fexible Büro- und Werkstattflächen und jederzeit erweiterbar. Die Räume sollen den beiden Hochschulen, deren Absolventen und Fimengründern zu besonders günstigen Mieten angeboten werden. Das neue Forschungsinstitut soll dort ebenfalls Raum zum Wachsen finden. 1,5 Millionen Euro Fördermittel hat die Stadt dafür laut Szymanski beantragt.

„Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen“, sagt Szymanski. „Wir sind die einzige kreisfreie Stadt, die etwas Derartiges noch nicht hat.“ Mit der Brandenburgischen Technischen Universität seien die Planungen bereits abgestimmt. „Uni-Absolventen, die eine Firma gründen wollen, sollen dort die Möglichkeit haben, sich mit Betreuung selbstständig zu machen. Zudem sind wir im Gespräch über Hochschul-Ausgründungen, Firmengründungen aus der Uni heraus und Institutseinmietungen, ohne dass ich jetzt schon Namen nennen will.“

Parallel dazu soll an der Hochschule Lausitz in Senftenberg in Trägerschäft des Landkreises Oberspreewald-Lausitz ein Institut gegründet werden, das die Verwertung von Biomassse aus Mikroalgen weiter erforscht. Die Stellenfinanzierung sei geklärt, so ELS-Geschäftsführerin Martina Greib. Beim zuständigen Ministerium habe der Oberspreewald-Lausitz-Kreis 200 000 Euro Fördermittel für die Bauplanung dieses Biotechnologiezentrums beantragt. Parteivermögen der ehemaligen SED will Szymanski für die Etablierung eines Kompetenzzentrums für „Hybrid-Kraftwerke und erneuerbare Energien“ in Cottbus abschöpfen. Zugleich sollen laut OB jeweils eine 10 000 bis 15 000 Einwohner zählende Stadt in den vier Landkreisen und ein Cottbuser Stadtteil energieoptimiert umgestaltet und umgebaut werden. „Dabei geht es nicht mehr allein um die Häuser der Großvermieter, sondern um alle Privathäuser und Gesellschaftsbauten“, sagt Szymanski. In Cottbus werde bis zum Sommer dieser Stadtteil definiert. Ab Herbst solle dann mit der konkreten Umsetzung begonnen werden.

Mit auf der Projektliste stehen auch die Teilnahme an der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real 2010 in München und der Aufbau einer gemeinsamen Datenbank aller Industrie- und Gewerbegebiete in der Energieregion.

Gemeinsam Lobbyarbeit leisten und dicke Bretter bohren im brandenburgischen Staatsministerium und beim Bund wollen die Mitglieder der Energieregion Lausitz-Spreewald laut Geschäftsführerin Martina Greib für:

- eine Anbindung der Westlausitz an das Netz der Bundesautobahnen durch einen Ausbau der B 87,

- den schrittweisen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus bis nach Forst auf 160 Stundenkilometer, die Wiederbelebung der Güter- und Personenzug-Verbindungen von Forst nach Wroclaw (Breslau) in Polen und der Ausbau der Strecke Berlin – Dresden auf 200 Stundenkilometer. Der Cottbuser OB: „Eines der ungeklärten Probleme ist weiterhin eine Direktverbindung zum Flughafen Schönefeld, die wir fordern.“ Die Strecke Berlin – Dresden stehe nicht im Investitionsplan des Bundes,

- der Ausbau des Hafens Mühlberg (Elbe),

- die Erweiterung des Hafens Königs Wusterhausen um 29 Hektar, um bessere Voraussetzungen für den Biomassetransport und eine Abwärmenutzung zu schaffen, und die Schaffung eines Bioenergiezentrums dort,

- eine Internationale Naturausstellung (INA) in der Region Lieberoser Heide, in die das Thema erneuerbare Energien eingebunden werden soll,

- die systematische Erfassung der Kosten für Strom, Wasser und Abwasser regionaler Unternehmen und deren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit,

- die Sicherung der Qualität des Radfernwegenetzes, das bereits große Verschleißerscheinungen aufweise,

- die Erschließung und Vernetzung der Lausitzer Seen und der Spree für Wasserwanderer und

- ein Pilotprojekt, bei dem vorgereinigtes kommunales Abwasser eingesetzt werden soll, um arme und trockene Standorte für Energiepflanzen zu bewässern und zu düngen.