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Energiequellen in Cottbus: Vom Kraftwerksschlot zum Wind- und Solarpark

Cottbus. Das Lausitzer Revier hat sein Gesicht deutlich verändert. Die Braunkohle ist längst nicht mehr der dominierende Energieträger. Anders als beispielsweise der Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben Cottbus und Spree-Neiße zwar keine Braunkohlekraftwerke verloren, jedoch sind auch hier vor allem Windparks zu Orientierungspunkten geworden. Von Beate Möschl

Die Kräfteverhältnisse sind zwar klar zugunsten der konventionellen Energieerzeugung auf Basis der heimischen Braunkohle definiert, der Aufschwung der erneuerbaren Energien aber ist unübersehbar. Das geht aus dem neuen "Standortatlas Energie" hervor, den die Regionale Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald herausgegeben hat.

Es ist die einzige kartierte Übersicht über Standorte der Energieerzeugung zur Strom- und Wärmeversorgung in den vier Südbrandenburger Landkreisen Spree-Neiße, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald und der kreisfreien Stadt Cottbus.

Die Regionale Planungsstelle Cottbus hat die Daten mit Stand 31. März 2011 federführend zusammengetragen und neben eigenen Quellen sowohl Energieerzeuger als auch kommunale Entscheidungsträger, Ministerien, Landkreise, Genehmigungsbehörden, Landwirte, Verbände und Wirtschaftskammern befragt.

Den Angaben zufolge stehen den beiden Braunkohle-Kraftwerken von Vattenfall in Jänschwalde und Schwarze Pumpe mit zusammen 4600 Megawatt (MW) installierter elektrischer Leistung im Kreisgebiet Spree-Neiße und im Cottbuser Umland 105 Windkraftanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von rund 190 MW gegenüber sowie Fotovoltaik-Kraftwerke und -Freiflächenanlagen mit insgesamt rund 111 MW installierter elektrischer Leistung.

Hinzu kommen neun Biogasanlagen. Die größte des Landkreises ging 2008 mit 2148 Kilowatt (kW) elektrischer Leistung im Ortsteil Sembten der Gemeinde Schenkendöbern in Betrieb. Aus Protest gegen die Tagebaupläne von Vattenfall ging im vergangenen Jahr auch in Atterwasch eine Biogasanlage ans Netz. Sie kann nach Berechnungen des Umweltschutz-Netzwerkes Grüne Liga mehr Elektroenergie erzeugen, als die 241 Einwohner und 26 Gewerbebetriebe des vom Tagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dorfes verbrauchen.

Mit 0,2 Prozent hat die Wasserkraft in Südbrandenburg den geringsten Anteil an der regenerativen Stromerzeugung. Allerdings drehen sich von elf Wasserkraftanlagen immerhin sechs im Landkreis Spree-Neiße und in Cottbus.

Der größte Stromerzeuger unter ihnen ist das Speicherwasserwerk in Bräsinchen (1250 kW), das mehr als 3000 Haushalte versorgen kann. Strom produzieren auch die Wasserkraftanlage in Groß Gastrose (520 kW), das Wasserkraftwerk Grießen (495 kW), die Stadtmühle Forst (260 kW) und das Große Spreewehr in Cottbus (280 kW). Neu hinzugekommen ist im vergangenen Jahr die Wasserkraftanlage in Maust (Gemeinde Teichland). Sie ist mit 3,3 Kilowatt installierter elektrischer Leistung die Kleinste im Landkreis.

Strom und vor allem Wärme liefern in Spree-Neiße insgesamt vier Biomassekraftwerke, darunter die Biomasseforschungsanlage der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) sowie das Biomasse-Heizkraftwerk am Umsiedlungsstandort von Haidemühl im Spremberger Ortsteil Sellessen.

Auch Klär- und Deponiegas werden zur Stromerzeugung genutzt. Vorreiter war der Wasser- und Abwasserzweckverband (SWAZ) Spremberg. Er nahm 1998 auf dem Gelände der Kläranlage Nord ein Blockheizkraftwerk in Betrieb, das das bei der Schlammfaulung entstehende Klärgas in Elektro- und Heizenergie (Heizwasser) umwandelt. Die erzeugte Elektroenergie dient dem Eigenbedarf der Kläranlage. Mit der Wärme werden das Betriebsgebäude und der Faulturm beheizt. So kann das gesamte anfallende Klärgas bedarfsgerecht genutzt werden. 2001 zog die Lausitzer Wasser GmbH & Co KG in Cottbus (LWG) nach. Seit 2006 betreibt die sächsische Ingenieurgesellschaft Gicon gemeinsam mit der BTU eine Biogas-Forschungsanlage auf dem Gelände der Kläranlage Cottbus.

Die nötigen Rohstoffe für die Biomasse-Heizkraftwerke kommen unter anderem aus der Beräumung der Tagebauvorfelder, aber auch aus heimischen Wäldern. Zusätzlich wächst eine besondere Lösung in der Region: Die Lausitz gilt als Referenzregion für den Anbau schnell wachsender Gehölze wie Pappeln, Robinien und Weiden in Kurzumtriebsplantagen. Dafür werden in der Regel Stilllegungs- und Rekultivierungsflächen des ehemaligen Braunkohlebergbaus genutzt. Die Bäume wachsen nicht aus, sondern werden in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Jahren kurz über dem Erdboden geerntet. Die Bewirtschaftungszeit einer solchen Energieholz-Plantage beträgt mehr als 20 Jahre.

Im Landkreis Spree-Neiße sind bisher zwei solcher Plantagen angelegt worden. Die Größte befindet sich mit 45,3 Hektar Fläche in Welzow - hier wachsen ausschließlich Robinien. In der Gemeinde Felixsee werden auf 19,3 Hektar Pappeln, Weiden und Robinien herangezogen.

Den größten Anteil an der regenerativen Energieerzeugung haben Wind- und Sonnenkraft.

Wichtigste Beobachtung der Regionalplaner: Ein enormer Schub bei Fotovoltaik-Freiflächenanlagen und der Ausbau der Windkraft haben dafür gesorgt, dass sich die installierte elektrische Leistung in Anlagen zur Ökostrom-Erzeugung in allen vier Südbrandenburger Landkreisen einschließlich Cottbus von 636 Megawatt (MW) im Jahr 2006 auf derzeit 1230 MW nahezu verdoppelt hat.

1994 wurde die erste Windkraftanlage in der südbrandenburgischen Lausitz errichtet. Damals mit einer installierten elektrischen Leistung von 0,5 Megawatt. Heute sind zwei MW Standard. Planungen für neue Windparks - unter anderem in Jerischke - basieren bereits auf drei Megawatt Leistung, was entsprechende Höhen und Rotorblatt-Durchmesser zur Folge hat.

Neben solchen Anlagen nimmt sich die 1994 vor den Schloten des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde auf der Bärenbrücke Höhe errichtete erste Südbrandenburger Windkraftanlage "Krabat" nahezu wie ein Winzling aus. Jener "Winzling" allerdings steht für den Durchbruch der Windkraftnutzung auf Braunkohlehalden. Und er behält als Demonstrationsanlage seine Alleinstellung. Die Bärenbrücker Höhe ist kein Windeignungsgebiet.

Im Raum Cottbus Ost sind Windkraftanlagen zu einem Wahrzeichen und Orientierungspunkt geworden. Hier drehen sich auf einer Fläche von 538 Hektar bereits 32 Anlagen mit einer installierten elektrischen Gesamtleistung von 64 Megawatt.

Der Landkreis Spree-Neiße kann das noch nicht toppen. Von derzeit 13 Windpark-Standorten ist Spremberg Ost mit neun 2,5-MW-Anlagen der größte, dicht gefolgt vom Windpark Casel mit insgesamt 20 MW installierter elektrischer Leistung.

Mit Superlativen glänzt der Spree-Neiße-Kreis hingegen bei der Fotovoltaik. Im August 2009 ging in der Ortslage Turnow-Preilack in der Lieberoser Heide das damals größte Solarkraftwerk Deutschlands in Betrieb. Rund 160 Millionen Euro investierten der US-Dünnschichtsolarmodulhersteller First Solar Inc. und der rheinland-pfälzische Projektentwickler von Erneuerbare-Energien-Anlagen, die juwi GmbH Wörrstadt. Das Solarkraftwerk besteht aus rund 700 000 Dünnschichtsolarmodulen, die sich über 162 Hektar Fläche erstrecken und im ersten Bauabschnitt über eine installierte elektrische Leistung von 53 Megawatt verfügen.

Ans Netz gegangen ist in diesem Jahr der zweite Solarkraftwerksabschnitt auf zusätzlichen 56 Hektar Fläche in Turnow-Preilack mit 230 000 Solarmodulen und knapp 18 kW installierter elektrischer Leistung. Damit steigt die Gesamtleistung auf knapp 72 MW und das Solarkraftwerk Turnow-Preilack rangiert wieder weit oben - deutschlandweit auf Rang Zwei.

2009 gingen kleinere Solarfelder bei Gulben und Werben ans Netz, 2010 folgten unter anderem die Solarparks Jocksdorf und Preschen sowie Guben-Deulowitz. Nachdem die Förderung von Solaranlagen auf Ackerflächen gekippt ist, haben Konversionsflächen im Landkreis Hochkonjunktur.

region-lausitz-spreewald.de