Es war eine emotionale, beeindruckende Choreografie, die die Fans des FC Energie Cottbus am Sonntag auf der Osttribüne im Stadion ihrem Verein zum Geburtstagsgeschenk machten. Am Ende stand das Wort "Wir" im Oberrang, gebildet von den Menschen mit weißen und roten Umhängen. Besser konnten es die Fans nicht auf den Punkt bringen. Ein Wort reichte aus: Wir. Das ist der Neuzugang Sergi Arimany, der beim Spiel gegen Fortuna Köln sein Debüt gab, genauso wie der Gelegenheitsbesucher im Stadion oder der Dauerkartenbesitzer. Wir sind der Verein. Wir stehen gemeinsam im Stadion. Doch dieses Wir-Gefühl wurde jäh zerstört, als zu Beginn der zweiten Halbzeit genau in jenem Wir-Oberrang - von einigen wenigen - Pyrotechnik gezündet wurde. Ausgerechnet direkt über dem Familienblock.

Beißender Rauch, glühende Asche

Ronald Stube saß dort und berichtet am Montag von seinem Erlebnis: "Ich melde mich im Namen einiger Leute, die gestern sehr gern den 50. Geburtstag von Energie im Stadion feiern wollten", sagt er. "Der Auftakt mit Alexander Knappe war sehr emotional, an der Choreo haben wir sogar mitgewirkt. Wir saßen direkt unter dem Energie-Logo der rot-weißen Legenden." Ein ganz anderes Bild nach dem Seitenwechsel. "Was da passierte, war schlichtweg unglaublich, erschreckend und Angst einflößend", schildert Ronald Stube. "Chaoten auf dem Oberrang versetzten mit Pyrotechnik in großer Menge und Böllern unsere Familien und Freunde in Angst und Schrecken. Dichter, beißender rot-weißer Qualm, glühende Pyro-Asche und danach das Löschwasser strömten auf uns nieder." Kein Ordner habe eingegriffen. Deshalb fragt der Energie-Fan: "Wie kann es sein, dass diese Chaoten im Oberrang über dem Familienblock nicht nach Pyro kontrolliert werden?" Er zieht seine Konsequenzen: "Wenn es gewollt ist, dass diese Ultras im Stadion tun und lassen können, was sie wollen, haben wir da wohl keinen Platz mehr. Schade, nach so vielen Jahren."

Video: Rauch und Pyrotechnik im Familienblock

Bestürzt über den Vorfall äußert sich FCE-Geschäftsführer Normen Kothe: "Es ist nicht nur schade und bedauerlich, dass die überragende Choreografie vor Spielbeginn in der zweiten Halbzeit durch den verantwortungslosen Einsatz von Pyrotechnik überschattet wurde. Sondern es ist eine Katastrophe." Demnach sind Zuschauer im Unterrang der Osttribüne durch heruntertropfendes Pyromaterial verletzt worden. "Auch Sachbeschädigungen wurden uns mehrfach gemeldet", erklärt Kothe gegenüber der RUNDSCHAU und betont: "Wir wollen die Täter ermitteln, auch wenn das den unfassbaren Vorfall nicht ungeschehen macht." Aus diesem Grund bittet der FCE darum, dass sich geschädigte Personen unter der E-Mail s.scharfenberg@fcenergie.com melden.

Unangemeldete Nacht-Aktion

Als das Spiel im Stadion der Freundschaft am Sonntag um 14 Uhr angepfiffen wurde, hatte das Entsorgungsunternehmen Alba den Altmarkt wieder ansehnlich gemacht und von den Pyrotechnik-Überresten und zerborstenen Flaschen befreit. Kurz nach Mitternacht hatten 600 Menschen auf dem Altmarkt ein minutenlanges Feuerwerk gezündet, ein riesiges Energie-Emblem ausgerollt und Fan-Gesänge angestimmt. Allerdings befanden sich zahlreiche vermummte Hooligans unter den Feiernden, die bis 0.45 Uhr das Spektakel dirigierten und immer wieder Böller in der Menschenmenge zündeten. Polizeisprecherin Ines Filohn bestätigt noch einmal: "Die Veranstaltung und das Feuerwerk waren nicht angemeldet." Auch mit dem Verein selbst war die Aktion nicht abgestimmt. Das betont FCE-Sprecher Lars Töffling: "Der Verein wurde über die nächtlichen Feierlichkeiten auf dem Altmarkt weder vorab informiert noch fürchten wir, die Verantwortung für die ,Folgen' tragen zu müssen." Die Rechnung für die Reinigung des Altmarktes werden die Cottbuser zahlen. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt: "Normalerweise trägt der Verursacher die Kosten." Da es aber keine Genehmigung und damit auch keine Verantwortlichen für die Aktion gibt, "gehen Müllabfuhr und Reinigung zulasten der Allgemeinheit". Der zuständige Fachbereich habe darüber hinaus Altmarkt und Sprem nach dem Vorfall vom Sonntag inspiziert. "Es konnten auf den Flächen keine Schäden festgestellt werden, bis auf die vorhandenen Schmauchspuren durch Pyrotechnik", sagt Gloßmann. "Diese sollten im Lauf der Zeit verblassen." Wie hoch die Rechnung von Alba ausfallen wird, sei unklar.

Schaufenster in der Sprem kaputt

Für Altstadtmanager Gottfried Lindner ist allerdings klar, dass bei aller Liebe zum FC Energie die Feier auf dem Altmarkt "den Rahmen des Vernünftigen gesprengt hat". "Es war eine Katastrophe", betont er. "Das Feuerwerk war völlig außer Kontrolle. Das war unverantwortlich." Die Anwohner und Geschäftsinhaber hätten eine Nacht voller Schrecken verlebt, in Angst um ihren Besitz. Darüber hinaus sei die Nacht entgegen der Schilderungen der Polizei nicht so friedlich verlaufen. So sei in der Sprem ein Schaufenster zu Bruch gegangen und am Morgen wurde eine Blutlache gefunden. "Nur die Anzeigen dazu fehlen offenbar."