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Elektromobilität
Energie für Cottbus gesucht

In Cottbus sind derzeit 27 Elektro-Autos zugelassen. In ganz Brandenburg sind es 927. Auf diese Anzahl kommen 58 Stromtankstellen. 
In Cottbus sind derzeit 27 Elektro-Autos zugelassen. In ganz Brandenburg sind es 927. Auf diese Anzahl kommen 58 Stromtankstellen.  FOTO: estations/Fotolia / fotolia
Cottbus. Die Stadt will im ersten Quartal 2018 ein Konzept für Stromtankstellen vorlegen. Von Peggy Kompalla

Die Stadt tüftelt derzeit gemeinsam mit den Stadtwerken Cottbus an einem Konzept für Ladestandorte für Elektro-Autos in der Stadt. Das Ergebnis soll Ende des ersten Quartals 2018 vorliegen. Das verspricht Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) während des Umweltausschusses am Dienstag. Derweil zeigt die emotionale Debatte zum Thema die Ungeduld, aber auch die Verunsicherung. BTU-Wissenschaftler Erik Blasius gibt den Lokalpolitikern die Empfehlung: „Konzentrieren Sie sich auf vier bis fünf Ladepunkte und lernen Sie davon.“ Denn Praktiker haben teils andere Auffassungen, das beweist sich auch im Umweltausschuss.

„Ein Beitrag zur Netzintegration von Elektrofahrzeugen als steuerbare Lasten und mobile Speicher durch einen Aggregator“ – so lautet der Titel der Promotion von Erik Blasius. Er hat bei BTU-Professor Harald Schwarz am Lehrstuhl Energieverteilung und Hochspannungstechnik die Forschung in dem Fachgebiet begleitet. Seit Neuestem ist er zudem Berater für Elektromobilität. Insofern hat sich der Umweltausschuss einen ausgesprochenen Fachmann zur Debatte eingeladen. Der rät den Lokalpolitikern eindringlich: „Investoren müssen mit sichtbaren Aktivitäten gelockt werden.“

Derzeit fährt Cottbus in der Elektromobilität hinterher. Zumindest aufs Auto bezogen stimmt das. Derzeit sind gerade einmal 27 Elektro-Fahrzeuge mit Cottbuser Kennzeichen unterwegs. Aber die „Mutter der Elektromobilität“ ist schon seit mehr als 100 Jahren in Cottbus unterwegs. An sie erinnert der Umweltdezernent ausdrücklich. „Die Straßenbahn ist das Rückgrat des Stadtverkehrs“, betont Bergner. Er stehe dafür, dass sie in der Debatte nicht vergessen werde und auch die nötige Förderung erhalte.

Erik Blasius hat derweil für Brandenburg eine eigene Potenzialstudie für Lade-Infrastruktur angefertigt. Dabei nahm er nach eigenem Bekunden 25 Brandenburger Städte unter die Lupe. Für Cottbus machte er sechs mögliche Lade-Standorte aus. Sie verteilen sich von Nord nach Süd entlang der Hauptverkehrs­achsen. Es soll noch konkreter werden: Die BTU werde im kommenden Jahr gemeinsam mit den Hochschulen Potsdam und Eberswalde an drei Standorten hochwertige Ladestationen mit 160 Kilowatt aufstellen. Der Betrieb soll wissenschaftliche Daten liefern. „Denn Laden ist schädlich fürs Netz, da es eine hohe Belastung darstellt“, erklärt Erik Blasius. Deshalb seien auch nicht alle Standorte geeignet. Weshalb es wiederum wichtig sei, mit dem Netzanbieter zusammenzuarbeiten. Insofern hat die Stadt mit den eigenen Stadtwerken den „natürlichen Partner“ für das Projekt gewählt.

Elektro-Autos haben noch immer den Nimbus von „Ökokram“. Die Menschen sind verunsichert, angesichts der Stecker-Vielzahl und der Reichweite. Sie haben ganz simpel immer die Befürchtung, stehen zu bleiben. Schließlich gibt es in der Region wenig Ladestationen. In Cottbus steht derzeit die einzige öffentlich zugängliche Stromtankstelle  am Stadthaus. All diese Bedenken hat Annett Ströer längst über Bord geworfen. Sie ist die Inhaberin von Fahrgefühl 2.0, einer Tesla-Vermietung in Lübbenau. Der Tesla ist der Luxuswagen unter den Elektrofahrzeugen. Sie macht klar, dass bei der Lade-Infrastruktur ganz neu gedacht werden muss. „Das ist nicht wie beim Tanken“, betont sie. „Das Fahrzeug steht zu 95 Prozent der Zeit. Man muss nicht schnell laden, denn es passiert nebenbei.“

Deshalb plädiert die Geschäftsfrau auch dafür, nur an wenigen ausgesuchten Standorten hochwertigere und damit teure Schnellladestationen zu errichten. „In der Mehrzahl reicht aber der normale Haushaltsstrom aus“, betont sie. Der könne bequem an Lichtmasten gezapft werden, was wiederum eine Versorgung der Wohngebiete ermögliche. Aber nicht nur das: „Im Durchschnitt fährt man 43 Kilometer am Tag. Eine Stunde Ladepause deckt die Hälfte des Tagesbedarfs.“ In dieser einen Stunde ließen sich ein Einkauf oder Behördengang erledigen. Genau darauf weist auch Erik Blasius hin: „Man muss sich über die Anwendung im Klaren sein. Shop and charge – also Einkaufen und Laden – ist ein guter, erster Schritt.“

Gottfried Schierack (CDU) wirft ein: „Daran muss bei jeder Neuinvestition gedacht werden.“ Das betreffe nicht allein öffentliche Orte, sondern auch Supermarktstandorte. Andreas Rothe (SPD) freut sich über die Beteiligung der Stadtwerke. „Was wir jetzt brauchen ist ein Anfang.“ Das erntet allgemeines Nicken.