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| 18:50 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
So kommt die Sonne in den Tank

   Ulrich Fischer, Leiter des Wasserstoff-Forschungszentrums an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-­Senftenberg, steht an einem alkalischen Druckelektrolyseur, der zur Erzeugung von Wasserstoff benötigt wird.  
 Ulrich Fischer, Leiter des Wasserstoff-Forschungszentrums an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-­Senftenberg, steht an einem alkalischen Druckelektrolyseur, der zur Erzeugung von Wasserstoff benötigt wird.   FOTO: ZB / Patrick Pleul
Cottbus. Intelligente Lösungen zur großtechnischen Speicherung von Wind- und Sonnenstrom sollen der Lausitz viel Arbeit bringen. Von Jan Siegel

Brandenburg und ganz speziell die Lausitz stehen mächtig unter Spannung. Wenn es um erneuerbare Energien geht – also Strom, gewonnen aus Wind und Sonne – ist in keinem anderen deutschen Bundesland die installierte elektrische Leistung pro Einwohner höher. „Das Land kann immerhin zwei Drittel seines Strombedarfs mit Erneuerbaren decken“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Freitag in Cottbus. Die Bundespolitikerin war in die Lausitz gekommen, um den Startschuss zu geben für die Einrichtung eines weiteren Kompetenzzentrums an der BTU Cottbus-Senftenberg. Das Zentrum soll helfen, ein grundlegendes Problem der Energiewende in Deutschland zu lösen.

Die in Brandenburg erzeugten gewaltigen Mengen an Wind- und Sonnenstrom können noch zu oft nicht abfließen. Gespeichert werden können die riesigen Mengen auch bisher nicht. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Fehlende Stromautobahnen sind dabei nur ein Aspekt.

Um den verfügbaren Strom in der Lausitz aus erneuerbaren Quellen für den Umbau des deutschen Energiemarktes trotzdem nutzen zu können, muss er in transportable Formen umgewandelt werden. Ein hochspannender Lösungsansatz dabei ist die Technologie „Power to X“ (PtX). Dabei geht es im Kern darum, den Strom beispielsweise durch die elektrolytische Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff umzuwandeln. So kann die Energie gespeichert werden und bei Bedarf wieder umgewandelt werden in elektrischen Strom.

Das neue Kompetenzzentrum, das an der Lausitzer Universität angesiedelt werden soll, bildet künftig eine Plattform und Anlaufstelle für Wissenschaftler und Partner aus der Industrie. Gefördert wird das Zentrum jährlich mit acht Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsfonds des Bundesumweltministeriums. An die 60 Mitarbeiter sollen dort in den kommenden Jahren ein neues wissenschaftliches und technisches Betätigungsfeld finden, kündigte Svenja Schulze an.

Hinter der jetzt gestarteten „PtX“-Initiative stehen hochpotente Partner aus der Industrie. Dazu gehören neben der BASF Schwarzheide und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce auch die Lufthansa Group und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das in Cottbus ohnehin schon am Aufbau eines eigenen Instituts arbeitet. Mit der Firma Sunfire aus Dresden ist außerdem ein Unternehmen mit am Start, das bereits große praktische Erfahrungen mit der PtX-Technologie gesammelt hat und erfolgreich am Markt agiert.

Die BASF Schwarzheide hatte schon zu Jahresbeginn entscheidende Schritte zu neuen Energiespeicherlösungen angekündigt. Dort wird das bestehende Gaskraftwerk umgebaut und künftig erneuerbare Energie aus dem direkten Lausitzer Umland eingesetzt. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2030  CO2-neutral zu wachsen“, sagte BASF-Arbeitsdirektor Colin von Ettingshausen der RUNDSCHAU. Das Produktionswachstum soll auf diese Weise klimaneutral erfolgen.

Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce interessiert sich besonders für die Herstellung sogenannter grüner Kraftstoffe für seine Flugzeugmotoren. Auch sie sollen aus dem Wind- und Sonnenstrom produziert werden. „Wir elektrifizieren das Gesamtsystem für Antrieb und Energie inklusive des Kraftstoffs, in dem wir ihn klimaneutral herstellen“, sagt Andreas Schell, der Vorstandsvorsitzende von Rolls-Royce Power Systeems. Dafür soll eine Versuchanlage aufgebaut werden. Wo sie stehen wird, ist noch nicht entschieden.

Die Industriemanager denken bei der Konzeption nicht nur an ihre eigenen Unternehmen. „Es geht auch darum, hier in der Lausitz Wissen und Anlagenbau-Kapazitäten aufzubauen“, sagt BASF-Mann von Ettingshausen. „Auf diese Weise können wir hier zu Produzenten und Lieferanten für eine Zukunftstechnologie werden, die man uns international aus den Händen reißen wird.“

Am Freitag haben die Industrie- und Wissenschaftspartner an der BTU in Cottbus mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) als Vertreter des Landes eine Absichtserklärung unterschrieben. Mit ihr bekennen sich das Land und die Partner zu dem gemeinsamen Zukunftsvorhaben, das der Lausitz neue, einträgliche Geschäftsfelder erschließen kann.

 Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin, und Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, haben in Cottbus den PtX-Aktionsplan des Bundesumweltministerium vorgestellt.
Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin, und Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, haben in Cottbus den PtX-Aktionsplan des Bundesumweltministerium vorgestellt. FOTO: dpa / Patrick Pleul
   Ulrich Fischer, Leiter des Wasserstoff-Forschungszentrums an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-­Senftenberg, steht an einem alkalischen Druckelektrolyseur, der zur Erzeugung von Wasserstoff benötigt wird.  
 Ulrich Fischer, Leiter des Wasserstoff-Forschungszentrums an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-­Senftenberg, steht an einem alkalischen Druckelektrolyseur, der zur Erzeugung von Wasserstoff benötigt wird.   FOTO: ZB / Patrick Pleul
 Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin und Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, haben in Cottbus den PtX-Aktionsplan des Bundesumweltministerium vorgestellt.
Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin und Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, haben in Cottbus den PtX-Aktionsplan des Bundesumweltministerium vorgestellt. FOTO: dpa / Patrick Pleul