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| 20:33 Uhr

Aktiv gegen Rechtsextremismus
FCE macht mobil gegen rechts

Cottbus. Verein kündigt Präventionswochen in Cottbuser Schulen und stärkere Überprüfung von Ordnern an. Von Simone Wendler

Der FC Energie Cottbus wird künftig genauer hinsehen, wer als Ordner im Stadion eingesetzt wird. Das hat Verwaltungsratschef Mathias Auth nach einem gemeinsamen Gespräch mit der Stadtverwaltung, dem Innenministerium und dem Verfassungsschutz in Cottbus angekündigt. Mit dem für den Verein tätigen Ostdeutschen Sicherheitsdienst (OSD) soll eine vertragliche Vereinbarung getroffen werden, die eine tiefere Zuverlässigkeitsprüfung aller Ordner unter Hinzuziehung des Verfassungsschutzes garantiert. Der Verein war in der Vergangenheit immer wieder damit konfrontiert worden, dass es Rechtsradikale unter den Ordnern gegeben haben soll.

Beginnen soll die stärkere Überprüfung sofort. „Wir setzen bis zur vertraglichen Regelung auf die Freiwilligkeit des OSD“, so Auth. Verfassungschef Frank Nürnberger verwies darauf, dass seine Behörde diese Unterstützung für Wachschützer in sensiblen Bereichen schon lange anbietet.

Noch im März wird beim FCE auch die Stelle eines Mitarbeiters für Integration und Toleranz ausgeschrieben, kündigte Auth an. Das Land Brandenburg stelle dafür 24 000 Euro in diesem Jahr zur Verfügung. Etwa ebenso viel Geld trage die Flick-Stiftung bei. Der neue Mitarbeiter soll vor allem die Kommunikation mit den verschiedenen Netzwerkpartnern wie dem Fanprojekt, der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“, dem Bündnis „Cottbus ist bunt“ und anderen stärken.

Ebenfalls im März will der Verein in Cottbuser Schulen mit Projektwochen aktiv werden. Damit soll die Prävention verstärkt werden: „Wir wollen keine neue Generation von Rechtsextremisten im Stadion“, begründet Auth diesen Schritt.

Anlass der etwa eineinhalbstündigen Beratung in Cottbus war eine Einladung des Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU) nach erneuten Berichten über den Einfluss von Rechtsextremisten auf die Fanszene des FC Energie. Verfassungschef Frank Nürnberger betonte, dass diese Situation nicht neu sei. Die rechtsextreme Szene in Cottbus, der auch Kampfsportler und Hooligans angehörten, zeige jedoch eine Professionalisierung und käme mit neuen Strategien daher. Das sei jedoch eine bundesweit zu beobachtende Entwicklung.

Die Zahl der Rechtsextremisten in Cottbus beträgt laut Verfassungsschutz etwa 170. Das sei vergleichsweise viel. „Wenn wir gefragt werden, werden wir uns immer im Rahmen unserer Möglichkeiten äußern und Hilfe anbieten“, ging Nürnberger erneut auf die Stadt zu. Dem FC Energie bescheinigte er, schon viel in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten angeschoben zu haben. „Wir müssen junge Menschen für die Demokratie begeistern“, nannte Nürnberger als Ziel der Bemühungen.

Thomas Bergner, Ordnungsdezernent der Stadt, verwies darauf, dass voraussichtlich im März in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung ein Antrag der Linken beschlossen werden wird, der auch bei der Vergabe städtischer Wachschutzaufträge mehr Sicherheit gegen den Einsatz von Rechtsextremisten bietet. Vor zwei Wochen erst war bekannt geworden, dass die Securityfirma eines Cottbuser Rechtsextremisten als Subunternehmer in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen im Einsatz war.

Auf Nachfrage zu einer eventuellen Beobachtung des in Cottbus aktiven Vereins „Zukunft Heimat“ sagte Verfassungsschutzchef Frank Nürnberger, dass das Verfassungsschutzgesetz in Brandenburg da sehr engere Grenzen setzt: „Wir dürfen uns nicht mal zu Verdachtsfällen äußern.“ Er bestätigte jedoch, dass sich bei den Demos Rechtsextremisten „aus allen Milieus“ treffen.

Im April, so Ordnungsdezernent Bergner, werde in der Innenstadt das neue Sicherheitszentrum eröffnet werden.