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| 13:47 Uhr

Staatsschutz ermittelt
Energie Cottbus distanziert sich von Ku-Klux-Klan-Aktion

Cottbus. Mit diesem Aufstiegsjubel hat es Cottbus deutschlandweit in die Schlagzeilen gebracht. Vereinzelte „Fans“ sind auf einem Foto mit Ku-Klux-Klan-Masken zu sehen. Der Verein zeigt sich „zutiefst betroffen“. Von Frank Hilbert

Nach einer ungenehmigten Versammlung von Fußballfans mit Kapuzen im Stil des Ku-Klux-Klans in Cottbus ermittelt der kriminalpolizeiliche Staatsschutz. Es kursiere ein Bild im Internet, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Süd am Montag.

Darauf sind mehrere Personen zu sehen, die nach dem Aufstiegsspiel auf dem Cottbuser Altmarkt weiß maskiert posieren. Dabei halten sie ein Transparent in die Kamera, ein Feuer brennt. Wie ein Augenzeuge der RUNDSCHAU berichtet, habe die Truppe auf dem Platz mit dem Rücken zur Fan-Feier gestanden. Allerdings seien die Kapuzen auch aus der Entfernung erkennbar gewesen. Wenige Meter entfernt hätten uniformierte Beamte gestanden, die dies hätten erkennen können.

Die Polizei erklärte dagegen am Montag, sie habe erst im Anschluss von der Aktion erfahren. Daraufhin sei Anzeige erstattet worden, hieß es. Es werde intensiv wegen Verstoßes gegen das Versammlungsverbot ermittelt. Unklar war zunächst, wer das Foto aufgenommen hat. Von der Szene wurde in sozialen Netzwerken nur eine Aufnahme geteilt.

Energie Cottbus distanziert sich

Der FC Energie Cottbus distanziert sich in einer Erklärung „entschieden von dem am Sonntag auf dem Cottbuser Altmarkt gezeigten Banner und den dafür verantwortlichen Personen. Eine Darstellungsform die menschenverachtend, abstoßend und in keiner Weise tolerierbar ist. Wir begrüßen ausdrücklich die Bemühungen durch Polizei und Staatsschutz und hoffen hierbei auf schnellstmögliche Ermittlungsergebnisse“, heißt es unter anderem darin.

Auch wenn die Vorfälle im öffentlichen Raum und demnach nicht im Einflussbereich des FC Energie stattfgefunden hätten, kündigte der Verein im Falle der Bekanntmachung der Personen bundesweite Stadionverbote und lebenslange Hausverbote an. Sofern gegen diese Personen nicht bereits derartige Sanktionen getroffen wurden.

„Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Personen der Stadt Cottbus, der gesamten Region und dem FC Energie Cottbus ganz bewusst Schaden zufügen wollen. Wir sind zutiefst betroffen, dass einige wenige Personen durch ihr Handeln die Freude über den Aufstieg trüben und das Image von zehntausenden Energiefans und des Vereins beschädigen“, betont der Fußball-Verein.

Ursula Nonnemacher, Fraktionschefin der oppositionellen Grünen im brandenburgischen Landtag, äußerte sich schockiert über den rechtsextremen Vorfall in Cottbus. Sie kündigte eine dringliche Anfrage in der Landtagssitzung am Mittwoch, 30. Mai, an. Nonnemacher sprach sich dafür aus, das Rechtsextremismus-Problem von Energie auszuwerten und forderte Gegenmaßnahmen. „Es stellt sich aber auch die Frage nach der Rolle der Polizei und den Anstrengungen der Stadt Cottbus gegen die rechtsextreme Szene“, sagte Nonnemacher laut Mitteilung.

Syrer missverstehen Fußballfreude

Darüber hinaus gab es einen weiteren Vorfall im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Aufstieg in der Stadt. Ein Missverständnis habe offenbar dazu geführt, dass Syrer und deutsche Fußballfans im Stadtzentrum aneinander geraten sind, sagt Polizei-Sprecherin Ines Filohn auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Zwei Syrer im Alter von 17 und 18 Jahren hätte die offenbar recht intensive Feierlaune von zehn bis 15 Fans auf sich bezogen und eine Attacke befürchtet. Daraufhin habe es verbale und auch tätliche Auseinandersetzungen gegeben, in deren Folge sich weitere Syrer mit den beiden Landsleuten solidarisierten. Noch vor Eintreffen der Polizei hatte sich die Situation aufgelöst. Ernsthaft verletzt worden sei jedoch niemand, betont Ines Filohn, die sich ansonsten recht zufrieden über die Disziplin der Fußballfans äußert.

„Gemessen an den Tausenden Fußballfans, die in der Stadt unterwegs waren, verliefen deren Feierlichkeiten recht friedlich“, so ihr Fazit.

Die Leitstelle Lausitz verweist auf ein „normales Einsatzgeschehen“ bezüglich der Notarzteinsätze am Sonntag. (mit dpa)