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| 02:33 Uhr

Empfindliches Prachtexemplar im Vorwerk gepflanzt

Die Blutbuche auf dem Huttenplatz ist in Topform.
Die Blutbuche auf dem Huttenplatz ist in Topform. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Wenn Buchen in Ruhe gelassen werden, wachsen sie zu prächtigen Exemplaren heran, wie die Blutbuche am Huttenplatz. 150 Jahre ist sie alt und wurde vermutlich von einem Kunstgärtner aus Tuchmacher-Hause gepflanzt. Peggy Kompalla

Für den Baumfachmann Jörg Lohmann ist die Blutbuche am Huttenplatz eines der schönsten Cottbuser Naturdenkmale. "Sie hat eine perfekte Wuchsform, weil sie schon immer frei stand und Platz hatte, sich zu entfalten", sagt er. Selbst die stattlichen Exemplare im Branitzer Park können nach seinem Geschmack nicht mit ihr mithalten. Im Gegensatz zu ihnen ist der Baum am Huttenplatz nicht besonders hochgeschossen, wirkt sogar fast gedrungen. Umso ausladender sind ihre Äste. Der Baumfachmann schätzt das Alter der Blutbuche auf 150 Jahre. Ihr Stamm bringt es mittlerweile auf 4,45 Meter. "Der Baum wächst immer weiter", sagt Lohmann.

Dabei sind Buchen besonders empfindlich. "Sie vertragen keine Bodenverdichtung, weil sie auf den Gasaustausch im Boden angewiesen sind", erklärt Lohmann. "Deshalb gehen sie meist ein, wenn es in ihrer Nähe Bauarbeiten gibt." Das beste Beispiel ist unweit des Standortes mitten auf dem Huttenplatz zu beobachten. Vis à vis die beiden Exemplare zeigen sich selbst mitten im Sommer nur mit spärlichem Laub. Kein gutes Zeichen, sagt Jörg Lohmann.

Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch vermutet, dass die prächtige Blutbuche auf dem Huttenplatz von Wilhelm Moritz Ruff gepflanzt wurde. "Er entstammte einer Tuchmacherfamilie", erklärt sie. Im Jahr 1847 habe er das Vorwerk gekauft. "Das waren 136 Morgen Land, die er nach seinem Ideal als Kunstgärtner gestalten ließ", berichtet Dora Liersch. Das Areal lag damals vor den Toren der Stadt. Dazu gehörten einige Häuser, es überwogen jedoch landwirtschaftliche Flächen.

Auch die Schere ist nichts für die empfindlichen Buchen, berichtet Baumpfleger Marco Hellwig. "Man sollte nur Totholz rausholen. Denn wenn man sie frei schneidet, bekommen die Blätter Sonnenbrand", sagt er. Die charakteristische Rotfärbung bildet sich nur in der vollen Sonne aus, die Blätter im Schatten bleiben dagegen grün.

"Buchen brauchen nährstoffreiche und feuchte Standorte. Unsere Böden geben das normalerweise nicht her", erklärt Marco Hellwig. "Deshalb sind sie eher selten bei uns." So ist der Baum auf dem Huttenplatz solch ein schön anzusehender Außnahmefall. "Die Blutbuche ist top in Form. Sie kann noch mal 150 Jahre alt werden", versichert der Baumpfleger.

Zahlen & Fakten
Ohne Forstwirtschaft wäre die Buche die vorherrschende Baumart in Mitteleuropa, da in ihrem Schatten kaum andere Gehölze gedeihen. Deshalb bilden die Buchen sogenannte Säulenwälder.

Die Blutbuche - auch Purpurbuche genannt, ist eine Mutation der Rotbuche. Beide gehören daher zur gleichen Art Fagus sylvatica.

Die Rotfärbung ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen, das die normalerweise nur in der Haut junger Blätter vorkommenden Anthocyane abbaut. Blutbuchen vergrünen in der Vegetationsperiode allmählich. Der flüchtige Betrachter erkennt sie im Herbst kaum noch.