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Eltern wehren sich gegen neue Lehrpläne

Hat die klassische Arbeit im Unterricht am Mikroskop demnächst ausgedient?
Hat die klassische Arbeit im Unterricht am Mikroskop demnächst ausgedient? FOTO: fotolia
Cottbus. Gegen die neuen Lehrpläne, die zum Schuljahresbeginn 2016 eingeführt werden sollen, regt sich massiver Protest. Am Pückler-Gymnasium des Landkreises hat sich sogar ein Arbeitskreis aus besorgten Eltern gebildet. Sven Hering

Sie sollen moderner sein und entschlackt werden. Doch die neuen Lehrpläne, die ab dem kommenden Jahr eingeführt werden sollen, weisen nach Meinung Cottbuser Eltern erhebliche Mängel auf. "Diese werden letztendlich zu einem weiteren Absinken des Niveaus von Bildung und Erziehung unserer Kinder führen." So steht es in einer Erklärung, die Elternsprecher am Cottbuser Pückler-Gymnasium formuliert haben. Günter Knothe gehört zu den besorgten Eltern, die am vom Landkreis-Gymnasium einen Arbeitskreis Naturwissenschaften gegründet haben. Denn in diesen Fächern droht laut Knothe das größte Ungemach.

So sollen in der Jahrgangsstufe 5 und 6 die Fächer Biologie und Physik zu einem Fach "Naturwissenschaft" zusammengelegt werden. Dort sollen dann nicht mehr naturwissenschaftliche Grundlagen unterrichtet, sondern Phänomene behandelt werden. Wie entsteht ein Regenbogen? Warum bekomme ich einen Sonnenbrand? Laut neuem Lehrplan gehört es zur grundlegenden naturwissenschaftlichen Kompetenz eines jeden Schülers, dieses Wissen mit modernen Medien zu präsentieren. Das bedeute letztendlich bunt blinkende computeranimierte Hausaufgaben, befürchten die Cottbuser Eltern. Zur Verschmelzung von Physik und Biologie komme faktisch auch noch das Fach Darstellendes Spiel hinzu.

Die Cottbuser Eltern wählen einen Vergleich, um die Sinnhaftigkeit der Zusammenlegung der Fächer zu hinterfragen. Die Berufe Bäcker und Fleischer sind beides Berufe im Lebensmittelhandwerk. Sie haben ähnliche Grundanforderungen an Hygiene, körperliche Belastbarkeit und handwerkliches Geschick. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, einen Fleischermeister zum Backen von Kuchen einzusetzen, nur weil es auch ein Lebensmittel ist. Genau dies mache aber der vorgelegte Rahmenlehrplan. Fachlehrer für Physik müssen Biologie unterrichten und umgekehrt. "Aus unserer Sicht geht es darum, den Fachlehrermangel zu kaschieren", sagt Günter Knothe.

Dieser Verdacht erhärte sich, da das Fach Naturwissenschaften ab Jahrgangsstufe 7 nicht wieder aufgelöst wird, sondern parallel zu den Kursen Biologie, Physik und Chemie als Wahlpflichtfach betrieben wird. Wie geht es nun weiter? Der Arbeitskreis hat eine Online-Petition gestartet ( www.openpetition.de/petition/online/eltern-erheben-einspruch-gegen-die-mangelhafte-lehrplanreform-in-brandenburg ).

Außerdem soll es im April eine Gesprächsrunde beim Cottbuser CDU-Landtagsabgeordneten Michael Schierack geben, der die Reformpläne ebenfalls kritisch sieht. Die Eltern der Pücklergymnasiasten fordern die Landesregierung auf, die Lehrpläne zurückzunehmen. Anschließend müssten Lehrer, Schulleiter und Fachkräfte von Universitäten und Hochschulen gemeinsam neue Vorgaben erarbeiten. "Die Bildung darf nicht Opfer von nicht ausreichend durchdachten Experimenten sein", so die Eltern in ihrer Erklärung.