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| 18:48 Uhr

Sorben in der Lausitz
Eltern wollen Hilfe aus Brüssel für den Sorbisch-Unterricht

34 381 Mal ist der Petition „Wir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!“ bisher online zugestimmt worden. Am Freitag hat die Sprecherin der Initiative Kathleen Komolka (3.v.r.) in Cottbus eine Petition an den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Pal Csaky (r.) aus der Slowakei übergeben.
34 381 Mal ist der Petition „Wir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!“ bisher online zugestimmt worden. Am Freitag hat die Sprecherin der Initiative Kathleen Komolka (3.v.r.) in Cottbus eine Petition an den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Pal Csaky (r.) aus der Slowakei übergeben. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Online-Initiative überreicht Forderungen an EU-Parlamentarier in Cottbus. Petitionen zum Thema Kohle und Sorben haben sie in die Lausitz geführt. Von Christian Taubert

Kathleen Komolka hat ihr Baby auf dem Arm. Sie steht am Freitag mit Kindern in sorbisch/wendischer Tracht sowie Vertretern der Online-Elterninitiative „Für den Erhalt des Sorbisch-Unterrichts unserer Kinder“ vor dem Saal „Fontane“ im Cottbuser Lindner Congress Hotel. In wenigen Minuten sollen hier Abgeordnete des Petitionsausschusses des EU-Parlaments eintreffen. Es kommt ein wenig Hektik auf. Der Live-Stream hin zur Seite der Petition im Internet will nicht funktionieren.

 Dann betritt Pal Csaky (EVP) als Erster das Hotel-Foyer. Die Eltern-Initiative mit Kathleen Komolka ist nicht zu übersehen. Per Smartphone-Stream können Unterstützer online verfolgen, wie die Sprecherin der Elterninitiative auf 34 381 Unterstützer verweist, die das Anliegen des Erhalts des Sorbisch-Unterrichts in der brandenburgischen Lausitz unterstützen. Eine entsprechende Petition wird an den Europa-Abgeordneten übergeben. Kathleen Komolka erläutert, dass Minderheiten nicht an Kriterien wie Effektivität oder blanken Zahlen zu messen seien. Das laufe dem Grundsatz des Minderheitenschutzes zuwider.

Der Slowake Csaky nimmt die Petition entgegen und versichert, dass sich der Petitionsausschuss mit dem Anliegen der besorgten Eltern beschäftigen werde und sie Antwort erhalten. Allerdings ist er deswegen nicht nach Cottbus und Brandenburg gekommen. Dass die Landesregierung in Potsdam beabsichtigt,  dem allseits gelobten bilingualen Witaj-Projekt ein Korsett zu verpassen, das kann er nicht wissen. So sollen künftig mindestens zwölf Schüler in einer Klasse zusammenkommen, um sie in Deutsch u n d Sorbisch zu unterrichten. Gegen diese Anzahl wehren sich die Eltern. Sie fordern, allen Kindern im Siedlungsgebiet den freien und unbeschränkten Zugang zur sorbischen Sprache zu erhalten.

Nach Cottbus gekommen waren die EU-Parlamentarier allerdings, um ihre „Sondierungsreise“, wie es Pal Csaky während einer Pressekonferenz bezeichnete, öffentlich auszuwerten. Denn der Petitionsausschuss hat zwei Eingaben in Brüssel auf dem Tisch, die sich auf Auswirkungen des Braunkohlebergbaus auf den Schutz der sorbischen/wendischen Minderheit in der Region beziehen. Dabei geht es auch um die Verschmutzung der Spree.

Pal Csaky, der in Cottbus die abgestimmte Auffassung der „Sondierer“ unterschiedlicher Parteien vortrug, ließ keinen Zweifel, dass Antworten nicht einfach aus Brüssel gegeben werden könnten. Er verwies vielmehr auf notwendige Gespräche im Potsdamer Landtag und in drei Landesministerien. Dort hätten die Parlamentarier vom Sorbenrat im Landtag, dem Beauftragten für sorbisch-wendische Angelegenheiten im Kulturministerium sowie in vielen Kommunen erfahren. Auch sei über die Stiftung für das sorbische Volk mit der Finanzierung durch den Bund sowie die Länder Brandenburg und Sachsen gesprochen worden.

Um sich den Konflikt Braunkohlebergbau – slawische Minderheit vor Augen zu führen, habe man das Leag-Kraftwerk Schwarze Pumpe, den Tagebau Welzow-Süd und die Berg-
bausanierer der LMBV besucht. Der Cottbuser Oberbürgermeister habe ebenso Auskunft gegeben wie die Bürgermeisterin in Welzow-Proschim. „Dennoch ist uns noch nicht alles glasklar geworden“, betonte der Slowake Csaky. „Deshalb werden wir jetzt noch Informationen von der Bundesregierung zur Braunkohle und deren Zukunft einholen.“ Das Problem sei so komplex, unterstrich die lettische Abgeordnete Tatjana Zdanoka (Grüne/EFA), so dass der Petitionsausschuss ohne Stellungnahme der Bundesregierung keine ausgewogenen Antworten an die Einreicher der Petitionen senden kann.

Ob man sich zum Thema Sorbisch-Unterricht noch einmal in der Lausitz sehen wird, blieb offen. Aber wenn es einer fundierten Antwort aus Brüssel dient...