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Elli – eine Liebe fürs Leben

Manuela Herrberger liebt ihren Araber-Hengst El Grando über alles – und das scheint er auch zu spüren, wie man sieht.
Manuela Herrberger liebt ihren Araber-Hengst El Grando über alles – und das scheint er auch zu spüren, wie man sieht. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Es sind genau 584 Kilometer, dann ist die gebürtige Cottbuserin Manuela Herrberger wieder daheim bei ihrer Familie – und ihrem geliebten Hengst "Elli", der eigentlich den stattlichen Namen "El Grando" trägt. Seit vielen Jahren hat er auf dem Reiterhof in der Kutzeburger Mühle als Einstellpferd sein Zuhause. Frank Hilbert

Mehrmals im Jahr kommt Manuela Herrberger wieder zurück in ihre Heimatstadt Cottbus. "Zurück", das heißt aus Dortmund, wo sie die Liebe 2008 hin verschlug. Mitgenommen hatte sie seinerzeit jemanden, dem ihre große Liebe ebenso gilt, ihren Hengst El Grando. "Er blieb bis 2012 bei mir, dann habe ich ihn wieder in seinen früheren Stall in die Kutzeburger Mühle zurückgebracht, damit er dort seinen Lebensabend verbringen kann", sagt die 37-Jährige. Es seien persönliche Gründe gewesen, deutet sie an.

Geschenk zur Jugendweihe

Sie liebt Pferde über alles. El Grando war 1993 ihr Jugendweihe-Geschenk. Da war der Shagya-Araber gerade mal zwei Jahre alt. Im Fotoalbum zeigt sie Bilder von einem jungen Mädchen mit wehendem Haar auf dem Rücken ihres Hengstes. "Ich habe zweimal in der Woche mit verschiedenen Trainern trainiert und dann auch an vielen Springturnieren teilgenommen", schwelgt sie dabei in Erinnerungen. So manches Preisgeld und so manche Ehrenschleife habe sie mit ihrem "Elli", wie sie ihn nennt, gewonnen. "Beim Araber-Championat in Neustadt/Dosse waren wir regelmäßig am Start. Bei den Turnieren habe ich viele Leute kennengelernt, zu nicht wenigen gibt es noch heute Kontakte", sagt Manuela Herrberger.

Ritt durchs Brandenburger Tor

Ein Foto fern jeglichen Reitplatzes macht neugierig: Die junge Frau auf ihrem Hengst inmitten einer Reiterschar am Brandenburger Tor in Berlin. "Wir wurden 1999 zu dieser Veranstaltung eingeladen und sind, begleitet von der Berittenen Polizei, dort durch das Brandenburger Tor geritten", klärt sie auf. Es sei eine Initiative des VDF Landesverbands Berlin Brandenburg gewesen. VDF, das ist die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland.

Sie sei früher jeden Tag bei ihrem Pferd in der Kutzeburger Mühle gewesen. Dort war es von Anbeginn eingestellt. "Da musste so manche Freundin damals zurückstecken. Und auch von einem Freund habe ich mich getrennt, weil mein Pferd Vorrang hatte", sagt sie. Als der Hengst mit 15 Jahren eine Sehnenentzündung bekam, nahm sie ihn aus dem Turniersport. Zu jenem Zeitpunkt hatte der mit braunem Fell geborene Hengst seine heutige weiße Färbung vollends erlangt.

Ihre Pferdeliebe war auch der Ausschlag für ihre Berufswahl: Sie erlernte auf einem privaten Pferdehof in Genshagen das Handwerk einer Pferdewirtin. Danach habe sie auf diversen Gestüten gearbeitet, bis sie vor sieben Jahren von einem Pferd schlimm eingeklemmt wurde, sodass der Arzt ihr riet, "kürzer zu treten". "Es ist zwar ein schlecht bezahlter Beruf und oft werden Ein-Euro-Jober für Dinge eingestellt, wofür ich einmal Pferdewirtin gelernt habe.

Abschied vom Traum-Job

Ich habe mich dennoch schweren Herzens mit der neuen Situation arrangiert und bei der IHK die Fachkundeprüfung im gewerblichen Güterkraftverkehr absolviert", sagt Manuela Herrberger, die seitdem in einer Spedition tätig ist. Sie habe damals auch überlegt, nach Cottbus zurückzukommen. "Ein Job in einem Call-Center war das Einzige, was zu haben war. In Cottbus sah ich daher keine berufliche Zukunft. Das ist schade, wenn ich sehe, was hier alles so entsteht. Der Ostsee zum Beispiel", meint sie, die von sich behauptet, ein "absoluter Familienmensch" zu sein. "Und Elli ist ein richtiges Familienmitglied", freut sie sich.

"Pferde-Gen" von der Mutter

In ihrer Abwesenheit kümmert sich ihre Mutter Regina Herrberger um den Vierbeiner. Von ihr hat die Tochter das "Pferde-Gen" geerbt, denn sie reitet selbst seit sie in der 7. Klasse war. Gemeinsam mit Hund Punky bringt sie den Hengst täglich auf die Koppel und reitet ihn auch regelmäßig. Doch zu Ostern sitzt Tochter Manuela im Sattel.

"Wenn Elli mal nicht mehr ist, würde ich mir ein neues Pferd holen. Aber es muss zwischen uns passen, so wie mit Elli", sagt die junge Frau, während sie mit ihrem Schimmel für die Rundschau-Kamera ein wenig schmust. Elli hatte sie und ihre Mutter längst auf der Weide hinter der Spree erkannt und war mit wehendem Schweif herangaloppiert. Es scheint fast so, als wüsste auch er, dass er zur Familie gehört.

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