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| 17:50 Uhr

Cottbus
Elfgeschosser zwölf Tage ohne Fahrstuhl

 Rudi Schneider nimmt die Treppen, weil in der Theodor-Storm-Straße 8 der Fahrstuhl saniert wird. Zwölf Tage lang mussten die Bewohner des Elfgeschossers die Treppen nehmen. Für die Schwächsten war das eine Belastung.
Rudi Schneider nimmt die Treppen, weil in der Theodor-Storm-Straße 8 der Fahrstuhl saniert wird. Zwölf Tage lang mussten die Bewohner des Elfgeschossers die Treppen nehmen. Für die Schwächsten war das eine Belastung. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Genossenschaft lässt die Anlage komplett überholen. Das stellt einige Ältere vor große Probleme. Von Peggy Kompalla

Den Samstag sehnt Christel Buse herbei. Dann wird ihr Alltag wieder unbeschwerter, und sie kann problemlos mit ihrem Hund Melli Gassi gehen. Die Seniorin wohnt in der zehnten Etage des Hochhauses in der Theodor-Storm-Straße 8. Nach einer schweren Erkrankung im vergangenen Jahr hat sie sich ins Leben zurückgekämpft. Doch ihre rechte Körperseite ist immer noch schwach. Sie benötigt einen Rollator. Während der vergangenen Tage musste sie auf diese Stütze verzichten. Er blieb im Erdgeschoss. Christel Buse hat ihn dort an den Heizungsrohren angeschlossen. „Normalerweise habe ich den Rollator in der Wohnung“, sagt sie. „Aber jetzt muss es irgendwie ohne ihn gehen.“ Sie stützt sich an Wänden und Schränken ab. Mit Lebensmitteln hatte sie sich zuvor ausreichend eingedeckt, als der Fahrstuhl noch in Betrieb war.

 In Sachsendorf stehen acht baugleiche Hochhäuser wie dieses in der Theodor-Storm-Straße 8.
In Sachsendorf stehen acht baugleiche Hochhäuser wie dieses in der Theodor-Storm-Straße 8. FOTO: LR / René Wappler

Beliebtes Hochhaus

 Christel Buse hat ihren Rollator im Erdgeschoss an die Heizung angeschlossen.
Christel Buse hat ihren Rollator im Erdgeschoss an die Heizung angeschlossen. FOTO: Peggy Kompalla

Die rot-blauen Hochhäuser mit den verglasten Balkonen gelten als Landmarke von Sachsendorf. Wohnungen stehen dort nicht lange frei. Das Areal ist gepflegt, genauso wie die Häuser selbst. Das Hochhaus an der Theodor-Storm-Straße 8 hat gerade einen neuen Fahrstuhl bekommen. Während des Einbaus mussten die Bewohner die Treppen nehmen. Die Mehrzahl konnte sich damit arrangieren, wie es sich die Genossenschaft eG Wohnen erhofft hatte. Aber für einige Ältere waren die zwölf Tage eine große Belastung.

Dem Hund zuliebe quält sie sich jeden Tag nach oben

Ihrer Shitsu-Hündin Melli zuliebe quälte sich Christel Buse trotz ihrer Beschwerden dreimal täglich von der zehnten Etage nach unten und wieder hinauf. Immer mit beiden Händen am Geländer. Wie lange das dauert? Sie winkt ab. „Melli wartet auf jedem Treppenabsatz auf mich“, erzählt die Seniorin. Wenn beide endlich unten waren, reichte die Kraft kaum für einen Spaziergang. Schließlich brauchte sie Reserven für den Rückweg.

„Runter ist es einfacher“

Rudi Schneider kennt Christel Buse gut. Der 88-Jährige hat zu den meisten Bewohnern einen guten Kontakt und kennt ihre Sorgen. Er selbst ist bei guter Gesundheit, auch wenn er auf dem Weg zu seiner Wohnung in der vierten Etage ins Schnaufen kommt. „Runter ist es einfacher“, scherzt er. Bei Christel Buse in der Zehnten erkundigt er sich nach dem Rechten. Aus Sicht beider Senioren hat sich die Genossenschaft nicht genug um die Belange der Schwächsten im Haus gekümmert. „Der Umgang mit uns ist katastrophal“, klagt Christel Buse. Drei Wochen vor Baubeginn habe sie einen Brief von der eG Wohnen erhalten. Das sei nicht ausreichend Zeit gewesen, um Arrangements mit ihrer Tochter zu treffen, die in Berlin lebe. Sie habe ihr Problem auch dem Haus-Ansprechpartner geschildert. Über die Antwort ist sie noch immer empört. „Ich solle Katzenstreu in einen Karton auf den Balkon stellen, damit der Hund dort gehen kann.“ Dem Vorschlag ist sie nicht gefolgt. Sie selbst kenne noch mindestens drei Ältere im Haus, die während der Bauzeit nicht aus ihren Wohnungen gekommen seien.

„Was haben die Leute für Erwartungen?“

Uwe Emmerling hört sich den Vorwurf an. Dem Genossenschaftsvorstand fällt es schwer, ruhig zu bleiben. Aus seiner Sicht hat die eG Wohnen alles in ihrer Macht Stehende getan. „Was haben die Leute für Erwartungen?“, fragt er und zählt auf: „Wir haben jeden einzelnen Haushalt angeschrieben und über die Arbeiten informiert. In allen Etagen wurden zusätzlich Aushänge angebracht und ein Betreuer hat persönliche Gespräche geführt.“ Es sei ausreichend Gelegenheit gewesen, dass sich Betroffene für die Bauzeit einen Pflegedienst organisieren. „Man muss sich doch auch mal auf solch eine Situation einrichten können“, sagt Emmerling.

Er fragt: „Was wäre denn die Alternative?“ Er gibt selbst die Antwort: „Wir hätten auch nichts machen können, bis ein Bauteil ausfällt. Dann hätte eine Reparatur viel länger gedauert.“ Nach 20 Jahren habe der Fahrstuhl seine Lebensdauer erreicht. Vom 11. bis 22. Februar wurden wesentliche Bauteile wie Antrieb, Steuerung und Getriebe ersetzt. „Das dauert seine Zeit. Wir fassen dafür unheimlich viel Geld an. Das machen wir für die Mieter.“

Die Genossenschaft plant 2019 und 2020 nach eigenen Angaben die Generalüberholung von zehn Aufzügen. Den Bewohnern der Theodor-Storm-Straße 8 stellt sie für den folgenden Monat eine Mietminderung in Aussicht.