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| 17:31 Uhr

Aus dem Gericht
Elf Jahre Knast für Räuber von Kolkwitz

Das Fluchtauto der Bankräuber hatte die Polizei in einem Wald nahe der A 15 gefunden.
Das Fluchtauto der Bankräuber hatte die Polizei in einem Wald nahe der A 15 gefunden. FOTO: ABIX/Steffen Tzscheuschner
Kolkwitz/Weiden. Urteil in Weiden: Drei Banküberfälle gehen aufs Konto des Tschechen und seines Komplizen. Von Daniel Schauff

Filmreif: Zwei Männer stürmen in die Kolkwitzer Sparkasse, bedrohen die Angestellten, erbeuten Bargeld und fliehen in einer Luxuskarosse. Verletzt wird niemand, Kunden sind zu der Zeit nicht mehr in der Filiale. Es ist 16 Uhr an einem Mittwochnachmittag. Von 20 000 Euro Beute ist die Rede.

Die Polizei nimmt die Verfolgung auf, die Männer aber entkommen, obwohl die Polizei sogar mit einem Hubschrauber nach den Flüchtigen sucht. Einen Blickkontakt, erinnert sich Tino Glaser, damals Leiter der Polizeidirektion Cottbus/Spree-Neiße, gab es kurz.

Die Spur verliert sich allerdings bald. Das Fluchtauto lassen die Räuber in Simmersdorf (Spree-Neiße) zurück, nachdem sie sich in einem Wald festgefahren haben. Den Hinweis bekommt die Polizei am Tag danach von einem Jagdpächter.

Zuvor waren die Männer im sächsischen Großenhain (Kreis Meißen) beim Versuch eines Überfalls gescheitert, schlagen nach der Tat in Kolkwitz noch einmal im oberpfälzischen Tännesberg zu. Für einen der Räuber ist dort drei Jahre später vorerst Endstation.

Vor dem Langericht in Weiden (Oberpfalz) ist der Tscheche diese Woche verurteilt worden, fast drei Jahre nach der Tat vom 17. Juni 2015. Elf Jahre hinter Gittern stehen ihm bevor. Das bestätigt am Freitag Gerichtssprecher Markus Fillinger. Alle Taten, die die Staatsanwaltschaft dem Tschechen in Weiden vorgeworfen habe, habe der Mann gestanden, sagt Fillinger weiter.

Gehofft hatte der Täter offenbar auf eine weit mildere Strafe: Seine Verteidigung hatte die Unterbringung in einer Drogen-Entzugsklinik beantragt. Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann 13 Jahre in Haft schicken – zwei Jahre weniger als bei der Höchststrafe für schwere räuberische Erpressung. In Kolkwitz hatte der Mann während des Banküberfalls eine Waffe getragen, zum Einsatz war die allerdings nicht gekommen.

Zu Ende ist der Fall noch nicht – zwar haben die Ermittler den Haupttäter gefasst, das Gericht hat ihn verurteilt, sein Komplize hat die Weidener Anklagebank aber noch nicht gesehen. Die Auslieferung nach Deutschland läuft nach Auskunft des Gerichts allerdings bereits. Auch ihm wird der Prozess gemacht werden.

Dass es überhaupt zum Prozess kommen konnte, liegt vor allem an der Zusammenarbeit gleich mehrerer Polizeiinspektionen und Staatsanwaltschaften – die Ermittlungen haben sich über Sachsen und Brandenburg bis hin nach Bayern und Tschechien gezogen. Dort hatten die Männer offenbar bereits einiges mit der Polizei zu tun: ein Blitzerfoto und die Aufnahmen von Überwachungskameras lieferten den Ermittlern die Namen der Täter. In Tschechien hatten sie den Luxus-Wagen gestohlen, ihn mit einem Rosenheimer Kennzeichen ausgestattet, um auf Beutezug durch Süd- und Ostdeutschland zu gehen.

Ihr Fehler: Die Täter ließen nicht nur den Wagen in Simmersdorf zurück, sie hinterließen auch ausreichend DNA-Spuren im Fahrzeug. Die Beamten der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße sicherten die Spuren, die vor allem am Landgericht Überzeugungsarbeit geleistet hatten und dem Angeklagten offenbar kaum einen anderen Ausweg als den eines Geständnisses ließ. Inwiefern die in Simmersdorf gesicherten Spuren auch im Fall des zweiten Täters eine Rolle spielen werden, ist unklar. Wann gegen ihn der Prozess eröffnet wird, steht noch nicht fest. Auch das in Kolkwitz erbeutete Geld scheint futsch – ausgegeben oder nicht; nicht auf alle Fragen lieferte der Prozess vor dem Landgericht im bayrischen Weiden eine Antwort.