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Elektroautos spielen in Cottbus kaum eine Rolle

Am Cottbuser Autohaus Genge hing gestern ein Nissan Leaf an der Ladestation für Elektroautos.
Am Cottbuser Autohaus Genge hing gestern ein Nissan Leaf an der Ladestation für Elektroautos. FOTO: Stephan Meyer
Cottbus. Die Einführung des Umweltbonus für den Kauf von Elektroautos hat nicht zu einer erhöhten Nachfrage geführt. Auch in Cottbus spielt Elektromobilität kaum eine Rolle. Die geringen Reichweiten der Fahrzeuge und der schlechte Ausbau an Ladestationen schrecken die Kunden ab. Stephan Meyer / Quelle: www.deutschland-machts-effizient.de

Seit Ende Juni fördert die Bundesregierung mit einem Umweltbonus den Erwerb von elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Damit hat sie sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Luft zu leisten. Ein Umweltbonus von 4000 Euro ist anscheinend jedoch nicht Anreiz genug. Nach drei Monaten ist die bisherige Bilanz mit 4451 Förderanträgen bescheiden. In Brandenburg wurden lediglich 73 Elektroautos mit Hilfe des Umweltbonus erworben.

Auch in Cottbus ist nach Auskunft der Stadtverwaltung keine spürbare Veränderung zu verzeichnen. Aktuell sind nur 24 Elektrofahrzeuge zugelassen. Laut John Müller vom Autohaus Wernecke werden Elektroautos in der Region gar nicht nachgefragt. In Ballungszentren wie Berlin sei die Nachfrage größer. Ähnliche Erfahrungen hat auch Julian Tatan vom Autohaus Knott gemacht. "Wir haben in zwei Jahren nur ein Elektroauto verkauft. Viele Kunden schreckt die geringe Reichweite der Autos ab." Andreas Schmidt sieht den Grund für die geringe Nachfrage im schlechten Ausbau der Ladestationen. Einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. zu Folge gibt es in Brandenburg 51 öffentlich zugängliche Ladepunkte. In Cottbus sind es insgesamt fünf. Darüber hinaus gibt es noch weitere, die jedoch nur für bestimmte Nutzergruppen zugelassen sind, wie dem BTU-Campus, der Innenhof des Rathauses oder das Parkhaus der Stadtwerke. Oft ist das Laden jedoch mit Herausforderungen verbunden. Nicht alle Ladestationen sind rund um die Uhr nutzbar und es gibt unterschiedliche Ladeanschlüsse. Vom Vorteil ist jedoch, dass meist kostenfrei geladen werden darf, weil nur die wenigsten Ladestationen von Energieversorgungskonzernen betrieben werden. Nur sie dürfen Strom verkaufen. Auch im Autohaus von René Genge dürfen Fahrer von Elektroautos kostenlos ihr Fahrzeug laden, jedoch nur während der Geschäftszeiten. Er sieht die Stromkonzerne in der Pflicht, für mehr Ladestationen zu sorgen. Seit mittlerweile fünf Jahren verkauft Genge elektrisch betrieben Fahrzeuge. "Wir waren die ersten, die in einem Umkreis von 200 Kilometern Elektroautos verkauft haben." Mehr als 40 Kunden haben bereits bei ihm jene umweltschonenden Pkw erworben. "Die Kunden kommen aus Berlin, Potsdam, von überall her" so Genge. Wer einmal ein Elektrowagen kauft, bleibe dabei. Für ihn ist die mediale Berichterstattung mitverantwortlich für die deutschlandweite geringe Nachfrage nach Elektroautos.

Die oft gestellte Frage nach der Ladedauer eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs sei die falsche. Wichtiger sei es zu wissen, was das Auto leisten könne. Die Qualitätsunterschiede auf dem Markt sind erheblich. Die Ladedauer eines E-Autos hängt von der Ladekapazität der Batterie und der Ladetechnik ab. Bei 230 Volt bewegt sich die Ladedauer zwischen sechs und acht Stunden. Wird das Auto mit 400 Volt geladen, kann man bereits nach etwa einer Stunde wieder losfahren. Durch vorausschauendes Fahren könne man laut Genge die angegebene Reichweite eines E-Autos überschreiten.

Zum Thema:
Heute gibt es in Deutschland rund 5800 öffentlich zugängliche Steckdosen für E-Mobile, so genannte Ladepunkte. Allen voran in Berlin mit 433 Ladepunkten, darauf folgen Stuttgart mit 370 und Hamburg mit 203. Doch für eine elektrische Zukunft auf den Straßen im Land reicht das nicht. Damit Strom tanken bundesweit an immer mehr Stromtankstellen möglich wird, nimmt der Staat auch dafür gezielt Geld in die Hand. Von 2017 bis 2020 soll die Ladeinfrastruktur mit 300 Millionen Euro ausgebaut werden. Das passt zu einer neuen Regelung, der sogenannten Ladesäulenverordnung, die seit März in Kraft ist. Elektrisches Tanken soll nämlich auch in der Handhabung einfacher werden. Dafür schreibt die Verordnung vor, dass alle neuen Stromtankstellen in Deutschland mit EU-weit einheitlichen Steckern ausgestattet sein müssen. Noch unterscheiden sich diese von Hersteller zu Hersteller. Zugänge sind teils nur per Kundenkarte möglich, und komplizierte Abrechnungen machen es Stromtankern schwer. Quelle: www.deutschland-machts-effizient.de