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Elefant an der Tankstelle sorgt für Diskussion in Cottbus

Maya beim Ausflug an die Cottbuser Jet-Tankstelle. Kassiererin Petra Schneider staunte nicht schlecht über diesen ungewöhnlichen Zapfsäulen-Besuch.
Maya beim Ausflug an die Cottbuser Jet-Tankstelle. Kassiererin Petra Schneider staunte nicht schlecht über diesen ungewöhnlichen Zapfsäulen-Besuch. FOTO: zvg/Petra Schneider
Cottbus. Der Anblick hat was: Ein Elefant marschiert gelassen über das Gelände der Jet-Tankstelle in Sachsendorf, senkt seinen Rüssel in einige bereitstehende Wascheimer und lässt sich von neugierigen Passanten bestaunen. Wenige Minuten später tauchen die ersten Handyfotos im Netz auf, auch lr-online berichtet. A. Hilscher

Tausende von Klicks, amüsierte bis empörte Kommentare von Internetnutzern - die Elefantendame an der Tankstelle ist in aller Munde.

Hardy Scholl ist Besitzer der Dickhäuterdame und er weiß, dass er für Aufruhr sorgt, wo immer er mit seiner Maya auftaucht. "Aber sie ist an unsere Spaziergänge gewöhnt, braucht diesen Auslauf und die Abwechslung." Hardy Scholl campiert mit dem "Circus Busch" noch bis zum 6. November in Cottbus. Eigentlich sollte das Zirkuszelt auf dem Festplatz in der Innenstadt aufgestellt werden. Dort aber ist der Boden zu hart und zu sandig für die Tiere des Ensembles. "Deshalb haben wir uns für die Wiese gegenüber der Tankstelle entschieden", so der Tiertrainer. "Hier haben Maya und unsere Kamele frisches Gras und ein paar Bäume, da geht es ihnen besser."

Trotzdem werde seinem Liebling schnell langweilig, darum nutzt er bei schönem Wetter jede Gelegenheit für Ausflüge. "Ich zeige ihr Parks, gehe im Sommer mit ihr baden. Sie freut sich, wenn wir Menschen treffen und sie gestreichelt oder gefüttert wird."

Im Zirkus hat Maya, inzwischen stolze 36 Jahre alt, keine große eigene Nummer. Sie lässt sich von den Zirkusbesuchern mit Brot füttern, spielt ein bisschen Fußball und lässt sich schlicht in ihrer Schönheit bestaunen. "Das gefällt den Zuschauern besser, als wenn sie einen Handstand machen würde", ist Hardy Scholl überzeugt.

Maya ist in Gefangenschaft aufgewachsen. Bis vor einigen Monaten lebte sie zusammen mit ihrer Gefährtin Nanda. Anfang Juni mussten die Brüder Scholl, die den Zirkus in siebter Generation betreiben, die Elefantenkuh in den Zoo nach Karlsruhe geben. Nanda sieht schlecht und kann nicht mehr auftreten. "Ich habe mir verschiedene Zoos angesehen und mich für Karlsruhe entschieden, weil sich die Pfleger dort mit den Elefanten beschäftigten", sagt Hardy Scholl. In der strukturierten Umgebung des Zoos kann Nanda sich zurechtfinden, ohne auf ihre Augen angewiesen zu sein. Maya aber sei an Abwechslung, an Auslauf und an den engen Kontakt zu Menschen gewöhnt, sie würde sich in einem Zoo eingeengt fühlen", sagt Hardy Scholl. Zu diesem Ergebnis seien auch der Karlsruher Zoodirektor und verschiedene Veterinäre gekommen.

Denn: Maya dürfte eigentlich nicht länger im Zirkus leben. Laut einer Leitlinie des Bundesagrarministeriums für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben dürfen weibliche Elefanten nicht einzeln gehalten werden. Die Tierrechtsorganisation Peta hat deswegen bei einem Berliner Veterinäramt Anzeige erstattet. Seitdem ist Hardy Scholl darauf angewiesen, dass die zuständigen Ämter ihm eine Ausnahmegenehmigung für die Haltung der Elefantendame geben. "Die aktuelle Genehmigung läuft bis nach Weihnachten", sagt der Tiertrainer. Danach müsse man weitersehen. Falls er Maya nicht behalten darf, würde er versuchen, sie nach Karlsruhe zu Nanda zu bringen. "Dort hat sie zwar nicht mehr ihren gewohnten Freiraum, aber wenigsten kennt sie Nanda." Bis es soweit ist, genießt der Zirkusmann die Ausflüge mit seinem Liebling. "Wenn schönes Wetter ist, werden uns auch die Cottbuser noch häufig sehen", verspricht er.

Gudrun Schlüter vom Tierschutzverein Cottbus sieht die Spaziergänge der Elefantendame kritisch. "Bei uns haben sich viele Cottbuser deswegen gemeldet. Das ist nicht artgerecht. Das gilt generell für die Haltung von Elefanten oder Löwen in Zirkussen, hier müsste es gesetzliche Verbote geben."