Die Neugier war groß, sogar mehrere Besucherplätze im Sitzungsraum des Stadthauses waren besetzt - und das an einem Dienstagnachmittag. Der Sonderwirtschaftsausschuss hatte nur einen einzigen Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil: Information zum aktuellen Stand zweiter Bauabschnitt Blechen-Carré. Doch die Stadtverordneten und Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) warteten vergeblich. Stattdessen hatte das Rathaus am Donnerstag ein Schreiben des Investors erreicht. Die E-Mail liegt der Redaktion vor.

Darin schreibt Geschäftsführer René Becker: "…bis zum Vorliegen der Finanzierungszusage für den 2. Bauabschnitt werden wir keinerlei Erklärungen und Stellungnahmen mehr abgeben. Wir werden ebenfalls bis dahin an keinen Sondersitzungen, Ausschüssen oder sonstigen Diskussionsrunden teilnehmen."

Angesichts dessen erklärte der Ausschussvorsitzende Werner Schaaf (SPD): "Ich habe kein Vertrauen zu einem Unternehmen, das sich den Stadtverordneten verweigert, obwohl wir es schriftlich vereinbart haben." Und weiter: "Der Vertrag ist damit von einer Seite gebrochen." Die Fraktionen müssten sich nun damit befassen und entscheiden, "wie wir weiterverfahren".

Bei seinem Vorwurf beruft sich Werner Schaaf auf die gemeinsame Erklärung der Stadt Cottbus und der EKZ Stadtpromenade GmbH. Sie war Ende Juli eilig verfasst und unterzeichnet worden. Sie liegt der Redaktion vor. Damit gewährt die Stadt dem Blechen-Carré-Investor einen erneuten Aufschub für die Finanzierung des Anbaus bis zum 31. Dezember 2013. Als Gegenleistung verpflichtet sich die EKZ GmbH unter anderem, monatlich über den Stand der Verhandlungen zu berichten - schriftlich, aber auch mündlich vor den Stadtverordneten. Denn sie hatten dem Aufschub nur zähneknirschend zugestimmt.

Dagegen blieb der Oberbürgermeister auch am Dienstag ruhig. Er verwies lediglich darauf, dass es Gespräche mit dem Investor gegeben habe. "Sobald belastbare Informationen vorliegen, kommt die EKZ GmbH unaufgefordert auf die Stadt zu", erklärte Szymanski.

Der Investor hat die Stadt Cottbus bereits mehrfach auf die Probe gestellt. So hatte das Unternehmen der Stadt in einem Schreiben vom 24. Juli 2013 offen damit gedroht, das Baugrundstück in der Stadtpromenade auf Jahrzehnte hin vergammeln zu lassen, wenn der Aufschub nicht gewährt werden sollte. Auch das Papier liegt der Redaktion vor. Die Liste der Eröffnungstermine für den Anbau ist lang geworden: Ostern 2012, Oktober 2012, Oktober 2013, Frühjahr 2014, Herbst 2014 und zuletzt Frühjahr 2015.

Der zweite Bauabschnitt umfasst nach bisherigen Plänen eine Fläche von rund 6500 Quadratmetern. Die Kosten für die Erweiterung belaufen sich nach früheren Angaben der Bauherren auf rund 18,5 Millionen Euro. Sollte die Finanzierung zum Ende des Jahres nicht stehen, kann die Stadt ab dem 1. Januar 2014 einen Aufhebungsbeschluss in Gang setzen.