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| 16:28 Uhr

Jubiläum
100 Jahre und noch Dampf im Kessel

100 Jahre Brigadelok 99 001 FOTO:
Cottbus. Großes Eisenbahnfest mit Dampflokparade und Oldtimern beim Festwochenende der Cottbuser Parkeisenbahn Von Michael Helbig

Mit einem großen Fest und viel Dampf unter den Kesseln feierte die Cottbuser Parkeisenbahn am Wochenende das 100-jährige Jubiläum ihrer Brigadelok 99001. Dabei waren auch dampfende baugleiche Maschinen u.a. aus Weißwasser und Berlin. Alle haben ähnlich viele Jahre auf dem Kessel wie die Cottbuser Geburtstags-Lok.

Frisch gewienert schnaufte sie am Samstagmorgen aus dem Depot auf das Gleis am Bahnhof Sandower Dreieck und wurde von der ersten Minute an von den zahlreichen Gästen des Parkeisenbahn-Festes bestaunt. Karsten Wießner, Lokführer und Ausbilder der Cottbuser Parkeisenbahn wurde die Ehre zuteil, an diesem Tag die 100-Jährige auf den 3,2 Kilometer langen Rundkurs zwischen den Bahnhöfen Sandower Dreieck und Park & Schloss Branitz zu fahren. Und ganz wie es sich gehört mit weißen Handschuhen. „Die Eisenbahn war die Verkehrsrevolution des vorherigen Jahrhunderts. Da war es üblich, dass der Lokführer in Frack, Zylinder und mit weißen Handschuhen im Führerstand der Dampflokomotive stand“, erzählte er, während er dem noch etwas schüchternen Max (8) die Funktionsweise der einzelnen Rädchen und Hebel im Führerstand der betagten Jubilarin erklärte. „Soweit treiben wir es heute nicht, aber dafür tragen wir heute stolz die Uniformen der Deutschen Reichsbahn, denn so haben wir ja auch als Pioniereisenbahner angefangen“, fügte er hinzu.

Bevor die Dampflokparade mit der Cottbuser Brigadelok und ihren Gästen über die Gleise schnaufte und ab 13 Uhr den Regelbetrieb mit zahlreichen Fahrgästen aufnahm, gab es noch einen Festakt, der musikalisch vom Duo Harmonie (Anke Wingrich und Ulrike Burkert) und David Oistrachs Lieblingsstück „Ledair - Presto“ eingeleitet wurde. Dennis Kettlitz, der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Cottbuser Parkeisenbahn e.V. erinnerte daran, dass die Cottbuser Brigadedampflok kurz nach Ende des 1. Weltkrieges als Heeresfeldbahn ausgeliefert worden war und im Krieg nicht mehr zum Einsatz kam. Somit sei die Cottbuser Brigadedampflok nur im Frieden gefahren, und er hoffe, dass dies noch lange so bleiben möge. Und mit einem Schmunzeln erinnerte er auch daran, dass die Cottbuser Pioniereisenbahn zu ihrer Gründung im Jahr 1954 nur 200 Meter weit fahren konnte, da die Gleise damals nicht rechtzeitig fertig geworden waren.

Der Beigeordnete und Leiter des Geschäftsbereiches Finanz- und Verwaltungsmanagement Dr. Markus Niggemann appellierte mit Blick auf die rund 40000 Fahrgäste des vergangenen Jahres an die Besucher des Festes, oft wieder zu kommen, damit die Bahn noch lange fahren könne. Die Cottbuser Parkeisenbahn sei einzigartig im Land Brandenburg, und als Kämmerer der Stadt Cottbus sage er, dass sich die Stadt auch weiterhin die Parkeisenbahn leisten werde und den Zuschuss von derzeit 150 000 Euro jährlich auf 165 000 Euro erhöhen werde. Die Parkeisenbahn brauche das Geld dringend, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Immerhin hätten seit ihrer Gründung im Jahr 1954 2000 Kinder und Jugendliche eine einzigartige Eisenbahn-Schulung durchlaufen.

Zum Jubiläum schnitten  Fördervereinschef Denis Kettlitz und Cottbusverkehr-Geschäftsführer Ralf Thalmann mit Politikern die Geburtstagstorte an.
Zum Jubiläum schnitten Fördervereinschef Denis Kettlitz und Cottbusverkehr-Geschäftsführer Ralf Thalmann mit Politikern die Geburtstagstorte an. FOTO: Michael Helbig

Nachdem die riesige Geburtstagstorte mit dem Schriftzug „Allzeit gute Fahrt – 100 Jahre unter Dampf“ zu den Klängen des Fanfarenzuges Großräschen und Konfettiregen durch Dennis Kettlitz, den Geschäftsführer von Cottbus Verkehr und Betreiber der Parkeisenbahn Ralf Thalmann sowie Politiker aus Stadt, Land und Bund angeschnitten worden war, begab sich die Brigadedampflok „99 001“ mit ihren Gastloks auf die Strecke.

Zu den Bewunderern zählte auch Georg Brendel aus Cottbus: „Ich bin schon immer Eisenbahnfreund und habe die Entwicklung der Cottbuser Parkeisenbahn verfolgt und bin gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird“, erzählte er, während er seinen Aussichtsplatz auf einer Hebebühne auf die Dampflokparade und die zahlreichen Oldtimer der Branitzer Trecker-Freunde genoss. „Und ich hoffe, dass es mit Hilfe von Sponsoren vielleicht eines Tages gelingen wird, die Parkeisenbahn bis zum Cottbuser Ostsee zu verlegen.“ Das wünscht sich auch Ulrich Buder. „Ich würde die Gleise bis zur Marina am Ostsee verlegen. Die Spreewaldtrasse gibt es ja schon. Der Ostsee liegt mir sehr am Herzen. Neben dem FC Energie Cottbus ist er das wichtigste Projekt in der Region. Schließlich wird es mal der größte künstliche See Deutschlands sein.“

100 Jahre Brigadelok 99 001 FOTO: