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Einziehen, umschauen, wohlfühlen

Aufmerksam registriert das Silberäffchen jede Bewegung in seiner Umgebung. Es ernährt sich von Früchten, Insekten und Baumsaft.
Aufmerksam registriert das Silberäffchen jede Bewegung in seiner Umgebung. Es ernährt sich von Früchten, Insekten und Baumsaft. FOTO: mih1
Cottbus. Sie sind erstaunlich klein, unglaublich flink und offenbar ebenso scheu wie neugierig: Vor wenigen Tagen sind die beiden Silberäffchen Emilio und Silvana im Tierpark eingetroffen und haben als erste Bewohner das frisch sanierte Hexenhaus bezogen. Dort, wo jetzt die eichhörnchengroßen Tiere wohnen, hatten früher der Tierparkdirektor und seine Sekretärin ihr Domizil. Andrea Hilscher

Das älteste im Tierpark erhaltene Gebäude wurde noch unter dem ersten Erhard Frommhold 1959/60 als neue Verwaltung erbaut. Nach der Wende wurde es zum Zuhause für Löwenäffchen und Lachende Hänse, wurde mit den Jahren immer baufälliger.

Tierparkchef Jens Kämmerling war daher froh, als sich zusammen mit der Handwerkskammer die Möglichkeit bot, das verfallene Hexenhaus zu einem Flüchtlingsprojekt zu machen. "Bei sehr frostigen Temperaturen haben acht junge Flüchtlinge hier ausgesprochen harte körperliche Arbeit geleistet", sagt Corina Reifenstein, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Cottbus. Sie erzählt von 70 für den Bau und das Außengehege geschälten Bäumen, von "bis in die Haarspitzen motivierten Flüchtlingen" und deren Freude, der Gesellschaft in Form des sanierten Hexenhauses etwas zurückgeben zu können.

Doch während die geladenen Gäste noch den Reden zur Einweihung des Hexenhauses lauschen, macht sich unter den Besuchern des Parks längst schon Unruhe breit: Wo bleiben sie denn nun, die neuen Bewohner? Frisch angereist aus Pilsen und Thüle, sollen Emilio und Silvana schließlich baldmöglichst den Grundstock für eine große Silberäffchen-Familie legen. Da will man natürlich wissen, wie die kleinen Äffchen aussehen.

Doch noch zögern sie offenbar, ihre behagliche Behausung zu verlassen. Verständlich: Böden und Fenster des Gebäudes sind neu, die installierte Heizung funktioniert tadellos, für ein ansprechendes Ambiente sorgen zahlreiche Äste und Klettermöglichkeiten. Kein Grund also, ins eher regnerische Außengehege zu huschen. Tierpfleger Ronny Jüttner lockt die beiden Silberäffchen mit Leckereien: fingerdicken lebenden Heuschrecken. Begeistert greifen die kleinen Äffchen zu, verspeisen die frischen Insekten mit Genuss und lassen sich dann herab, im Außengehege vor den Besuchern zu posieren und ihre Kletterkünste zu demonstrieren. Ronny Jüttner: "Sie sind noch etwas scheu, schlafen aber schon zusammen in ihrer Schlafhöhle."

Mit ihnen sind in Cottbus erstmals typische Vertreter der Marmosetten zu sehen. Tierparkchef Jens Kämmerling: "Marmosetten gehören neben den Tamarinen zu den eichhörnchengroßen, in Südamerika beheimateten Krallenaffen." Sie sind silbrig-weiß gezeichnet, haben einen dunklen Schwanz und stammen ursprünglich aus Tieflandregenwäldern südlich des Amazonas. Emilo und Silvana sind ein Geschenk der eG Wohnen aus den Erlösen des Charity-Laufes 2016. Jens Kämmerling: "Wir sind unglaublich froh über diese Unterstützung, können so wirklich einen guten Querschnitt der verschiedenen Affenarten zeigen." Eher unauffällig und dennoch wichtig für die künftige Entwicklung des Tierparks: Vor dem neu eröffneten Krallenaffenhaus kommen erstmals neue Beschilderungen zum Einsatz: Informationen über die Bewohner der einzelnen Gehege des Tierparks werden künftig auch in polnischer Sprache angeboten, um der wachsenden Zahl von Besuchern aus dem Nachbarland einen guten Service zu bieten.