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Schwerlasttransport mit Zentimeterarbeit
Einstiges Stasi-Flugzeug wird nach Cottbus gebracht

Nach monatelanger Vorbereitung verladen Flugzeug-Experten am Montag in Grünz  den Rumpf des ehemaligen Passagierflugzeugs vom Typ Tupolew 134 und wollen es ins Flugplatzmuseum nach Cottbus transportieren.
Nach monatelanger Vorbereitung verladen Flugzeug-Experten am Montag in Grünz den Rumpf des ehemaligen Passagierflugzeugs vom Typ Tupolew 134 und wollen es ins Flugplatzmuseum nach Cottbus transportieren. FOTO: Jens Büttner / dpa
Grünz/Cottbus . Wie bekommt man ein riesiges Flugzeug, das nicht mehr abheben kann, von Vorpommern nach Cottbus? Mit einem Schwerlastkran, speziellen Lastwagen und Autobahn-Teilsperrungen. Die Verladung des einstigen Stasi-Flugzeugs TU 134 hat geklappt. Von Winfried Wagner

Als die Spitze des Flugzeugrumpfes kurz runterfiel, ist mir fast das Herz stehengeblieben“, sagt Ernst Baumann. Der 80-jährige Gastwirt sitzt in seinem Garten in Grünz (Mecklenburg-Vorpommern), in dem 26 Jahre lang eine Tupolew 134 stand, die dem Dorf zu einiger Berühmtheit verhalf. Seit Montag ist das Geschichte.

In einer aufwendigen Aktion haben etwa 20 Flugzeug-Experten aus Cottbus über Monate das ehemalige Passagierflugzeug russischer Bauart in seine wichtigsten Teile zerlegt und verladen. Am Montagabend sollte der Schwertransport mit vier Lastwagen, für den Teile der Autobahnen 11 Berlin-Stettin und der Autobahn nach Cottbus gesperrt werden müssen, beginnen. Am Mittwoch wollen die Cottbusser das Flugzeug bei ihrem Museum abladen.

Da ist Präzisionsarbeit gefordert, um den Rumpf exakt auf den Transporter zu platzieren.
Da ist Präzisionsarbeit gefordert, um den Rumpf exakt auf den Transporter zu platzieren. FOTO: Jens Büttner / dpa

Allein die Umladung des mehr als 30 Meter langen Rumpfes war enorm kompliziert – und beinhaltete die Schrecksekunde für Baumann sowie den Leiter des Cottbusser Flugplatzmuseums, Enrico Peiler, und seine Helfer. „Es ist immer schwer, bei solchen Teilen den genauen Schwerpunkt zu berechnen“, sagt Marcel Süße, der Kranführer. Für den Rumpf wurde ein besonderer Rahmen gebaut, der etwa in der Mitte das zigarrenförmige Bauwerk hält. Etwa zweieinhalb Stunden dauerte allein die Bergung des Rumpfes aus dem Obst- und Gemüsegarten Baumanns.
Die riesige Passagiermaschine hatten die sowjetische Aeroflot und die Staatsmacht in Moskau ab 1984 der DDR-Staatssicherheit überlassen, die wenige Kilometer abseits von Grünz im Brandenburgischen Anti-Terroreinsätze trainierte. Das war 1990 vorbei. Gastwirt Baumann war damals auch Bürgermeister und holte die nicht mehr flugfähige Maschine mit Hilfe „von neun Traktoren über die Felder 1991 hierher.“

Baumann wollte in der TU 134 ein Café einrichten, hatte sich auch schon extra eine Gangway aus Finowfurt besorgt. Das Vorhaben war aber am Widerstand der Behörden gescheitert. „Es kamen viele Leute, die wollten immer Teile kaufen“, sagt Baumann, aber er habe es nur komplett abgeben wollen. Nun gab er die Tupolew schließlich aus Altersgründen an das Flugplatzmuseum in Cottbus ab.

„Es wird das Größte unser 47 Großexponate sein“, freut sich Peiler. Mit seinen 6,20 Metern Breite und seiner Höhe bleibt der Flugzeugrumpf aber für den Transport noch sein Sorgenkind. Wegen der Breite muss die Autobahn teilweise komplett gesperrt werden. Wegen der Länge wurde extra ein ausziehbarer und auch hinten lenkbarer Schwerlasttransporter angefordert. Und wegen geringer Brückenhöhen mussten in letzter Minute noch Teile der Antenne oben abmontiert werden. „Das wird eine Zentimeterarbeit“, sagt Peiler.

Die TU 134 wird für Reise nach Cottbus verladen FOTO: dpa