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| 19:29 Uhr

Streit um einst jüdische Grundstücke in Cottbus
Groß Gaglow soll Chefsache werden

Im Juni besuchte Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier Cottbus, neben ihm OB Holger Kelch (CDU). Am Dienstag kommt er zum zweiten Mal in diesem Jahr. Groß Gaglows Ortsvorsteher Dieter Schulz will die Gelegenheit nutzen, mit ihm zu sprechen – über das Schicksal von vier Grundstücksbesitzern, die womöglich ihr eigenes Zuhause verlieren werden.
Im Juni besuchte Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier Cottbus, neben ihm OB Holger Kelch (CDU). Am Dienstag kommt er zum zweiten Mal in diesem Jahr. Groß Gaglows Ortsvorsteher Dieter Schulz will die Gelegenheit nutzen, mit ihm zu sprechen – über das Schicksal von vier Grundstücksbesitzern, die womöglich ihr eigenes Zuhause verlieren werden. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Rückforderungen der Jewish Claims Conference: Ortsvorsteher Schulz hofft auf Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Von Daniel Schauff

Es ist ein aufregender Tag für Cottbus – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht die Stadt anlässlich seines diesjährigen Benefizkonzertes. Groß Gaglows Ortsvorsteher Dieter Schulz wird dort sein. Und er will mit Steinmeier reden – über seinen Stadtteil, über das Schicksal von vier Grundstücksbesitzern, die womöglich ihr eigenes Zuhause verlieren werden.

In vier Fällen fordert die Jewish Claims Conference (JCC), die sich um die Entschädigung der Hinterbliebenen jüdischer Opfer des Zweiten Weltkrieges kümmert, die Grundstücke zurück. Vor dem Krieg hatten sich jüdische Siedler dort niedergelassen, wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten vertrieben. Eine Grundstücksverwaltungsgesellschaft verkaufte die Grundstücke, in vier Fällen waren die Käufer Vorfahren der heutigen Bewohner.

Das Bundesvermögensgesetz erlaubt diesen Schritt. Das sei auch die Antwort gewesen, die er vom Finanzministerium in Berlin bekommen habe, sagt Dieter Schulz. Eigentlich hatte er seinen Brief an den Innenminister Horst Seehofer (CSU) adressiert, vom Innenministerium aber ist das Schreiben weitergeleitet worden. Eine Antwort vom Innenminister gab es für Schulz nicht. Unklar ist, ob Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine Antwort von Seehofer erhalten hat. Auch Woidke hatte sich in einem Brief an den Innenminister gewandt, gebeten, eine Lösung auf Bundesebene anzustreben. Das Gleiche fordert der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), das Gleiche fordert auch Schulz. Vor allem darum soll es in dem Gespräch mit Steinmeier am Dienstagabend gehen. Nur mit politischem Druck, so der Ortsvorsteher, könne den betroffenen Familien das Schicksal erspart bleiben. Als Lösung bleibt im Grunde nur die Gesetzesänderung, sagt Schulz. Unterstützung erhofft er sich nun auch von dem Präsidenten.

Die betroffenen Grundstücksbesitzer haben mittlerweile Klage gegen die Entscheidung des Bundesamts für offene Vermögensfragen eingereicht, sagt Schulz. Einer der Betroffenen, berichtet der Ortsvorsteher, sei gerade erst verstorben. Der Stress angesichts des drohenden Verlustes seines Grundstücks habe ohne Frage Anteil daran, dass seine Erkrankung massiver geworden sei.

Die Bitte der RUNDSCHAU um eine Stellungnahme an die JCC ist seit dem vergangenen Mittwoch unbeantwortet geblieben. Auch auf einen Brief aus Groß Gaglow habe es keine Rückmeldung gegeben, sagt Schulz.