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Einst ein fürstlicher Kaffegarten

Der Blick auf die damalige Dresdener Straße. Hinten sind der Spremberger Turm, die Oberkirche und der Turm auf dem Schlossberg zu erkennen.
Der Blick auf die damalige Dresdener Straße. Hinten sind der Spremberger Turm, die Oberkirche und der Turm auf dem Schlossberg zu erkennen. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von der Dresdener Straße 15, 16 und 17, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Dora Liersch / dli9

Dieses Teilstück der Dresdener Straße zwischen der Ecke zur Müllerstraße, Bellevue-straße, bis fast zur Mittelstraße kann man heute nur noch mit einer Drohne fotografieren. Damals, zum Anfang des 20. Jahrhunderts, stand noch relativ neu das Haus der Dresdener Straße 148/Ecke Marienstraße, aus dessen Fenster die Postkartenansicht fotografiert worden war. Aber auch die Straßennamen haben sich geändert. Heute sprechen wir auf diesem Straßenabschnitt von der Straße der Jugend, aus der Müllerstraße ist die Feigestraße, der Bellevuestraße ist die Bautzener Straße geworden und aus der Mittelstraße die Südstraße.

Das Gebäude an der Ecke zur Feigestraße ist erst nach 1990 umgebaut worden. Im Erdgeschoss wurde die Hausecke frei zugängig gemacht und der einst schlichte Hausgiebel fällt heute durch die Öffnung der Fenster im Dachgeschoss zu zwei Loggien auf. Bereits 1874 besaß der Bäckermeister Wilhelm Arnim dieses Grundstück und betrieb seine Bäckerei, eine von damals 35 in Cottbus. Im gleichen Jahr ließ der Bäckermeister sein Wohnhaus umbauen und dazu auch Waschhaus und Stall erneuern. Ein Jahr später erhielt das Wohnhaus sogar noch einen Anbau. Bäckermeister, oder Backwarenverkaufsstellen waren fast immer im Hause. Nach Wilhelm Arnim folgt der Bäckermeister Paul Domaschke (1909). Im Jahre 1940 sind zwar Domaschkes Erben die Hauseigentümer, doch Hubert Vogel betreibt die Bäckerei. Ferner werden noch eine Eisdiele und eine Wildhandlung angegeben. Die Geschäftsinhaber wechseln, viele Jahre ist nach 1945 Georg Decker mit seiner Schuhfabrikation unter dieser Adresse zu finden. 1998 gibt es eine Verkaufsstelle der Feinback GmbH, sowie eine Boutique in den Geschäftsräumen der Straße der Jugend 15.

Die Straße der Jugend Nummer 16 hat eine völlig andere Geschichte. Sie ist eigentlich ein Vereinshaus. Im Jahre 1830 wurde in Cottbus ein "Zweiter Geselliger Verein" gegründet. Es war ein gutbürgerlicher Verein. Natürlich gehörte auch ein eigenes Vereinshaus dazu. Der Maurermeister Friedrich Wilhelm Schneider und der Zimmermeister Carl Simon hatten 1833 das Haus erbaut. Es war ein zweigeschossiger Saalbau, umrahmt von eingeschossigen Gebäudeteilen. Im Jahre 1878 haben die Architekten Ewald Schulz aus Cottbus und Tietze aus Berlin einen zweigeschossigen Kopfbau den vorhandenen Gebäuden vorgesetzt und die Fassadengestaltung den vorhandenen Gebäuden angepasst. Zu dem Grundstück gehörte hinter den Gebäuden ein größerer Garten. Der Obergärtner des Fürsten von Pückler, Georg Bleyer, hatte die Gartengestaltung entworfen. Es war ein typischer Kaffeegarten mit Schatten spendenden Linden, die im Laufe der Jahrzehnte heranwuchsen. Einige Linden erinnern heute noch daran. Allerdings sind die hölzernen Veranden, die 1946 noch vorhanden waren, weiteren Umbauten an diesem Hause zum Opfer gefallen. Am 7. März 1951, die Kasino-Gesellschaft war 1945 untergegangen, wurde dieses Haus nach weiteren Umbauten als "Haus der Jugend" eingeweiht und das ist es auch heute noch, aber unter dem Namen "Glad-House" bekannt. Das große Gartengrundstück gibt es nicht mehr. Ein Teil davon war nach 1990 verkauft und darauf ein Schulgebäude (Technische Akademie Wuppertal e.V.) errichtet worden.

Nach dem Kreuzen der Bellevue- (Bautzener-) Straße kam und kommt man auf ein gärtnerisch gestaltetes längliches Dreieck. Hier war im August 1911 von der Stadt ein bescheidenes, dem Jugendstil angepasstes Häuschen als Obstwarenverkaufsstelle erbaut worden und dahinter befand sich ein kleiner Park. Davon haben sich einige Altbäume erhalten. An der Stelle, wo das Häuschen sich befand, liegt heute ein Gedenkstein für die im Straßenverkehr verunglückten Kinder.

An der Dresdener Straße, noch vor dem Abzweig der Mittel- (Süd-) Straße stand das Haus Dresdener Straße 17. Auf unserer alten Postkarte ist das Gebäude noch auf der rechten Seite zu sehen. Der Kaufmann Robert Wislaug ließ 1875 das Haus erbauen. Vermutlich hatte das Haus einen älteren, kleineren Vorgängerbau. Das Gebäude mit Erdgeschoss, erster und zweiter Etage war noch ganz dem Historismus entlehnt. Zur Nord- und der Südseite hatte es Eckgebäudefunktionen und schloss mit Erkern in der ersten und zweiten Etage ab. Im Jahre 1891 ließ der Kaufmann in seinem Hause zu seinem eigenen Laden noch eine Apotheke für den Apotheker Fritz Fiedler einrichten. Robert Wislaug verkaufte noch vor der Jahrhundertwende 1899 sein Haus, wohnte aber darin als Privatier und ein Drogist nutzte die ehemalige Apotheke. Vor dem Ersten Weltkrieg erwarb der Lebensmittelhändler Fritz Purschke das Gebäude und im Besitz der Familie war es auch noch 1940. Franz Purschke hatte in dem Jahre auch das Lebensmittelgeschäft, Gerhard Schuster war mit einem Eisenwarengeschäft präsent und Emst Scheibe betrieb einen Textil- und Modewarenladen. Zu dem Haus gehörte auch ein bewohnbares Seitengebäude. Bei dem Bombenangriff im Februar 1945 wurde das Haus zerstört, die Ruinenreste wurden abgerissen. Dafür wurde schon bald die nördlich Grünanlage mit einer Wiese und jungen Baumpflanzungen verlängert. Heute führt ein Weg über das ehemalige Grundstück der Dresdener Straße 17. Im Hintergrund auf einem Hügel stehen einige Bänke zum Ausruhen.

Alle Teile der Serie "Cottbus früher und heute" gibt es hier:

www.lr-online.de/

historischelausitz

Und so sieht der Platz heute aus.
Und so sieht der Platz heute aus. FOTO: Dora Liersch/dli1