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| 18:44 Uhr

Kulturgut
Einst berühmt und jetzt vergessen

Jens Pfeifer hat die Grabstätte der Familie Ruff auf dem Nordfriedhof bei einem Spaziergang entdeckt.
Jens Pfeifer hat die Grabstätte der Familie Ruff auf dem Nordfriedhof bei einem Spaziergang entdeckt. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Münzsammler wollen die Grabstätte eines berühmten Numismatikers vor dem Verfall bewahren. Von Andrea Hilscher

Wer mit aufmerksamen Augen durch die Stadt geht, der stößt überall auf den Namen Ruff: Seit dem 17. Jahrhundert war die Tuchmacher- und Schönfärberfamilie in Cottbus ansässig und hinterließ zahlreiche Spuren. So gehen etwa die Musen in der Rotunde des Staatstheaters auf Ruffsche Spenden zurück. Und jetzt? Ist ihr Name fast vergessen. Die Grabstätte der Familie ist völlig verwildert.

Der begeisterte Münzsammler Jens Pfeifer (67) stieß im vergangenen Jahr auf das einst opulente Familiengrab am Nordfriedhof. Acht Familienmitglieder haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Neben Juristen, Wissenschaftlern und Fabrikanten ist auch Hermann Clemens Hugo Ruff hier begraben. Besitzer einer Leinenwarenfabrik, Teilhaber eines Drahtziegelwerkes und langjähriges Mitglied des Cottbuser Magistrats. Was ihn für Jens Pfeifer besonders interessant macht: Ruff war seit 1885 Mitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropolgie und Altertumskunde, engagierte sich bis zu seinem Tod 1924 für das Museum in Cottbus. Zudem war Ruff leidenschaftlicher Numismatiker und legte eine bedeutende Münzsammlung an. „Leider musste er große Teile nach dem Ersten Weltkrieg veräußern“, erzählt Jens Pfeifer, der trotzdem voller Bewunderung von dem einstigen Sammler spricht.

„Jedenfalls kann es nicht sein, dass seine Ruhestätte so verkommt“, sagt er energisch. Da Pfeifer als Gründer und Leiter der „Cottbuser Münzfreunde“ Kontakt zu mehr als einem Dutzend Mitstreiter pflegt, fand er rasch Gleichgesinnte. Münzsammler Jürgen Bittner (73): „Wenn man selber älter wird, setzt man sich mit dem Tod auseinander. Und wer möchte schon, dass seine Grabstelle so aussieht wie die der Familie Ruff?“

Die Vereinsmitglieder sind sich einig, dass sie die Cottbuser Friedhofsverwaltung bei der Grabpflege unterstützen wollen. In einem ersten Schritt sollen vertrocknete Äste entfernt, Büsche und Hecken der zwölf mal sechs Meter großen Grabstelle zurückgeschnitten werden. Später sollen auch die acht Grabplatten, die derzeit schief und überwuchert im Unkraut liegen, wieder ordentlich gebettet werden.

Für die Reinigung der Inschriften empfiehlt Diane Ziesche, Leiterin der Friedhofsverwaltung, lauwarmes Wasser und eine Wurzelbürste. „Das klappt wunderbar, dann ist alles wieder frisch und gut lesbar.“ Sie ist froh und dankbar über das Engagement der Münzsammler. „Auf unseren Friedhöfen schlummert sehr viel Kulturgut, dass es wert ist, erhalten und für die Nachwelt bewahrt zu werden.“

Sie selbst bedauere es sehr, dass auf dem 1870 gegründeten und 1892 erweiterten Nordfriedhof bei der Erneuerung der Außenmauer zahlreiche Grabstätten eingeebnet wurden. „Mit ihnen gingen leider viele Zeugnisse der Stadtgeschichte unwiederbringlich verloren.“

Auf dem rund 8,2 Hektar großen Nordfriedhof werden mehrere Areale nicht mehr für die Belegung mit Gräbern freigegeben, aktuell gibt es hier durchschnittlich nur noch 255 Beisetzungen jährlich (zum Vergleich: Auf dem Südfriedhof sind es 630). Die nicht mehr neu zu vergebenden Flächen auf dem Nordfriedhof werden künftig als parkähnlicher Flächen angesehen. Dazu gehört auch das Umfeld des Ruff´schen Familiengrabes.

Völlig versteckt: Die letzte Ruhestätte des früheren Stadtrates Hermann Clemens Hugo Ruff.
Völlig versteckt: Die letzte Ruhestätte des früheren Stadtrates Hermann Clemens Hugo Ruff. FOTO: LR / Hilscher Andrea