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| 16:49 Uhr

Denkmal
Einmaliger Fund in der Innenstadt

Der einzigartige mittelalterliche Brennofen wurden bei Bauarbeiten in der Innenstadt entdeckt.
Der einzigartige mittelalterliche Brennofen wurden bei Bauarbeiten in der Innenstadt entdeckt. FOTO: Landesamt für Denkmalschutz
Cottbus. Archäologen entdecken einen mittelalterlichen Ziegelofen. Er wird in den nächsten Tagen zerstört. Ein Wiederaufbau wäre zu teuer.

Markus Agthe ist anzusehen, dass er zwischen Freude, Stolz und Bedauern schwankt: Freuen kann sich der Mitarbeiter des brandenburgischen Landesdenkmalamtes über einen offenbar einzigartigen Fund: Bei Bauarbeiten in der Cottbuser Innenstadt haben Archäologen bei der baubegleitenden Untersuchung einen Ziegelbrennofen entdeckt, der in dieser Vollständigkeit offenbar in Deutschland noch nie freigelegt werden konnte. Auf der Baustelle „Wohnen am Spreeufer“ am Wichernhaus in der Mühlenstraße können sich interessierte Schaulustige den Fund mit etwas Glück noch einige wenige Tage anschauen. Denn, und das ist der Grund für Markus Agthes Bedauern: Der Mittelalterfund wird nicht erhalten. „Wir haben Fotos, dreidimensionale Laserscans, Skizzen und einen Film angefertigt, um den Bau für die Wissenschaft zu dokumentieren“, so der Denkmalpfleger. „Die Kosten, den Ofen abzutragen und an anderer Stelle wieder aufzubauen, wären allerdings enorm.“ Auch den Zeitverzug, den eine solche Maßnahme bedeuten würde, könne man dem Bauherren nicht zumuten.

Bei dem Fund handelt es sich um einen außerordentlich gut erhaltenen Teil eines mittelalterlichen Ziegelbrennofens aus dem 14. oder 15.

Jahrhundert. Ungewöhnlich ist die Lage innerhalb der mittelalterlichen Stadt – wegen der akuten Brandgefahr wurden solche Öfen üblicherweise außerhalb von Siedlungen errichtet. Markus Agthe: „Vielleicht war die nahe gelegene Stadtmauer zerstört und man wollte kurzer Wege vom Brennofen bis zur damaligen Baustelle.“

Der aus Stampflehm und ungebrannten Ziegeln errichtete Bau hat einen Feuerungs- und Brennraum von fünf mal 3,4 Metern Ausdehnung. Die Wände sind bis zu 1,6 Metern Höhe in originaler Substanz erhalten, ebenso der Boden mit den Lüftungskanälen. Ausbesserungen mit Lehm im Brennraum lassen auf eine mehrmalige Verwendung schließen.  Die Beschickung und Belüftung erfolgte über drei gotische Spitzbogenöffnungen in der Ostwand der Anlage. In dem Ofen wurden in einem mehrere Tage andauernden Brennprozess Backsteine hergestellt. Allein das Anheizen auf bis zu 1000 Grad dauerte eine Woche, danach musste kontinuierlich Tag und Nacht das Holzfeuer in Gang gehalten werden und anschließend der Ofen langsam abkühlen. Erst danach konnte man die Ziegel entnehmen, die im Mittelalter ein kostbares Gut darstellten. Der Standort des Ziegelbrennofens unmittelbar an der mittelalterlichen Stadtmauer lässt einen Zusammenhang vermuten. Der Bau dieser Mauer begann in Cottbus vermutlich im 13. Jahrhundert. 1429 wurde sie bei einem kriegerischen Angriff durch die Hussiten beschädigt. Eine Ausbesserung erfolgte zeitnah – eventuell wurde der entdeckte Ofen zu genau diesem Zweck gebaut und betrieben. Erkenntnisse darüber erhoffen sich die Experten in den kommenden Monaten.

(hil)