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Einmal Überschlag, bitte!

Benjamin Böhm von der Verkehrswacht sorgt für die Rundfahrt der Insassen. Der Simulator soll von Cottbus aus im ganzen Land in den Einsatz gehen. Spendiert wurde es vom Land. Ähnliche Geräte gibt es nur bei der Polizeischule in Oranienburg und der Feuerwehrschule in Eisenhüttenstadt.
Benjamin Böhm von der Verkehrswacht sorgt für die Rundfahrt der Insassen. Der Simulator soll von Cottbus aus im ganzen Land in den Einsatz gehen. Spendiert wurde es vom Land. Ähnliche Geräte gibt es nur bei der Polizeischule in Oranienburg und der Feuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. FOTO: Verkehrswacht Cottbus
Cottbus. Die Verkehrswacht Cottbus nimmt Brandenburgs modernsten Rettungssimulator in Dienst. Das 50 000 Euro teure Gerät hilft nicht nur Autofahrern, sondern auch der Feuerwehr beim Training. Peggy Kompalla

Die meisten Autofahrer denken wohl: Mir kann das nicht passieren. Ich fahre ja nicht so schnell. Doch selbst im Stadtverkehr kommt es vor, dass sich Autos überschlagen. So geschehen vor drei Wochen an der Breithaus-Kreuzung. Die Wucht des Aufpralls genügte, um einen Pkw umzuhauen. Das Auto kam auf der Seite zum Liegen.

Allerdings sind die Retter nicht immer schnell zur Stelle. In solch einem Fall können sich die Insassen selbst helfen. Denn die Hälfte der Unfallopfer übersteht solch einen Überschlag halbwegs unversehrt, wie Benjamin Böhm von der Verkehrswacht erklärt. Er ist einer von acht Moderatoren, die am Rettungssimulator ausgebildet wurden. Er weiß, wovon er redet, schließlich ist er zudem Feuerwehrmann. "Am wichtigsten ist es, den Kopf zu schützen, um Halsverletzungen zu vermeiden." Um das trotz Panik hinzubekommen, hilft der Rettungssimulator der Verkehrswacht Cottbus. Sogar die Feuerwehr trainiert mit dem Gerät.

Die RUNDSCHAU hat eine solche Rundfahrt mitgemacht. Die erste Überraschung gibt es, noch bevor es richtig losgeht. Denn schon beim Sitzen hinterm Lenkrad kann Einiges falsch gemacht werden, was das Überkopf-Aussteigen erschwert.

Benjamin Böhm erklärt: "Der Sitz muss soweit entfernt sein, dass die Beine nach vorn durchgestreckt werden können. Die Kopfstütze muss den Hinterkopf komplett abdecken. Zwischen Kopf und Autodach sollte eine Faust passen." Dann geht es ans Anschnallen. Selbst da sind Flüchtigkeitsfehler möglich, die schmerzhafte Folgen haben können. "Der Sicherheitsgurt über das Becken sollte keine Dreher haben und muss nachgestrafft werden", erklärt der Verkehrswachtler. Tatsächlich hängt wenig später das gesamte Körpergewicht nur in dem bisschen Beckengurt. "Bis zu einer Viertelstunde kann man ohne Schäden über Kopf hängen", versichert er.

Der Simulator dreht sich gemächlich. So langsam ist das beim Unfall nicht. Doch das gibt den Insassen Zeit, um der leeren Plaste-Flasche hinterherzuschauen, die bereits bei halber Drehung auf Wanderschaft geht. Im Ernstfall hätte im eigenen Auto die schwere Handtasche längst ihren Inhalt verteilt. Der Kaffeebecher und das Brillenetui wären als Geschosse unterwegs. Überkopf und im Gurt hängend zieht die Schwerkraft plötzlich an falscher Stelle. Die Moderatoren öffnen sofort die Tür, fragen nach dem Befinden. Zuerst darf sich allerdings der Beifahrer befreien. Sonst fehlt schlicht der Platz zum Manövrieren, da das Lenkrad im Weg ist. Dann wird es eine Turnübung. Die Tür ist offen. Die linke Hand kommt unter den Kopf, beide Füße aufs Armaturenbrett, um das Körpergewicht in den Sitz zu drücken. Die rechte Hand löst den Gurt und dann rollt der Körper in den Fahrgastraum, eine Drehung und raus. Das Prozedere begleiten die Moderatoren mit Ruhe. Sie erklären die Bewegungsabläufe und kümmern sich fürsorglich um ihre Überschlagsschützlinge. Deshalb gibt es keinen Grund, davor zurückzuschrecken.

Verkehrswachtchef Manuel Helbig beobachtet das Geschehen zufrieden: "Unabhängig von der Körperkraft werden so bewährte Rettungsschritte trainiert." Das gelte für Autofahrer genauso wie für Rettungskräfte. Der Simulator ermöglicht Übungen in Seiten- und Dachlage. Mit dem Gerät haben die Cottbuser Feuerwehrleute schon geübt. Heute ist der Simulator beim Verkehrssicherheitstraining von 10 bis 15 Uhr am Blechen-Haus in Sandow im Einsatz.