| 19:56 Uhr

In Cottbus auf Einkaufstour
Einkauf ohne Plastikmüllberg ist möglich

Alexander Schömmel demonstriert im Naturkostladen „Ährenkranz“ die Selbstbedienung an den Trockenfrüchteschütten.
Alexander Schömmel demonstriert im Naturkostladen „Ährenkranz“ die Selbstbedienung an den Trockenfrüchteschütten. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. In den Cottbuser Supermärkten trifft der Kunde auf ausufernde Verpackung. Doch es gibt Alternativen. Von Ulrike Elsner

Ist Einkaufen heute nicht mehr möglich, ohne einen Berg Plastikmüll anzuhäufen? Die RUNDSCHAU macht den Test und hat sich dazu mit Gabriele Hofmann in einem großen Cottbuser Supermarkt verabredet. Es läuft (fast) alles so ab, wie von der Drebkauerin  vorab geschildert: Plastikbecher stapeln sich an der Salatbar. Einen speziellen Holzreiniger gibt es nur in der Plasteflasche. Und die Verkäuferin an der Salatbar weist die Kundin freundlich darauf hin, dass mitgebrachte Gefäße tabu sind – auf Anweisung des städtischen Gesundheitsamtes.

Der Mann hinterm Fischstand hingegen zeigt sich kompromissbereit und erlaubt, beim nächsten Einkauf ein eigenes Gefäß mitzubringen. Dennoch: In Gabriele Hofmanns Einkaufswagen kommt abgesehen von den Bananen nichts ohne Plastikhülle aus, manches ist sogar doppeltplastikverpackt.

Die Weltmeere vermüllen mit unabsehbaren Folgen für Mensch und Tier, mahnen Umweltaktivisten und Forscher seit Langem. Ein besonderes Problem ist dabei Plastik, und das – wie sich jetzt zeigt – in einem dramatischeren Ausmaß als noch vor Kurzem angenommen.

Inzwischen kommen auch die großen Supermarktketten nicht mehr an dem Problem vorbei. Edeka setze auf Mehrwegtaschen und Produkte aus recyceltem Material, erklärt Alexandra Antonatus, Pressereferentin in der Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG, auf Nachfrage. „In der Obst- und Gemüseabteilung des Marktkauf Cottbus gibt es bereits unsere nachhaltigen Gemüsenetze, die den dünnen Plastikknotenbeutel ersetzen“, heißt es in der Mitteilung. Diese können immer wieder eingesetzt  und wie Wäschenetze sogar gewaschen werden. Ziel sei es, den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 76 Plastiktüten in Deutschland zu reduzieren.

 Sich an der Bedientheke ein mitbegrachtes Gefäß füllen lassen, das möchte Gabriele Hofmann nur zu gern. Das Mindener Unternehmen widmet dem Einkauf mit der eigenen Vorratsdose immerhin ein konkretes Projekt.  „Dies ist aus Hygienegründen mit strengen Vorgaben umzusetzen, die von den jeweiligen Veterinärämtern genehmigt werden müssen“, räumt Alexandra Antonatus ein und verspricht: „Sobald wir hier genug Erfahrung gesammelt haben, möchten wir das auch in Cottbus anbieten.“

Der Zukunft ein Stück näher ist der Naturkostladen „Ährenkranz“ am Gerichtsplatz. Inhaber Alexander Schömmel setzt strikt auf Vermeidung von Plastikmüll und den Einsatz von Mehrweg-Verpackungen. Käse wird hier in Pergamentpapier gepackt, Wurst meist im Naturdarm angeboten, und Antipasti kommen aus der Schüssel direkt ins Glas. „Die Pfandgläser haben wir im Oktober eingeführt“, berichtet der Händler. Ob sie ankommen würden, war anfangs unklar.  „Inzwischen lassen sich  Viele ihre Gläser beim nächsten Einkauf wieder füllen“, sagt Schömmel. Werden die Gläser allerdings leer zurückgegeben, ist Extra-Spülen  beim  Händler angesagt.

Die Trockenfrüchte werden lose in Schütten angeboten. Jeder füllt sich die gewünschte Menge in eine der bereitliegenden Papiertüten. Die Kunden, die hier zumeist mit dem eigenen Korb oder mit Stoffbeuteln zwischen den Regalen unterwegs sind, nehmen den Mehraufwand – der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe – gern in Kauf.

Auch Tee aus dem „Ährenkranz“ ist nicht in Plastik, sondern in Zellulose verpackt. „Wenn die nass wird, löst sie sich auf“, sagt Alexander Schömmel. Obst und Gemüse werde im „Ährenkranz“ zu 95 Prozent plastikfrei angeboten. Und Getreide gibt es inzwischen meist in Papiertüten. Wer das möchte, kann Weizen, Dinkel und Roggen sogar lose erhalten. Zudem ist Alexander Schömmel der erste Cottbuser Händler, der Coffee to go im Recup-Pfandbecher anbietet.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE