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Eingriff in das Branitzer Gesamtkunstwerk

Cottbus. Helmut Rippl gilt als einer der besten Kenner des Branitzer Parks. Sein Leben und Schaffen als Garten- und Landschaftsarchitekt ist aufs Engste verbunden mit dem Gartendenkmal. Peggy Kompalla

Jetzt meldet er sich zu den Plänen der Parkbahn zu Wort. Der Förderverein will am Bahnhof Zoo dem historischen Bahnsteigdach von 1888 ein neues Zuhause geben. Die Konstruktion ist das letzte Überbleibsel des alten Cottbuser Bahnhofs.

Helmut Rippl kritisiert: "Der bestehende Bahnhof der Parkeisenbahn wird mit dieser Überdachung zum Spielzeugformat degradiert. Und dies inmitten der Branitzer Parklandschaft. Eine Ausführung dieses Daches an dieser Stelle würde den Ruf von Cottbus schmälern, weil diese Architektur absolut nicht in das immer berühmter werdende Denkmalensemble passt."

Für den Ehrenprofessor gehören diese Pläne in eine lange Reihe von versuchten Eingriffen in den Park Branitz. Rippl zählt sie auf: Zu DDR-Zeiten verlief die Abbaugrenze der "allmächtigen Braunkohlenindustrie" über die Schmiedewiesen. In den 1960er-Jahren wurde sie um 600 Meter nach Osten verlegt. Erst mit der Wende wurde auf das Kohlefeld verzichtet. Später stellte die Agrargenossenschaft Kahren den Antrag, in unmittelbarer Nachbarschaft der Parkschmiede eine Landfleischerei zu errichten, was abgelehnt wurde. Dann sollte nördlich der Gewächshausanlage an der Branitzer Siedlung ein Supermarkt entstehen. Auch dieser "städtebauliche Unsinn konnte abgewendet werden", sagt Rippl. Aus diesen Erfahrungen sei klar geworden, dass es eines Statuts zum Schutz des Außenparks bedarf. Mit dem Denkmalbereich Branitzer Parklandschaft sei eine solche Richtlinie seit dem Jahr 2000 in Kraft, die das 600 Hektar umfassende Gesamt-Parkareal umfasst. "Es war ein Sieg der Vernunft gegen mehrere Separatler, die Privatinteressen immer noch vor Allgemeininteressen stellen wollten", betont Helmut Rippl. "Wir haben nicht vergessen, wie Cottbuser Stadtverordnete den Branitzer Park in den 1990er-Jahren als Stadtpark einstufen wollten." Der Gartenfachmann erinnert daran, dass das Areal des Spreeauenparks zwischenzeitlich für individuellen Wohnungsbau im Gespräch war, genauso wie für den Gutshof Branitz und alle südlich der Schmiedewiesen gelegenen Flächen. "In einer beispielhaften Aktion unter Leitung des Kulturausschusses der Cottbuser Stadtverordneten mit Professor Arno Dittmer an der Spitze wurde das Bauen um den Branitzer Park am 21. Februar 1998 ausgeschlossen", sagt Helmut Rippl. Das sei eine Kulturtat gewesen, an die er nun in Zusammenhang mit den Parkbahnplänen erinnert.