Mit der guten Absicht, die Karte, die immerhin 60,50 Euro kostet, zu schützen, hatte Falko den Fehler begangen, das wertvolle Stück einzuschweißen. Schließlich ist er jeden Tag von Spremberg noch Cottbus oder Forst unterwegs. Mit seinem Lehrvertrag war er zum Bahnhof nach Spremberg gegangen, hatte dort eine Kundenkarte und die Monatskarte erworben. Falko hat die Karte dann fein säuberlich eingeschweißt. „Sie war von beiden Seiten gut lesbar und auch das Hologramm war deutlich zu erkennen. Außerdem stand auf der Karte nur ,Nachdruck verboten!'“ , erzählt der Azubi.
Dass mit seiner eingeschweißten Karte alles okay sei, darin irrte er sich jedoch. Bei einer Fahrkartenkontrolle auf der Strecke von Forst nach Cottbus habe ihm der Kontrolleur erklärt, dass seine Karte ungültig sei, in den Tarifbestimmungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg sei alles nachzulesen. Zu guter Letzt erhielt der Lehrling noch eine Zahlungsaufforderung über 42,10 Euro wegen einer ungültigen Karte. Zweimal 60,50 Euro plus 42,10 Euro Strafe. „Mir wurde ganz schlecht und ich hatte eine Riesen-Wut im Bauch“ , schildert Falko Ramisch, der sich keiner Schuld bewusst war, einen ungültigen Fahrschein zu haben. Bei dem Versuch, am Serviceschalter auf dem Cottbuser Bahnhof das Problem vorzutragen, habe die nette Dame dort versucht, die Folie von der Karte abzuziehen, wodurch sie zerrissen wurde. Damit drehte sich am Fahrkartenschalter nichts mehr. Falko musste, um nach Hause zu kommen, nochmals 3,10 Euro für die Fahrt nach Spremberg bezahlen.
Karsten Haberland, Team-Leiter im Reisezentrum Cottbus, rechtfertigt die Handlungsweise des Zugbegleiters und verweist auf den Paragrafen 8 des VBB-Tarifs. „Die Karten halten einen Monat und müssen nicht eingeschweißt werden.“ Um Missbrauch vorzubeugen, müsse es möglich sein, bei der Kontrolle die Qualität des Papiers der Monatskarte zu erfühlen. Beim Entwerten mit einer speziellen Tinte werde im Zusammenspiel mit dem Papier außerdem sichtbar, ob es sich um eine echte Karte handele. Das sei durch die Folie hindurch nicht mehr möglich, erklärt Haberland.
Der gute Wille des Bahnkunden, die Karte schützen zu wollen, sei in Ordnung, aber dafür gebe es spezielle Folietaschen, die kostenlos erhältlich seien. Vorausgesetzt, sie sind überall vorrätig und werden im besten Falle gleich zur Monatskarte dazugetan. In Spremberg war dies nicht der Fall, als Falko seine Karte erstanden hatte. Offen bleibt auch die Frage, warum nicht gleich bei Falkos Stopp in Cottbus die Echtheit der Karte überprüft worden ist. Immerhin ermuntert Karsten Haberland Kunden, die sich ungerecht behandelt fühlen, von ihrem Einspruchsrecht Gebrauch zu machen. Würden die Darstellungen plausibel sein, könne mit Kulanz gerechnet werden. Darauf hofft nun auch Falko Ramisch, denn er hat in der Inkasso-Abteilung der Deutschen Bahn in Baden-Baden Einspruch gegen gegen das Strafmandat über 42,10 Euro erhoben. Dass er sich keine neue Monatskarte für abermals 60,50 Euro kaufen musste, hat er der taffen Mitarbeiterin des Verkehrsunternehmens auf dem Spremberger Bahnhof zu verdanken. „Frau Plötze konnte sich erinnern, dass ich zwei Tage zuvor die Karte bei ihr gekauft hatte, so konnte sie die Echtheit anerkennen und stellte mir eine neue aus.“
Falko Ramisch liegt nun daran, dass andere Bahnkunden von seinen Erfahrungen profitieren können: „In den VBB-Tarif sehen und auf keinen Fall die Monatskarte einschweißen.“

Zum Thema VBB-Tarif
  § 8 Ungültige Fahrausweise:
. . . Fahrausweise, die vom Fahrgast einlaminiert beziehungsweise eingeschweißt sind, so dass sie nicht mehr überprüft werden können . . .
Der VBB-Tarif www.vbbonline.de