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Cottbuser Toleranzpreis
Einfach miteinander reden

Auf der Bühne des Glad Houses versammelten sich am Dienstagabend alle Preisträger des Cottbuser Toleranzpreises, welcher vom Förderverein Cottbuser Aufbruch zum vierten Mal verliehen wurde.
Auf der Bühne des Glad Houses versammelten sich am Dienstagabend alle Preisträger des Cottbuser Toleranzpreises, welcher vom Förderverein Cottbuser Aufbruch zum vierten Mal verliehen wurde. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Projekt „Sprechcafé“ des Paritätischen Landesverbandes gewinnt Cottbuser Toleranzpreis. Von Stephan Meyer

Weltoffen, bunt und vielfältig soll Cottbus sein und bleiben. Das wünscht sich jedenfalls der Verein Cottbuser Aufbruch. Aus diesem Anlass verlieh das Bündnis am Dienstagabend im Glad House zum vierten Mal seinen Toleranzpreis. Mit der Auszeichnung sollen Projekte und Ideen gewürdigt werden, die sich für demokratische Werte und ein respektvolles Miteinander in Cottbus engagieren. Zwischen acht Einsendungen musste eine fünfköpfige Jury drei Gewinner wählen.

Bei der Laudatio für das erstplatzierte Projekt gab Jury-Mitglied Martina Münch (SPD) ein Geheimnis preis. Vor wenigen Wochen wollte der Cottbuser Aufbruch den Toleranzpreis absagen. Es hätte keine Einreichungen gegeben. Laut Münch kamen im Verein erste Zweifel auf, ob sich denn niemand für ein weltoffenes Cottbus einsetzen wolle. „Doch dann regnete es plötzlich Einsendungen“, wie Münch berichtete.

Cottbuser Toleranzpreis 2017 FOTO: Von Michael Helbig

Der dritte Preis, welcher vom Cottbuser Lions Club mit 300 Euro dotiert ist, bekam das Cottbuser Piccolo Theater für die Inszenierung des Stücks „KRG“ im Rahmen des „interTWINed“-Theaterfestivals. Im Stück, das sich mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzt wird der Spieß umgedreht, wie es aus der Laudatio des Präsidenten des Cottbuser Lions Club Thomas Stapperfend heißt. Bei „KRG“ flüchten Europäer in den Nahen Osten und sind auf einmal mit Ängsten und Sorgen konfrontiert. „Das ermöglicht den Zuschauern, sich auf eine andere Weise mit dem Thema auseinanderzusetzen“, so Stapperfend.

Die 83 Cottbuser Stolpersteine, die an das Schicksal von während des Nationalsozialismus verfolgten Menschen erinnert, standen im Fokus des Projektes der Zweitplatzieren. Die Cottbuser Literatur- und die Cottbuser Tanzwerkstatt haben sich mit „Sahra - Sechs Stolpersteine“ diesen Schicksalen angenommen und mit Live-Tanz-Auftritten versucht ein Bezug zu dem Thema herzustellen. Dafür erhielten die Projektverantwortlichen ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro.

Den ersten Preis, der mit 800 Euro dotiert war, ging an die Initiative „Begegnung im Stadtteil“, welche vom Paritätischen Landesverband Brandenburg getragen wird. Mit Sprechcafés in Stadtmitte, Sachsendorf und Sandow hat das Projekt mehr als 90 Menschen aus Cottbus und der Welt zusammengebracht. Drei Mal die Woche können sie dort gemeinsam Deutsch lernen, neue Freunde finden und die Stadt erleben. 4000 Menschen haben 2016 die Sprechcafés genutzt. „Nichts desto trotz, es sind immer noch Stühle frei“, lud Projektkoordinatorin Julia Kaiser die Anwesenden ein.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von der „The Other Way“, der Rockband des Konservatoriums. Die Projekte die leider ohne ein Preisgeld nach Hause gehen mussten, wurden im Rahmen eines Videos gewürdigt, das alle acht Beiträge vorstellte. Darunter das Orchester des Konservatoriums Cottbus mit seinem Beitrag zur Oper Flüchtling des Cottbuser Staatstheaters, die Jugendredaktion Cottbus und die Studentengemeinde der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.