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| 02:33 Uhr

"Einfach mal was anderes sehen”

Tolle Leistung: Stolz präsentiert Carla Repmann ihre Siegerurkunde, die sie bei einem landesweiten Sprachwettbewerb in Göttingen erhielt.
Tolle Leistung: Stolz präsentiert Carla Repmann ihre Siegerurkunde, die sie bei einem landesweiten Sprachwettbewerb in Göttingen erhielt. FOTO: the
Cottbus. Das Erlernen einer Fremdsprache verlangt ein Mindestmaß an Fleiß und Disziplin. Diese Eigenschaften haben sich bei der Cottbuserin Carla Repmann im Verlauf der vergangenen zwei Jahre ausgezahlt, denn die 18-Jährige gewann im Juni die Vorrunde eines internationalen Sprachwettbewerbs, bei dem sie sich gegen 15 andere Teilnehmer bundesweit durchsetzen konnte. Jenny Theiler

Zuvor verbrachte sie ein Jahr lang im Ausland und konnte sich so für den Wettbewerb des Konfuziusinstitutes qualifizieren. Diese Leistung erscheint umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Wettbewerb in chinesischer Sprache stattfand.

Während die meisten sprachbegeisterten Schüler die USA oder Großbritannien bereisen, entwickelte Carla Repmann im Alter von 15 Jahren eine ungewöhnliche Leidenschaft für die chinesische Kultur. "Ich wollte einfach mal etwas ganz anderes sehen", erzählt die Schülerin des Pücklergymnasiums und belegte im April 2015 einen Sprachkurs in den Osterferien. Ausgerüstet mit den nötigsten Vokabeln, entstand der Wunsch im Rahmen eines Schüleraustauschprogramms nach China zu reisen. "Meine Eltern waren am Anfang nicht sehr begeistert", erinnert sich die Gymnasiastin. Dennoch flog die damals 16-Jährige im August 2015 in das 7500 Kilometer entfernte Jiamusi im Nordosten Chinas, um Land und Leute kennenzulernen.

Ausländer sind in chinesischen Schulen sehr beliebt und in den Städten ein äußerst seltener Anblick. "Es kam hin und wieder vor, dass ich von fremden Menschen fotografiert wurde", erzählt die Schülerin. Die Städte seien zudem ungewöhnlich laut und auch an die Esskultur, die auch Entenfüße beinhaltet, musste sich Carla Repmann erst allmählich gewöhnen. "Es hat nicht schlecht geschmeckt, aber ich muss es nicht noch mal haben", schmunzelt die 18-Jährige.

Ein klassischer Schultag beginnt in China um 7 Uhr und ist mit Unterrichtsende gegen 18 Uhr noch längst nicht beendet. Selbstlernzeiten bis 22 Uhr sind keine Seltenheit, wie Carla Repmann auch bei ihrer Gastschwester festgestellt hat. "Mit Deutschland kann man das nicht vergleichen. Die Voraussetzungen sind in China einfach anders gegeben", erklärt Carla Repmann und bezieht sich auf den enormen Druck, der auf chinesischen Schülern lastet, die nach der Ausbildung mitunter ihre gesamte Familie ernähren müssen. Für die Cottbuserin war diese Erfahrung sehr wichtig, da sie durch den strengen chinesischen Unterricht ein stärkeres Bewusstsein für Fleiß und Disziplin entwickeln konnte. Nach dem Abitur möchte sie in China studieren. Eine spätere Tätigkeit als Dolmetscherin kann die Schülerin sich durchaus vorstellen.

Die Chinesen sind der westlichen Welt nicht abgeneigt - im Gegenteil. "Alles, was im Westen passiert, ist für die Chinesen recht interessant", berichtete Carla Repmann. Dennoch seien einige interkulturelle Klischees noch immer fest verankert, wie beispielsweise das Bild vom blonden, blauäugigen Deutschen.

Das neu gewonnene Kulturbewusstsein und die verbesserten Sprachkenntnisse brachten Carla Repmann beim internationalen Wettbewerb "Chinese Bridge" den ersten Platz in der Vorrunde sowie die Qualifizierung für das Finale in China ein. Dieses wird im Oktober in Kunming in Südchina stattfinden. Zusammen mit einem Gleichaltrigen wird Carla Repmann Deutschland vertreten. Insgesamt werden 90 Nationen teilnehmen.