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Einen Brunnen und eine Silberfibel ausgegraben

Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger des Landes Brandenburg trafen sich am Wochenende in Peitz, um über Funde zu fachsimpeln.
Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger des Landes Brandenburg trafen sich am Wochenende in Peitz, um über Funde zu fachsimpeln. FOTO: Hirche/jul1
Peitz. Zum fünften Mal haben sich ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger am Wochenende in Peitz getroffen. Das Cottbuser Stadtmuseum wurde bereits am Freitag besucht, am Abend stellten die Pfleger sich gegenseitig Funde vor und fachsimpelten. Marion Hirche / jul1

Am Sonnabend gab es Fachvorträge. Dabei berichteten David Koall aus Bohsdorf /Vorwerk und Annett Schulz aus Spremberg über besondere Funde auf einem germanischen Gräberfeld in Hornow. "Wir sind durch Zufall auf dieses Feld gestoßen auf einem Acker. Mit Sonden haben wir gesucht und dann viel frei gelegt", berichteten die beiden Bodendenkmalpfleger. So wurde eine germanische Silberfibel, ein Verschlussteil der damaligen Kleidung, entdeckt. "Wir haben auch Leichenbrandkeramik, also Urnen, gefunden. Die Stücke aus der römischen Kaiserzeit lassen den Schluss zu, dass hier eine höher gestellte Persönlichkeit ansässig war", betonte David Koall in seinem Vortrag. Um den Vortrag von Jens Lipsdorf, Inhaber eines Büros für Archäologie und Bodendenkmalpflege in der Region, zu hören, kam der Peitzer Bürgermeister Jörg Krakow noch mal zur Tagung zurück. Am Vormittag hatte er schon die Teilnehmer zusammen mit der Peitzer Amtsdirektorin Elvira Hölzner und Spree-Neiße-Landrat begrüßt.

Lipsdorf sprach über seine bodendenkmalpflegerische Begleitung der Arbeiten am Peitzer Festungsturm, wo ein Hochzeitsgarten entstehen soll. Der Fachmann präsentierte Erstaunliches: So wurde ein Brunnen entdeckt, der auf dem Festungsgelände gewesen ist. "Der Kastenbrunnen ist mit einem Gewölbe überbaut worden, also ist die Ebene höher gelegt worden", erklärte der Redner und präsentierte dazu überzeugende Bilder einer Digitalkamera. Fundstücke aus dem Brunnen wurden nicht entdeckt, da es nicht möglich war, in den Brunnen abzusteigen. Inzwischen ist der Brunnen gesichert und verschlossen, allerdings so, dass er jederzeit wieder aufgemacht werden kann. Nach dem Vortrag verständigten sich Jens Lipsdorf und der Vorsitzende des gastgebenden Historischen Vereins zu Peitz Christoph Malcherowitz über einen gemeinsamen Auswertungstermin.

Große Aufmerksamkeit gab es von allen Teilnehmern für den Vortrag über germanische Funde im Barbaricum, also im Territorium jenseits des Limes in Nord-, Mittel- und Südosteuropa von Morten Hegewisch aus Berlin.

"Es war wie immer spannend und informativ" meinte Lenore Pahl aus Hennersdorf bei Finsterwalde. Günter Wetzel aus Cottbus freute sich über die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Karina Kinzelt ist Restauratorin und nahm aus Interesse in Peitz teil: "Ich bin diejenige, die die Fundstücke dann aufarbeitet. In der Beziehung war es für mich hier wieder sehr informativ." Dr. Thomas Kersting vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) informierte über das Vorhaben, eine Austauschplattform für die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger auf den Seiten der Archäologischen Gesellschaft, zu schaffen.