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| 02:35 Uhr

Eine wichtige Nachfrage zur Geschichte der Annemariepolka

FOTO: privat
Cottbus. Der Cottbuser Regia-Verlag gräbt immer wieder Lausitzer Schätze aus. Peter Becker hat ein neues Spreewaldbuch herausgebracht, Thomas Freitag lotet das Leben und Werk des Komponisten der Annemariepolka aus. Und manchmal genügt es, ein ausgestiegener Cottbuser Zahnarzt zu sein, um im Regia-Verlag über Australien schreiben zu dürfen. Annett Igel-Allzeit

Immer wieder erreichen den Regia-Verlag in Cottbus Manuskripte nicht nur aus der Region. "20 bis 30 Neuerscheinungen schaffen wir im Jahr", so Verlagsredakteurin Edeltraud Wiegand.

Das fotoreichste Buch dieses Frühjahrs ist Peter Beckers "Faszination Spreewald". Er, der auch für die RUNDSCHAU arbeitet, hat nicht nur Spreewaldlandschaften festgehalten, sondern die Menschen der Region - den Fischer, die Familien in ihren Fest- und Alltagstrachten, die Gäste bei fröhlicher Kahnpartie. Frierend zampern die Spreewälder und feiern Fastnacht. Mädchen und Frauen schweigen mühsam beim Osterwasserholen. Die Natur mit all ihren Pflanzen und Tieren ist Becker oft vor die Linse gekommen. Zum Leben gehören Meerrettich, Leinen, Kürbis und die Gurke. Von den Kähnen kommt er zu den Heuschobern und Spreewaldhäusern, zum Handwerk und zu typischen Speisen. Das Spiel der jungen Modeschöpfer mit den Trachten zeigt Becker. Und er lässt sein Buch nicht in der mystischen Spreewaldnacht versumpfen. Es endet tolerant bei einem Kerl mit Motorradbrille und Erbsenhelm in der Alltagstracht der Frauen auf dem Moped. Viele Worte fand Becker nicht, aber seine Landkarten auf den Einband-Innenseiten sind nützlich.

Was sie an Quellen nur finden konnten, hat die Autorengemeinschaft des Fördervereins "Orgel- und Kulturzentrum Lebusa" für das Büchlein "Ein Niederlausitzer Genie - Johann Friedrich Mende aus Lebusa" zusammengetragen. Mende (1743 - 1798) war Sohn eines Müllers und fiel früh durch seine mathematische Begabung auf. Schnell durchschaute er als Student in Freiberg die Maschinen seiner Zeit und galt als Mechanikus. Er entwickelte Hebehäuser für Schiffshebewerke und traf sich sogar mit Goethe und Herzog Carl August.

Ein bewegtes Leben hatte auch der Komponist der Annemariepolka, Herms Niel (eigentlich Hermann Nielebock). Der Musikwissenschaftler und Publizist Thomas Freitag stützt sich auf die Erzählungen der Witwe Helene Niel und auf Dokumente. Niel (1888 - 1954) war Militärmusiker im Ersten Weltkrieg. Richtig berühmt wurde er als Musiker und Poet nach 1933. Viele seiner Lieder wurden Hits im NS-Staat. Hitler machte ihn zum Professor. Ab den 50er-Jahren hing der Mantel des Schweigens über ihm und seinem Schaffen. In der Lausitz erklingt die Annemariepolka noch zu vielen Dorffesten. Ist sie ein Nazi-Lied? Das versucht Freitag in einem Interview am Ende des Buches zu beantworten - gut, dass der Regia-Verlag es aufgenommen hat.

Dass Lausitzer auch gern in die Ferne reisen, nimmt der Regia-Verlag ihnen nicht übel. Gerold Noack, Professor der BTU Cottbus-Senftenberg, beschreibt im Buch "Antarktis" seine Abenteuer im ewigen Eis und denkt über den Klimawandel nach. Wie verwundert er selbst auf seiner Reise immer wieder war, zeigen die Fotografien. Die Pinguine müssen den Professor mit den wedelnden Ohrenschützern an der Mütze ebenfalls seltsam gefunden haben.

Nach Australien zog es Bernd Otto. Er kümmerte sich als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie in Cottbus nicht nur um Zähne junger Menschen, sondern er interessierte sich auch für Indianer und Pferde und gründete mit Freunden und der Familie Mitte der 70er-Jahre eine Indianistikgruppe und die Kunstreitergruppe Ompah. Nach dem Bericht einer Reiterreise "Unter Mongolen" im Regia-Verlag hat er nun das "Leben am Murray River" als Aussteiger in Australien nachgelegt. Er schreibt übers Angeln, Schwimmen, seine Kanufahrten und über Tomaten.

Zum Thema:
Der Fotograf Peter Becker hat uns drei Exemplare seines neuen Buches "Faszination Spreewald" überlassen. Wir möchten sie gern an Sie, liebe Leser, weitergeben. Bei Interesse melden Sie sich bitte einfach per E-Mail unter: red.cottbus@lr-online.de