Die Mitglieder des Umweltausschusses stehen verloren auf der Mühleninsel am Großen Spreewehr und versuchen sich vorzustellen, was ihnen Ingolf Burisch vom Wasser- und Bodenverband Oberland Calau gerade erklärt. Im Grunde steht die Gruppe mitten in der neuen Fischtreppe, die der Projektleiter Fischpass nennt. Die Abgeordneten folgen dem Arm von Ingolf Burisch. Der zieht eine Schlängellinie vom Wehr über die Mühleninsel (siehe Grafik und Fotomontage). Er erklärt: "Der Pass ist 150 Meter lang und reicht vom Wehr bis zur Inselspitze. Er wird 3,60 Meter breit und besteht aus 28 Becken." Mit jedem Becken werden zehn Zentimeter Höhe genommen. "Zwischen Ober- und Unterwasser muss eine Wasserstandsdifferenz von 2,80 Meter überwunden werden. Daraus ergibt sich die Länge für den Pass."

Dietmar Schulz (CDU) will wissen, was mit der alten Fischtreppe am Wehr sei. "Die ist zu klein. Sie funktioniert nicht", erwidert Burisch. Schon stecken die Abgeordneten mitten in der Diskussion. Wolfgang Bialas (CDU) will wissen, "ob sich der Realofisch in Brandenburg auch so verhält, wie der Musterfisch aus den Berechnungen".

Die Anlage wurde so konzipiert, dass sie ein 1,60 Meter langer Wels benutzen kann. Ein ganz ähnlicher Pass mit der gleichen Berechnungsgrundlage ist gerade am Neuhausener Wehr in Betrieb gegangen. "Bislang haben wir dort wenig Erfahrungswerte. Die Anlage ist erst vergangenes Jahr fertig geworden", erklärt Burisch. "Es gibt dort noch keinen großen Austausch von Fischen. Das braucht Zeit." Doch mit der Spreeaue seien neue Habitate am Eingang zum Spreewald entstanden, der auch durchgängig gemacht werden soll.

Hans Pschuskel (CDU) hält mit seiner Ablehnung nicht hinterm Berg: "Was hilft es dem Fisch, wenn er in der braunen Spree landet? Außerdem sieht die Betonschlange nicht ökologisch aus." Steffen Picl (Linke) fragt nach der Verhältnismäßigkeit: "Man kann sich das wünschen, aber die Spree wird erst in 100 Jahren wieder klar sein. Außerdem sind Stadt und Land überschuldet. Das Geld kann mit Sicherheit besser investiert werden."

Immerhin belaufen sich die Kosten für den Fischpass am Großen Spreewehr auf 2,7 Millionen Euro. Bialas erklärt: "Wir bauen doch auch keine Brücke, wenn die Anschlussstraßen erst viel später kommen." Martin Kühne (Grüne) platzt angesichts der Diskussion fast der Kragen: "Bei der Ortsumfahrung sind wir in Cottbus doch auch froh, wenn sie abschnittsweise gebaut wird. Wir haben den Fluss 100 Jahre lang verbaut. Jetzt wird er allmählich wieder durchlässig gemacht." Das sei an der Zeit.

Noch in diesem Jahr könnte mit dem Bau der Anlage am Großen Spreewehr begonnen werden. Von der Spreewehrmühle werde sie kaum zu sehen sein, da sie sich in das Gelände einfügt. "Das war eine Forderung der Stadt", erklärt Burisch. Darüber hinaus sollen die Bootsein- und -ausstiege, Geh- und Radwege auch während der Bauzeit erhalten bleiben.

Der Fischpass am Großen Spreewehr ist nur der Anfang: Die Planungen für das Kleine Spreewehr laufen bereits, so Burisch. Auch Madlower und Kiekebuscher Wehr seien in der Mittelfristplanung enthalten.