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Ostsee
Struktur statt Spektakel

So soll der Stadthafen am Cottbuser Ostsee aussehen FOTO: fehlig & moshfeghi architekten
Cottbus. Ein Hamburger Architekturbüro hat den städtebaulichen Wettbewerb für das Hafenquartier Cottbus gewonnen. Der Entwurf wirkt unspektakulär. Deshalb gab es Kritik. Von Peggy Kompalla

Eines sei vorweg gesagt: Der Stadthafen am Cottbuser Ostsee wird nicht so aussehen, wie hier zu Papier gebracht. In dem städtebaulichen Wettbewerb für das Hafenquartier Cottbus ging es nicht darum, bereits jetzt ein detailliertes Abbild des Areals zu liefern. Vielmehr sollten die Planer eine Struktur für das bislang wüste Areal ersinnen, die als Grundgerüst für eine Entwicklung taugt. Dabei geht es um die räumliche Organisation und die Anbindung. Mit ihren Ideen überzeugten die Hamburger Büros fehlig & mosh­feghi architekten und Gartenlabor Landschaftsarchitekten Bruns die Jury. Ihr stand der Cottbuser Architektur-Professor Heinz Nagler vor.

Der Jurychef lobt den Entwurf der Hamburger am Donnerstagabend bei der Preisverleihung im Rathaus für seine „klaren, einfachen städtebaulichen Ebenen, die durch eine großzügige Promenade zusammengehalten werden“. Als Rückgrat werde ein „Dünenpark entwickelt“, der nicht nur ordnend wirkt, sondern auch als Lärmschutz gegen die Ortsumfahrung. Die viel befahrene Straße verläuft parallel zum Ufer und damit zum Stadthafen. Auch das ist für den Fachmann erwähnenswert: „Die Zwischenräume sind keine Distanzhalter, sondern Spielräume.“

Architekt Mehdi Moshfeghi bestätigt genau diese Intention. „Uns ist die Kleinteiligkeit für ein breites Spektrum an Nutzern wichtig, die sich mit ihren Projekten hier wiederfinden können.“ Mit ihrer Arbeit haben die Planer lediglich strategische Parameter gesetzt. „Das ist ein Regelwerk für die Stadt und für die weitere Entwicklung“, betont der Hamburger. „Es muss später mit identitätsstiftenden Hochbauten weiter qualifiziert werden.“ Dafür müssen Architekturwettbewerbe folgen. Aus diesem Grund haben die Hamburger bei ihrem Entwurf auch auf eine detaillierte Darstellung der Bauten verzichtet. Niels Fehlig ergänzt: „Für diesen Funktionsplan reicht der grobe Maßstab. Erst in den nächsten Schritten kann dann reingezoomt werden.“

Der Entwurf der Hamburger bleibt im Vergleich zum Zweitplatzierten zunächst kaum in Erinnerung. Genau das hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt. Die Berliner Büros ISSS re­search & architecture und Studio RW Landschaftsarchitektur haben einen Energie-Hafen für Cottbus erdacht. Der Entwurf ruft förmlich Energiewende. Die vier solitären Hochbauten (zwölf bis 16 Geschosse) wirken in der Darstellung dann auch wie aufgestellte Briketts. Dazwischen wächst Energiewald, der zur Energiegewinnung regelmäßig geerntet werden soll. Der Ortsvorsteher von Dissenchen-Schlichow, Roland Hoffmann, kommentiert das nur kurz mit: „Da würde ja alle zwei Jahre die Motorsägen heulen.“ Für Denis Kettlitz hat er dagegen einen deutlich besseren Wiedererkennungseffekt. Der Ostsee-Fördervereinschef sagt: „Das Besondere fehlt.“ Deshalb setzt Kettlitz seine Hoffnung nun in die Hochbauten. Da wollen dann auch die Hamburger wieder mitmischen.