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| 18:45 Uhr

Sozialarbeit
Eine Stadt, viele Herausforderungen

Cottbus. Die Jugendhilfeplanung zeigt ein differenziertes Bild der Jugend in Cottbus. Von Daniel Schauff

Die Jugendhilfeplanung der Stadt bietet neben einem Überblick über die Jugendarbeit in den Stadtteilen von Cottbus auch eine Definition der Herausforderungen für die Akteure. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Cottbuser Stadtverordneten den Fahrplan für die nächsten fünf Jahre festgezurrt.

Basierend auf Zahlen von Ende 2017 zeichnet die Jugendhilfeplanung – konkreter: der „Teilplan Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit“ – ein stark unterschiedliches Bild der einzelnen Sozialräume. Fünf davon sind in dem 66 Seiten umfassenden Dokument definiert: Mitte, West, Nord, Ost und Süd. Bezogen auf die Kernzielgruppe der Sechs- bis unter 21-Jährigen Cottbuser gilt dem Sozialraum Süd ein besonderer Augenmerk. 3628 Kinder und Jugendliche in der Altersgruppe leben in Sachsendorf, der Spremberger Vorstadt, Gallinchen und Groß Gaglow – deutlich mehr als in den anderen Sozialräumen. Knapp 3000 waren es laut Stadt noch 2012 trotz rückläufiger Einwohnerzahl. „Die zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen resultiert auch (...) aus der Zunahme von Familien mit Migrationshintergrund“, heißt es in der Planung. Das führe auch zu einem starken Bedarf an Schul-, Hort- und Kitaplätzen. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Jugendhilfe sei eine Herausforderung, ebenso die Kooperation zwischen den Arbeitsbereichen der Sozialarbeit an der Schule und der Jugendarbeit. Die Vernetzung der unterschiedlichen Anbieter von Jugendangeboten sei besonders wichtig.

Im Norden, dazu gehören Schmellwitz, Sielow, Döbbrick, Saspow, Skadow und Willmersdorf, leben 2726 Sechs- bis unter 21-Jährige und damit deutlich weniger als im Süden. Ähnlich wie der Süden steht auch der Cottbuser Norden vor der Herausforderung einer besonders heterogenen Jugend – die Jugendarbeit müsse sich auf die zunehmenden Differenzierungen der Interessen von Jugendlichen einstellen. Die Jugendarbeit müsse sich darauf konzentrieren, Deutsche und Geflüchtete gemeinsam zu erreichen, um ihnen gemeinsame Erfahrungen zu ermöglichen. „Da wir in diesem Planungsraum viele Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien haben, braucht es hier besondere Anstrengungen Kinder, Jugendliche und ihre Familien zu stärken“, heißt es in der Planung.

Im Planungsraum Mitte leben Ende 2017 nur 1203 Cottbuser, die zur Kernzielgruppe der Jugendhilfeplanung gehören. In keinem Stadtteil leben weniger junge Cottbuser zwischen sechs und 20. Dennoch hat Mitte eine wichtige Funktion: Viele Jugendliche auch aus den anderen Sozialräumen hielten sich dort auf, heißt es in der Jugendhilfeplanung. Grund seien die vielen Freizeitangebote für Jugendliche. Dennoch: Die Innenstadt verdichte sich, Parks oder Sportplätze werden rar, einen Bolzplatz etwa gibt es nicht. „Die Öffnung von Schulsportplätzen am späten Nachmittag könnte dem entgegen wirken“, schlägt die Planung vor. Zudem müsse die aufsuchende Jugendarbeit verstärkt werden, um unterschiedliche Jugendgruppen zu kontaktieren und aktiv zur Integration beizutragen.

Im Planungsraum West leben 1881 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 20 Jahren. Das Gebiet grenzt ans Zentrum und umfasst dazu Alt-Ströbitz. Der öffentliche Raum spiele dort eine große Bedeutung für Kinder und Jugendliche, heißt es in den Analysen in der Jugendhilfeplanung. Probleme, die sich in er Innenstadt beheben ließen, haben sich teils in den Westen der Stadt verlagert, heißt es weiter. Neben den stationären Angeboten der Jugendsozialarbeit müssten auch mobile, an den Interessen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtete Angebote dafür sorgen, dass der öffentliche Raum genutzt werden könne und das mit außerschulischen Bildungsangeboten verknüpft werde.

Im Osten mit Sandow, Merzdorf, Dissenchen, Branitz, Kiekebusch und Kahren leben 2453 Kinder und Jugendliche der Kernzielgruppe. Die Stadt verzeichnet einen Zuzug junger Familien, aber auch einen großen Anteil an Senioren. Schul-, Kita- und Hortplätze fehlten, der Bedarf an integrativen Angeboten steige derweil. Neue Jugendarbeit- und Jugendsozialarbeit-Angebote seien notwendig, ebenso die Verstärkung der Sozialarbeit an der Schule. Den Cottbuser Ostsee begreifen die Planer auch als Chance für Kinder und Jugendliche, indem sie an der Entwicklung des Lebensraumes beteiligt werden können.