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Eine „sportliche Bauzeit“ für die neue Vattenfall-Zentrale

Kein ohrenbetäubender Baulärm, keine Hektik – fast Idylle an diesem sonnigen Samstagmorgen. Gearbeitet wird dennoch auch an diesem Tag. Rund vier Monate liegt der erste Spatenstich zurück – und damit der Beginn des größten Bauvorhabens von Vattenfall Europe. In der Cottbuser Vom-Stein-Straße baut das Energieunternehmen die neue Verwaltungszentrale. Beauftragt ist damit die Firma Walter Bau AG. Von Mirjam Hecht


Ein gelb behelmter Besucherpulk macht seine Runde, angeführt von Joachim Kretschmer, dem Hauptverantwortlichen für das Vorhaben „Verwaltungsgebäude“ . Er stapft voran auf dem sandigen Untergrund. Bauwagen und Container hier, schwere Betonplatten dort. „Das ist die Zufahrt zur Tiefgarage“ , sagt Kretschmer mit ausgestrecktem Arm. Es ist eine sandige schiefe Ebene, die sich hinter einer halbhohen Betonmauer ausbreitet. Der Blick bleibt kurz an rosa angestrichenen Dämmplatten hängen, bevor es weitergeht - entgegen dem Uhrzeigersinn eine Anhöhe hinauf, vorbei an kleinen Unkrautbergen, die „Tiefgarage“ umkurvend.
Die hat bereits ihr Fundament, aus dem an verschiedenen Stellen hunderte, vielleicht tausende Stahlstreben ragen - wie Nadeln in einem Stecknadelkissen. Viel mehr als das vermag Bernd Rabann, zuständig für Bauplanung und Beratung, beim Blick auf die tief liegende Betonplatte zu erkennen. Er zeigt in die Richtung einiger „Stecknadel“ -Gruppen: „Das da wird ein Treppenaufgang, dort ist der Fahrstuhlschacht.“ Viel Vorstellungskraft ist gefragt.
Der Tross bewegt sich weiter Richtung „Turm“ , dem Kernstück dieses Bauprojektes entgegen. Noch ragt er nicht in die Höhe, noch wird am zweiten Obergeschoss gebaut - und noch wirkt das Ganze roh und kalt. „Wenn man sich vorstellt, wo das mal endet“ , meint Bernd Rabann mit Blick gen Himmel, hinauf zu den drei Baukränen. „Das ist schon imposant.“ Noch fehlen zwölf Stockwerke bis zu „imposant“ . Um eine Etage pro Woche soll der ovale Riese wachsen, bis knapp unter 50 Meter.
Joachim Kretschmer macht auf eine statisch anspruchsvolle Besonderheit aufmerksam. „Streng genommen wird der Turm an seiner abgerundeten Seite quasi schweben - ein ganz interessanter Reiz.“
Übergabetermin des schwebenden Riesen ist April 2004. „Eine sehr sportliche Bauzeit“ , wissen die Beteiligten. Auch Torsten Schmidt, Projektverantwortlicher auf der Baustelle: „Es darf nichts dazwischenkommen - keine nicht lieferbaren Fertigteile, kein früher Wintereinbruch.“ Doch daran mag er jetzt nicht denken, schwärmt stattdessen mit Blick auf den Zweigeschosser, der einmal 14-Geschosser mit 550 Arbeitsplätzen sein wird: „Es ist immer wieder faszinierend, so ein Bauwerk wachsen zu sehen.“
Dass es wächst - dafür wird auch an diesem Samstag gesorgt. Mit freiem Oberkörper und tief gebräunt verrichten die Männer vom Bau ihre Arbeit - genau dort, wo einst der Barbara-Saal sein wird und die Schutzheilige der Bergleute über die Vattenfall-Mitarbeiter wachen wird.
Bis jetzt geht ohnedies alles glatt. Joachim Kretschmer lächelt: "Alles im Plan, alles zufrieden stellend." Helm ab.