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Eine Kirche mit besonderer Geschichte

So idyllisch präsentierte sich die Katholische Kirche an der Dresdener Straße um 1909.
So idyllisch präsentierte sich die Katholische Kirche an der Dresdener Straße um 1909. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch ruft die Geschichte der Katholischen Kirche in der Dresdener Straße in Erinnerung. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

Diese Ansichtskarte zeigt uns, hinter prächtigen Bäumen fast versteckt, die katholische Kirche "Zum guten Hirten" in der Dresdener Straße (heute Straße der Jugend). Daneben stehen das 1850 errichtete Pfarrhaus, das auch als katholische Schule, als kirchliche Einrichtung, genutzt wurde und das sogenannte Schwesternheim. Dieses wurde in den Jahren 1927/1928 erweitert. Die Karte muss vor der Erweiterung des Heimes angefertigt worden sein, da diese auf der Postkarte noch nicht zu sehen ist.

Das Kirchlein hat seine besondere Geschichte. Mit der Einführung der Reformation im Jahre 1537 in Cottbus wurden die Kirchen nur noch von den reformierten - den evangelischen Christen genutzt. Eine kleine verbliebene katholische Gemeinde durfte sich zunächst in der Katharinenkapelle, dem Vorgängerbau der Schlosskirche (heute Synagoge) in der Spremberger Straße treffen. Doch ab etwa 1550 war dies nur noch in privaten Räumen möglich. Der Magistrat der Stadt Cottbus soll ab 1621 der kleinen Gemeinde die Mitbenutzung der Begräbniskapelle "Ad sanctam portam" auf dem Friedhof vor dem Spremberger Tor zu gottesdienstlichen Zwecken genehmigt haben. Die Cottbuser Gemeinde wurde von Neuzelle aus betreut und man hoffte sehr, in Cottbus eine selbstständige Pfarrei einrichten und natürlich ein eigenes Kirchlein erbauen zu dürfen. Die Gemeinde in Cottbuser umfasste die Städte Peitz, Drebkau, Vetschau, Calau und Spremberg und die dazugehörigen Dörfer.

Pfarrer Florian Birnbaum, der seit 1832 Pfarrer in Neuzelle war, setzte sich besonders für die Verbesserung der Situation der katholischen Gemeinden in der Niederlausitz, der Kur- und Neumark ein. In Cottbus verhandelte er mit dem Magistrat wegen des Ankaufs eines geeigneten Grundstücks. Letztendlich erwarb er ein Privatgrundstück nebst Haus von dem Tuchmachermeister Müller vor dem Spremberger Tor an der Chaussee, gegenüber dem neuen Friedhof für 1060 RTh.

In den vorangegangenen Jahren hatte Pfarrer Birnbaum milde Gaben für einen Kirchenbau gesammelt, dazu kamen noch größere Spenden und Vermächtnisse. Das Geld hatte er gut angelegt, konnte nun an die Bauplanung denken. Doch alles dauerte viel länger als gedacht. Der erste Entwurf für eine Kirche eines namhaften Cottbuser Bau- und Maurermeisters wurde von der Königlichen Regierung abgelehnt. Daraufhin wurde der Cottbuser Maurermeister Stoske unter der Leitung des Kreisbauinspektors Fritsch beauftragt einen Plan, eine Zeichnung und den Kostenanschlag anzufertigen. Dieses Mal wurde vom Kultusministerium der Antrag abgelehnt, weil der Kostenanschlag zu hoch sei. Nachdem Pfarrer Birnbaum sich verpflichtete, die innere Ausschmückung der Kirche selbst zu finanzieren, gab es eine Baugenehmigung. Während der Bauzeit verstarben 46jährig der Kreisbauinspektor Fritsch und 34jährig der Maurer- und Stuckmeister E.G. Stoske. Der Maurermeister Friedrich Wilhelm Kahle übernahm die weiteren Arbeiten.

Er übernahm auch den Bau für das Pfarr- und Schulhaus, für das am 9. April 1850 der Grundstein gelegt wurde. Dieses Gebäude wurde noch im selben Jahr fertig. Endlich gingen die Bauarbeiten zügig voran. Am 27. Oktober 1850 fand die feierliche Weihe dieses ersten Katholischen Kirchenneubaus in Cottbus und der Niederlausitz nach über 300 Jahren statt. Dem Zeitungsbericht zufolge sollen auch viele Protestanten, darunter der Landrat des Kreises Cottbus, der Oberbürgermeister, Senatoren und Stadtverordnete, auch die protestantische Geistlichkeit, an der Einweihung teilgenommen und sich lobend über dieses Bauwerk geäußert haben.

Die katholische Gemeinde in Cottbus wuchs kontinuierlich, sodass man schon bald an einen größeren Kirchenbau denken musste. 84 Jahre nach der Kirchweihe, schritt man wieder zu einer Kirchweihe, der "St. Maria Friedenskönigin". Das war zunächst das Ende der bescheidenen Backsteinkirche. Alles Kirchengerät, einschließlich der Glocke, wurde 1934 in das neue große Gotteshaus mitgenommen. Das Gebäude in der Dresdener Straße (heute Straße der Jugend) wurde Lagerplatz für Verbandsmaterial des Roten Kreuzes. Beim Bombenangriff im Februar 1945 wurde die Sakristei völlig zerstört, eine Bombe fiel direkt in den Pfarrhof und bei der Sprengung der Eisenbahnbrücke, der Bahnüberführung im April 1945 kam es zu weiteren erheblichen Schäden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs suchten Tausende Vertriebene jenseits von Oder und Neiße in Cottbus ein neues Zuhause. Cottbus selbst entwickelte sich wenige Jahre später als Bezirksstadt und zum Zentrum der Kohle-, Energie- und Textilindustrie. Damit verbunden war der Anstieg der Einwohner. Nun war auch die große Kirche "St. Maria Friedenskönigin" zu klein geworden. Alle Versuche, ein Grundstück zu erwerben für einen Kirchenneubau schlugen in den 1950er Jahren fehl. Als einzige Möglichkeit blieb, die alte Kirche "Zum guten Hirten" wieder zu nutzen. In mühevoller Arbeit wurde das desolate Backsteingebäude wieder als Kirche hergerichtet. Am 11. November 1967 wurde durch Bischof Gerhard Schaffran das Haus als "Christuskirche" geweiht. Den Namen "Zum guten Hirten" tragen inzwischen die Propsteipfarrei Cottbus und die dazu gehörigen katholischen Gemeinden des Umlands.

Die Katholische Kirche "Zum guten Hirten": Das Portal über der Pforte fehlt, die Anmutung des Baus hat sich dennoch kaum geändert.
Die Katholische Kirche "Zum guten Hirten": Das Portal über der Pforte fehlt, die Anmutung des Baus hat sich dennoch kaum geändert. FOTO: dli1