| 02:33 Uhr

Eine Frage der Aussicht

Hubert Mader und Anke Schulz zeigen das Ostsee-Tor führt direkt zum Willmersdorfer Strand. Der Weg hinunter zum See soll die Mirabellen-Allee werden.
Hubert Mader und Anke Schulz zeigen das Ostsee-Tor führt direkt zum Willmersdorfer Strand. Der Weg hinunter zum See soll die Mirabellen-Allee werden. FOTO: Kompalla
Willmersdorf. Die Willmersdorfer wollen ihren Aussichtspunkt auf den Ostsee nicht aufgeben. Denn er ist auch ein Erinnerungsort an das abgerissene Lakoma. Doch nun soll auch er verschwinden. Ein neuer Ausblick ist am Einlauf geplant. Peggy Kompalla

Hinter den Palisaden öffnet sich der Blick bis zum Horizont. Ein Sandmeer. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Dann fließt Wasser, füllt die einstige Braunkohlegrube und verwandelt sie in den Ostsee. Auf den warten die Willmersdorfer seit Jahrzehnten. Mit Enthusiasmus bereiten sie sich darauf vor, entwickeln Ideen. Dazu gehört auch der Aussichtspunkt in Lakoma. Doch nun erfahren sie aus einer Mitteilung des Bergbauunternehmens Leag, dass der Aussichtspunkt verschwinden soll. Das empört die Willmersdorfer - gleich aus mehreren Gründen. Das wird bei der Sommertour der CDU mit dem Stadtverordneten Wolfgang Bialas, dem Landtagsabgeordneten Michael Schierack und dem Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze deutlich.

Für die Willmersdorfer ist der Aussichtspunkt viel mehr als ein Panoramablick. Er ist auch ein Ort der Erinnerung an Lakoma. Das Dorf musste dereinst den Baggern weichen. Hubert Mader streckt seinen Arm aus: "Hier steht die Dorflinde, dort das Storchennest. Wir wollen diesen Ort erhalten." Ortsvorsteherin Anke Schulz ergänzt: "Darum kämpfen wir seit zwei Jahren." Die Willmersdorfer haben eigene Ideen. Die meterhohen Palisaden würden sie gern kappen. "Auf 60 Zentimeter", erklärt der Ostseevordenker Mader. "Darauf machen wir Bänke. Das ist der perfekte Ausblick. Wir wollen uns auch selbst um die Pflege kümmern."

All das haben die Willmersdorfer sowohl der Cottbuser Stadtverwaltung als auch dem Bergbauunternehmen mitgeteilt. Als Antwort erreichte den Ortsbeirat in der vergangenen Woche nun eine Mitteilung über den Abriss der Palisaden. Darin heißt es, dass der bauliche Zustand einzelner Palisaden irreparabel sei. Leag-Sprecherin Kathi Gerstner erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage: "Daher ist der Rückbau der Palisaden aus Sicherheitsgründen jetzt zwingend erforderlich." Hubert Mader lacht bei der Auskunft und klopft gegen die Palisaden. "Die stehen wie eine Eins."

Die Unternehmenssprecherin ergänzt: "Mit der Baugenehmigung für den neuen Aussichtspunkt Einlaufbauwerk durch die Stadt ist der Rückbau als Voraussetzung festgeschrieben worden. Gleichzeitig ist der Rückbau des Aussichtspunktes für die Folgenutzung im Bereich Lakoma notwendig." Für die Willmersdorfer ist das nicht nachvollziehbar. Hubert Mader holt die Potenzialanalyse für den Cottbuser Ostsee hervor. Dort ist der "Aussichtspunkt mit Erinnerungsstätte" für Lakoma-Willmersdorf eingezeichnet.

"Warum redet niemand mit uns?", fragt Anke Schulz und schiebt nach: "Leag könnte eine Menge Geld sparen." Vom neuen Aussichtspunkt halten die Willmersdorfer wenig. "Haben Sie das mal gesehen?", ruft Hubert Mader. "Das ist ein Geländer. Mehr nicht." Der neue Aussichtspunkt ist eine Plattform auf dem Ostsee-Einlauf, der nur wenige Meter südlich vom alten Aussichtspunkt entsteht (siehe Grafik). So stellen sich die Willmersdorfer das nicht vor.

An anderer Stelle können sie mit ihren Ideen überzeugen. Ein Ostsee-Tor weist den Weg. Hubert Mader erklärt: "Das wird unser Strand. Hier wollen wir eine Mirabellen-Allee pflanzen." 15 Bäume rechts und links des Weges, wo noch die Brunnen stehen und damit ausreichend Wasser vorhanden ist. "Die Stiftung Lausitzer Braunkohle will uns dabei unterstützen."

Ohne Brücke über den Hammergraben kommen die Besucher allerdings nicht an den Strand. "Deshalb ist das für uns die Priorität Nummer eins", so Mader.

Derweil sind die Touristen längst da. Das Hotel Willmersdorfer Hof sei vier Monate in Folge ausgebucht, berichtet Mader. Deshalb haben die Willmersdorfer kurzerhand eine Wanderkarte entwickelt. Sie führt durch das malerische Dorf. "Eine zweite Route erstellen wir gerade", erzählt Anke Schulz. "Die wird zum Ostsee führen." Die Karten werden im Hotel ausgelegt, eine Ausschilderung im Ort organisieren sie auch noch.

Eine Sorge treibt die Willmersdorfer um. Der Haltepunkt der Deutschen Bahn ist für sie ein wichtiger Teil des Entwicklungskonzeptes. "Der muss unbedingt erhalten bleiben", betont Anke Schulz.

Der neue Aussichtspunkt auf dem Ostsee-Einlauf ist eine Plattform.
Der neue Aussichtspunkt auf dem Ostsee-Einlauf ist eine Plattform. FOTO: Grafik Leag