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| 01:02 Uhr

Eine deutsch-russische Tragödie

„Geschichte soll exakt, wahr und nachprüfbar sein“ , sagte Siegfried Schütt, der in der Stadtteilbibliothek Cottbus sein Buch „Befreit, verfolgt und totgeschlagen“ vorstellte. Die dokumentarische Erzählung beschäftigt sich mit der deutsch-russischen Tragödie zum Kriegsende in der Niederlausitz. Von Christiane Vietze

In brillanter Art und Weise gelang es ihm, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Mit klaren, einfachen Worten erzählte der Autor in seinem Buch, das im Euroverlag erschienen ist, von den Exzessen der Roten Armee und den Folgen in der Niederlausitz 1945. Der Protagonist der Geschichte, Losinsky, hofft auf Aussöhnung zwischen den Völkern. Bei aller Ernsthaftigkeit, die das Thema gebietet, erfährt man auch Kuriositäten der Nachkriegsjahre. Festgemacht an Aussagen von Zeitzeugen. Zu DDR-Zeiten ein absolutes Tabu.
Schütt, selbst in der Niederlausitz, in Calau, geboren und zu Kriegsende noch ein Kind, recherchierte fast zwei Jahre umfassend über diese Zeit. In seinen Recherchen wurde der Autor unter anderem durch seine Frau und seinem Bruder unterstützt. Bruder Peter Schütt „Ich kenne die Calauer am besten und konnte zu dem bestimmte Bezüge herstellen, die meinen Bruder sehr geholfen haben.“ Trotzdem wurde die Arbeit an diesem Buch sehr erschwert da es nur noch „wenige Zeitzeugen gibt“ , so Siegfried Schütt. „Eine weitere Schwierigkeit lag in der Überprüfung der Aussagen, die ich zunächst miteinander vergleichen und dann noch einmal, soweit das möglich war, mit Dokumenten aus verschiedenen Archiven und Eintragungen in Sterberegistern sowie Sachbüchern und Festschriften aus vergangenen Jahren“ , so Schütt. Anregungen dieses, Buch zu schreiben, bekam Schütt von den Calauern. „Sie wollten, dass ihre Ortgeschichte nicht in Vergessenheit gerät“ . An diesem Abend fanden sich auch zwei gebürtige Ehepaare aus Calau ein: Joachim Haberland mit seiner Frau Brigitta. Schütt führt Einzelschicksale in seinem Buch auf, so auch die von Brigitta Haberlands Vater Fritz Natusch. Das Ehepaar stimmte dem Autor zu. „Dieses Buch bringt geschichtliche Klarheit, über das Elend in der Kriegszeit“ , so Ariane Teske.
Nach seiner Lesung stand Schütt allen Anwesenden Rede und Antwort.
Am Ende fanden die Teilnehmer der Lesung Impulse zum Nachdenken. Ein gelungener Abend in der Stadtteilbibliothek Cottbus, war der abschließende Tenor.

Hintergrund Der Niederlausitzer Autor Siegfried Schütt
  Siegfried Schütt wurde 1937 in der Niederlausitz geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Calau. Er studierte Literatur in Leipzig. Zu Schütts wichtigsten Werken zählen Reportagen wie „Frieden, Wohlstand, Stabilität“ Berlin, 1982, das Porträt „Theodor Oberländer“ München, 1955, oder auch Erzählungen wie „Taubensommer“ Berlin, 1985. Außerdem verfasste der Autor zahlreiche Beiträge für Zeitungen und verschiendene Literaturzeitschriften.
Der Publizist ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und erhielt 1980 den FDGB-Kunstpreis.
Er lebt und schreibt heute in Südthüringen.